Winternotprogramm für Obdachlose startet ab November

Damit weniger Menschen auf der Straße schlafen muss, bietet die Stadt Hamburg nicht nur in kalten Nächten, sondern durchgängig ab November bis zum Frühjahr hunderte zusätzlicher Schlafplätze an. Im Winternotprogramm gibt es neben einem Platz für die Nacht eine umfassende Versorgung und soziale Beratung, um Menschen in Notlagen zu helfen.

Schlafstelle von Obdachlosen, © Pixabay/José Manuel de Laá
Schlafstelle von Obdachlosen, © Pixabay/José Manuel de Laá

Das Winternotprogramm (WNP) ist niedrigschwellig: Es kann von allen aufgesucht werden, die sich nicht selbst helfen können und eine sichere Übernachtungsgelegenheit benötigen.

Damit werden die ganzjährig verfügbaren Notübernachtungsstellen ergänzt: Das Pik As verfügt über bis zu 330 Plätze, die Notübernachtungsstätte für Frauen in der Hinrichsenstraße verfügt über bis zu 60 Plätze.

Ab dem 1. November kommen weitere 400 Plätze am Standort in der Friesenstraße und 300 Plätze am Standort in der Halskestraße hinzu, die jeweils das städtische Unternehmen Fördern & Wohnen betreibt, sowie rund 100 Plätze in Containern bei Kirchen und Hochschulen. Ein kostenfreier Busshuttle verbindet die Innenstadt sowie die Standorte Friesenstraße und Halskestraße.

Die Übernachtung erfolgt regelhaft in Zwei- und Dreibettzimmern. Für Frauen sind separate, geschützte Bereiche eingerichtet. Für besonders gefährdete, gesundheitlich eingeschränkte bzw. psychisch beeinträchtigte Menschen besteht in Einzelfällen weiterhin die Möglichkeit einer Einzelzimmerunterbringung. Zahlreiche Zimmer sind für diese Personengruppe reserviert.

Dort besteht bei entsprechendem Bedarf auch die Möglichkeit, durchgängig auf dem Zimmer zu bleiben, um sich etwa von einer Erkrankung zu erholen. Mit dem Objekt an der Friesenstraße ist ein Standort zudem besonders für Personen geeignet, die auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind.

Eine medizinische Grundversorgung wird durch eine regelmäßige ärztliche Präsenz sowie die Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst sowie mobilen Angeboten gewährleistet.

Für den Schutz vor Infektionskrankheiten, insbesondere dem Coronavirus, sind umfangreiche Hygienekonzepte aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren fortgeschrieben und Vorbereitungen für den Umgang mit Infektionsfällen oder einem wieder ansteigenden Pandemiegeschehen getroffen worden. Ebenso wird es bei Bedarf im Verlauf des WNP vor Ort auch wieder Impf- und Testangeboten geben.

Mitarbeiter:innen, die durchgängig vor Ort sind, leisten soziale Beratung. Die Beratungsangebote richten sich nach dem Bedarf der Klient:innen. Beispielsweise wird in Kooperation mit weiteren Fachstellen eine Suchtberatung angeboten, oder es können Leistungsansprüche geprüft werden.

In Zusammenarbeit mit Jobcenter team.arbeit.hamburg können auf diese Weise bei vorliegenden Ansprüchen die entsprechenden Anträge gestellt und beispielsweise auch Kosten für eine künftige Unterkunft übernommen werden. Bei besonderen Problemlagen wird aber auch mit externen Beratungsstellen zusammengearbeitet, beispielsweise, um Therapieplätze zu vermitteln.

Personen, die in Hamburg obdachlos geworden sind und hier keine Leistungsansprüche haben, erhalten in Zusammenarbeit mit anderen Fachberatungsstellen (z.B. Plata, Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit) Hilfestellungen zur Entwicklung einer Perspektive vor Ort oder zur Rückreise in ihr Herkunftsland.

Ein großer Teil der obdachlosen Menschen kann sich wegen ausländischer Herkunft nicht in deutscher Sprache verständigen. Mehrsprachige Mitarbeitende helfen ihnen zum Teil in der Herkunftssprache weiter oder greifen auf Sprachmittler zurück.

