Hamburg ganz asiatisch: Kulinarisches aus Fernost

Es ist noch gar nicht so lange her, da ging man „zum Chinesen“, wenn man in einem Restaurant asiatisch essen wollte. Noch bis weit in die 1980er-Jahre zählten in Hamburg Restaurants aus Korea, Japan oder Vietnam zu den Exoten. Dann wurde Sushi zum Trend, japanische Esskultur eroberte die westliche Welt.

Asiatische Küche, © iStock.com/Katrin Sauerwein
Asiatische Küche, © iStock.com/Katrin Sauerwein

Mehr noch: Ob eine Pho (Suppe) aus Vietnam oder Kimchi (Kohlgericht) aus Korea – immer mehr köstliche Gerichte aus anderen asiatischen Ländern fanden feste Plätze auf den Speisekarten.

Geschmäcker ändern sich – gerade in der Küche verschwimmen die Grenzen. Asiatisches Essen steht inzwischen häufig generell für Rezepte aus Fernost. Dabei wird leider unterschlagen, dass es gerade die landestypischen Spezialitäten sind, die eine eigene Identität ausmachen. Die Hamburger pflegen schließlich zum Beispiel mit Labskaus oder Franzbrötchen auch ihre ganz eigenen Köstlichkeiten. Die Küche aus Fernost also generell als asiatisch zu bezeichnen, wäre so, als würde man Pizza und Köttbullar als europäische Küche zusammenfassen.

Das mag bei IKEA funktionieren, mit der Realität hat das allerdings nur wenig zu tun. Ein sprachliches Dilemma. Wahrscheinlich gehen viele Köche inzwischen deshalb dazu über, den kulinarischen Mix der Kulturen mit dem Begriff "Fusion" zu versehen. Als Fusionsküche wird die Kombination ganz unterschiedlicher Esskulturen verstanden, beispielsweise aus Asien und Europa. Also eine Küche im Zeitalter der Globalisierung, die perfekt zu Hamburg passt. Schließlich nennt sich die Hafenstadt nicht ohne Grund "Das Tor zur Welt".

Der Handel mit Fernost spielte für Hamburg schon immer eine wichtige Rolle, bis heute gilt der Hafen dafür als Dreh- und Angelpunkt. Besonders zu China gab es gute Verbindungen: Ende des 19. Jahrhunderts heuerten viele Chinesen bei Hamburger Reedereien an, wo sie häufig an Bord ausgebeutet wurden.

Rund um die Schmuckstraße auf St. Pauli entstand in der Zeit ein chinesisches Viertel, auch Chinatown Hamburgs genannt. Hier lebten Seefahrer, Geschäftsleute und Migranten aus China – und brachten in Garküchen und Restaurants heimische Mahlzeiten mit. Immer mehr Hamburger fanden Gefallen an der exotischen Küche. Im Dritten Reich wurde das Viertel 1944 von den Nazis aufgelöst, viele Einwohner wurden verhaftet, interniert oder umgebracht. In der Schmuckstraße erinnert heute ein Stolperstein an die sogenannte "Chinesenaktion". Vom einstiegen Chinaviertel sind nur wenige Relikte übrig geblieben.

Die dunklen Zeiten sind zum Glück vorbei, inzwischen leben und arbeiten wieder mehr als 5.000 Chinesen in Hamburg. Aber auch Menschen aus anderen asiatischen Ländern fühlen sich in der Hansestadt wohl: Laut dem statistischen Amt leben hier zum Beispiel 2.500 Vietnamesen und jeweils 1.500 Thailänder und Japaner. Das wirkt sich auch auf die Esskultur aus. Vom Imbiss bis zum Edelrestaurant: In Hamburg kann man eine kulinarische Reise durch ganz Asien machen, ohne die Stadt zu verlassen. Und inzwischen sind es eben nicht mehr nur klassische Gerichte wie Nasigoreng, Peking-Ente oder Sushi, die bestellt werden. Die hanseatischen Gaumen haben sich auf die Geschmacksvielfalt eingestellt und kochen asiatische Gerichte sogar nach.

Zutaten gibt es nicht nur in asiatischen Supermärkten wie Vinh-Loi in Wandsbek oder Yuanye in der Innenstadt. Mittlerweile führen die meisten größeren Supermärkte zumindest eine kleine Auswahl an asiatischen Spezialitäten und Gewürzen im Programm. Wem Rezepte aus Kochbüchern nicht genügen, kann beispielsweise bei CayCay in Eppendorf einen vietnamesischen Kochkurs buchen.

Aber am schönsten ist es, sich einfach verwöhnen zu lassen. In Hamburg laden unzählige Restaurants dazu ein, neue Geschmäcker und alte Lieblingsgerichte auf der Zunge zergehen zu lassen. Ob asiatische Tapas, koreanischer Kimchi, japanische Ramen, chinesische Dim Sum oder eine Mischung aus vielen asiatischen Esskulturen: Wir haben uns in Hamburg mal ein wenig durchgeschlemmt.    

Nützliche Links Querbeet durch Asien:

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