Fischbrötchen: Gutes aus dem Meer

Angeblich soll Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck einst die Norddeutschen als "Fischköppe" bezeichnet haben, was damals sicher nicht als Kompliment gemeint war. Die Küstenbewohner waren ihm zu langsam. Noch immer werden Hamburger von anderen Deutschen gerne und mit einem belustigten Unterton "Fischkopp" genannt. Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Ein bisschen was ist da auch dran, denn Fisch spielt in Hamburg seit jeher eine große Rolle. Davon zeugen auch einige Straßennamen und Plätze in der Hansestadt

Fischbrötchen, © iStock.com/Nata Vkusidey
Fischbrötchen, © iStock.com/Nata Vkusidey

Der Stintfang zum Beispiel, eine 26 Meter hohe Anhöhe am rechten Elbufer direkt an der U-Bahn-Station Landungsbrücken. Der Name leitet sich von der Fischart Stint ab, die einst ganz in der Nähe in großen Mengen gefangen wurde. Stinte haben zwischen Februar und April Saison und gelten in Hamburg noch immer als eine Delikatesse. Allerdings werden davon auf der Elbe zwischen der Mündung und Geesthacht weniger gefangen, da der Bestand seit Jahren immer mehr zurückgeht. Der Stint riecht ein wenig nach Gurke und wird deshalb auch manchmal "Gurkenfisch" genannt. Am besten schmeckt der kleine Fisch, wenn er in Roggenschrot gewendet und in Speck knusprig ausgebraten wurde. Stinte sind übrigens so klein, dass sie auch mit Schwanz und Gräten gegessen werden können. Eine gute Adresse, um im Frühjahr eine leckere Portion Stinte zu essen, ist die Alte Liebe im Kaispeicher B. Auch Fischbeisl in der Großen Elbstraße führt den Stint auf der Karte. Wer davon nicht genug bekommt, fährt nach Rissen ins Lokal "Zum Falkenstein", denn hier gibt es in der Saison Stinte satt.

Hamburger Wal-Bekanntschaft

Ein anderes Meerestier gab einer Straße in der Schanze ihren Namen – oder besser: ein Teil dieses Tieres. Das Schulterblatt wurde nach einem Wirtshaus benannt, bei dem das Schulterblatt eines Wales über dem Eingang hing. Ab dem Jahr 1700 wurde die Straße darum im Volksmund "Beim Schulterblatt" genannt. In einer Karte aus dem Jahr 1746 wurde sie mit "Bey dem Schulter Blat" bezeichnet. Seit 1841 heißt die Straße offiziell Schulterblatt. Es passt übrigens gut, dass sie nach einem Wirtshaus benannt wurde, denn bis heute gilt das Schulterblatt als Ausgehmeile mit vielen Kneipen und Gaststätten. Und guten Fisch gibt es dort auch, zum Beispiel in der Gaststätte Fisch-Imbiss.

Am bekanntesten ist aber der Altonaer Fischmarkt an der Großen Elbstraße. Werktags handelt es sich um einen Parkplatz, auf dem sogar Camper mit ihren Wohnmobilen übernachten können. Aber an Sonntagen wird hier gehandelt, was das Zeug hält – und das hat Tradition. Bereits seit dem frühen 18. Jahrhundert werden auf dem Altonaer Fischmarkt neben fangfrischem Fisch auch Obst, Gemüse und Pflanzen verkauft. Der Markt findet von 5.00 bis 9.30 Uhr statt, im Winter geht es ab 6.00 Uhr los. Hier treffen sich die Nachtschwärmer vom Kiez und die Frühaufsteher, die hier Schnäppchen ergattern wollen. Bei Aale-Dieter gibt es frisch geräucherten Aal in bester Qualität, gleich nebenan wandern kiloweise Früchte in die Tüten. Oder man feiert und frühstückt gleich nebenan in der Fischauktionshalle, denn dort setzt es Livemusik zum Brunch oder Frühschoppen.

Fischfang in Hamburg

Während der sonntägliche Markt vor allem von Touristen besucht wird, gilt der Hamburger Fischmarkt insgesamt als einer der größten Handelsplätze für Fisch in Norddeutschland. Jeder siebte in Deutschland verzehrte Fisch kommt aus Hamburg. Pro Jahr werden hier 36.000 Tonnen Frischfisch verarbeitet. Bundesweit herrscht hier die größte Vielfalt an Fischsorten. Zwischen 60 bis 80 verschiedene Arten Fisch werden hier täglich frisch gehandelt, zum Beispiel Rotbarsch, Kabeljau und Seelachs aus Nordeuropa. Oder Thunfisch, Schwertfisch und Teufelsfisch aus Asien.

Fische und Hamburg sind also untrennbar miteinander verbunden – und dafür existiert auch ein kulinarischer Beleg. Damit sind nicht nur einige der zweifelsfrei besten Fischrestaurants Deutschlands (wenn nicht sogar der Welt) gemeint, die in Hamburg liegen. Wenn es in Hamburg neben Labskaus eine Leibspeise gibt, dann sind es Fischbrötchen – und die isst man vor allem im Stehen. Wir übertreiben also nicht, wenn wir Fischbrötchen als den wichtigsten Snack der Stadt bezeichnen. Berlin hat die Currywurst, München die Weißwurst – und Hamburg das Fischbrötchen mit Matjes, Hering oder Makrele. Und weil wir nicht so sind, zählen wir auch das Krabbenbrötchen dazu. Auch eine Frischfrikadelle oder ein Backfisch darf zwischen den Brötchenhälften stecken – Hauptsache, die Hauptzutat stammt aus dem Meer. Auch die Qualität muss stimmen, denn darauf legen Fischköppe wert. Apropos: Als Dank für die Bezeichnung "Fischkopf" haben die Norddeutschen den Spieß umgedreht: Zu den Lieblingsfischgerichten der Hamburger zählt der Bismarckhering.

Wir haben uns in Hamburg durchprobiert und verraten, wo es die besten Fischbrötchen der Stadt gibt. 

Die besten Links zu leckeren Fischbrötchen

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