Daneben besteht ein breites Hilfesystem aus staatlichen, staatlich finanzierten und freien Hilfs- und Beratungsangeboten. Eine Übersicht ist laufend aktualisiert unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit zusammengefasst.

Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard: "Wer Hilfe braucht, bekommt ein Angebot. Dafür betreiben wir ein Winternotprogramm mit einem sehr hohen Standard und sind erneut jeden Tag für obdachlose Menschen da. Neben der unmittelbaren Hilfe in Not geht es uns darum, gemeinsam mit den obdachlosen Menschen die Ursachen der Obdachlosigkeit anzugehen. Meist ist es nicht allein die Wohnung, die fehlt – sondern eine Menge von Problemen, die zusammenkommt. Mit professioneller sozialer Beratung und Begleitung kann es aber dennoch gelingen, Schritt für Schritt die Straße hinter sich zu lassen. In den vergangenen drei Jahren konnten wir so für gut 900 Menschen eine Vermittlung in eine Unterkunft oder ein Hilfsangebot leisten. Auch in diesem Winter wollen wir viele Menschen auf diesem Weg begleiten."

Letzte Vorbereitungen

Obdachlose Menschen können das Winternotprogramm ab Dienstag, 1. November 2022 nutzen, indem sie sich an einen der Standorte begeben. Sie erhalten dort ein frisch bezogenes Bett. Handtücher und Hygieneartikel stehen vor Ort bereit. Übernachtende können jeden Abend zu demselben, von ihnen genutzten Schlafplatz zurückkehren. Es stehen abschließbare Schränke zur Verfügung.

Neben den Waschräumen für die persönliche Hygiene können auch Waschmaschinen für die Kleidung genutzt werden. Abends bieten Freiwillige des Fördervereins Winternotprogramm e.V. vor Ort eine Mahlzeit an.

Die Nutzung des Winternotprogramm ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Im vergangenen Winter gab es jederzeit eine freie Übernachtungsmöglichkeit, sodass niemand aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden musste. Damit die Sicherheitsbedürfnisse der Nutzer:innen erfüllt sind, dürfen in den Übernachtungsräumlichkeiten keine Alkoholika oder Suchtmittel konsumiert werden. An den Standorten ist dauerhaft ein Wachdienst präsent. Für Frauen werden separate Bereiche angeboten, die von weiblichem Personal betreut werden.

Das Winternotprogramm besteht aus zwei Komponenten: An den Notübernachtungsstandorten, die bereits ab 17.00 Uhr öffnen und bis 9.30 am Morgen zur Verfügung stehen, werden eine abendliche Mahlzeit, ein warmes Bett sowie Beratung und Betreuung geboten.

Mit den Tagesaufenthaltsstätten (9.30 bis 16.30 Uhr) ist komplementär auch die restliche Zeit des Tages abgedeckt. Zwischen dem Innenstadtbereich und dem Übernachtungsstandort an der Halskestraße wird ein Busshuttle angeboten. Zudem wird eine umfassende Beratung und Hilfe zur Überwindung der prekären Lebenslage angeboten.

Durch Sozialberatung, teilweise auch in unmittelbarer Kooperation vor Ort mit Jobcenter, mit Beratungsstellen für Obdachlose sowie mit Einrichtungen der Drogen- und Suchtberatung werden auch im kommenden Winter Menschen Unterstützung bei der Realisierung von Leistungansprüchen, bei der Suche nach einer Unterbringung bzw. eigenem Wohnraum, bei der Perspektivklärung sowie bei der Überwindung besonderer persönlicher Schwierigkeiten erhalten.

Es handelt sich bei dem Winternotprogramm um ein staatliches Angebot zur Gefahrenabwehr bei kalten Tagen mit frostigen Nächten. Es richtet sich ausschließlich an obdachlose Menschen in Hamburg, die eine Übernachtung suchen und über keine sonstigen Möglichkeiten zur Selbsthilfe verfügen.

Quelle: Sozialbehörde / Fördern & Wohnen AöR

Weitere Empfehlungen