Bem-vindo a Hamburgo: Das Portugiesenviertel im Wandel der Zeit

Hamburg ist ein echter Schmelztiegel: Mehr als 330.000 Menschen aus aller Welt leben in der Hansestadt, davon stammt eine der größten Gruppen aus Portugal. Das Leben an Alster und Elbe erscheint vielen Südeuropäern schon seit mehreren Jahrhunderten attraktiv – auch wenn die ersten Einwanderer nicht ganz freiwillig ihre Heimat verließen.

Frische Meeresfrüchte, © iStock.com/Olesia Shadrina
Frische Meeresfrüchte, © iStock.com/Olesia Shadrina

In vielen Städten auf der ganzen Welt existieren Bezirke, die nach der Nationalität ihrer Einwohner benannt wurden – manchmal ganz offiziell, manchmal hinter vorgehaltener Hand. In New York haben wir zum Beispiel Chinatown, in Hamburg dagegen das Portugiesenviertel. Trotz unterschiedlicher Länder und Kulturen eint die beiden Beispiele doch ein wenig die Geschichte: Hier wie dort kamen die Einwanderer, um in einer neuen Heimat und trotz fremder Sprache ihr Glück zu finden. Sie zogen einst in Viertel, die damals nicht zu den angesehensten Gegenden der jeweiligen Stadt zählten. Und sie brachten ihre Kultur und kulinarische Köstlichkeiten mit. 

Die erste portugiesische Gemeinde Deutschlands entstand im 16. Jahrhundert in Hamburg. Es waren vor allem sephardische Juden, die in Portugal vor der Inquisition flohen. Aber vor allem in der jüngeren Geschichte kamen Tausende Portugiesen nach Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Deutschland wiederaufgebaut werden, es mangelte jedoch an Arbeitskräften, die aus ganz Europa angeworben wurden. Doch während bei dem Begriff Gastarbeiter wahrscheinlich den meisten vor allem Türken oder Italiener einfallen, denkt kaum jemand an Portugiesen. Dabei leben inzwischen circa 150.000 Portugiesen in der BRD – davon rund 10.000 in Hamburg. Bis 2016 war Hamburg sogar die deutsche Stadt mit den meisten portugiesischen Einwohnern, inzwischen ist Berlin Spitzenreiter in dieser Disziplin. Congratulação (Glückwunsch)!

Anziehungspunkt für Touristen und Feinschmecker 

In den 1960er-Jahren kamen hauptsächlich Handwerker und Ungelernte nach Hamburg, Arbeit fanden sie vor allem im Hafen. Darum zogen die meisten Einwanderer in die Neustadt, also dorthin, wo sich Hafenarbeiter und die Unternehmer der Schifffahrtsbranche trafen. Damals versprühte das Viertel noch nicht den Glamour der heutigen Zeit. Es galt noch nicht als schick, hier zu wohnen, es war praktisch und günstig. Mit den neuen Einwohnern kamen Restaurants, um auch im hohen Norden südländische Spezialitäten genießen zu können. Noch heute befinden sich unterhalb des Michels unzählige Restaurants und Cafés – aber nicht nur mit portugiesischen Köstlichkeiten. Denn eigentlich täuscht der Name des Viertels, denn neben Portugiesen lebten und leben hier schließlich auch noch Tausende Einwanderer aus anderen südwesteuropäischen Ländern. Und als wäre Temperaturausgleich nötig, ist das Viertel zudem die Heimat einiger skandinavischer Kirchengemeinden.

Aber es sind vor allem die Portugiesen, die noch immer das kulturelle und kulinarische Bild zwischen den Straßen Venusberg und Vorsetzen prägen: Portugal kommt hier an jeder Ecke zum Vorschein. Bei großen Sportveranstaltungen mit portugiesischer Beteiligung gibt es kaum einen Balkon, an dem nicht eine grün-rote Flagge hängt. An der Ditmar-Koel-Straße sitzen zum Beispiel besonders im Sommer viele Gäste vor den Cafés, um nach dem Mittagessen einen Galão mit einem Nata zu genießen. Abends geht es dann in eines der vielen portugiesischen Restaurants mit köstlichen Fischgerichten. Kein Wunder, dass das Viertel inzwischen zum festen Programmpunkt vieler Touristenführungen zählt – der perfekte Ort, um sich für die nächsten Sehenswürdigkeiten zu stärken. 

Von hier ist es nicht weit bis in die Innenstadt oder in die Hafencity. Auch dort hat Portugal abgefärbt. Zwischen dem Sandtorhafen und dem Grasbrookhafen liegt beispielsweise der Vasco-da-Gama-Platz, benannt nach dem portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama, der den Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien entdeckte. Und die Magellan-Terrassen am Sandtorkai sind wiederum nach Ferdinand Magellan benannt, der als erster Seefahrer die Welt umsegelte. Eine andere Zeitreise in die portugiesische Geschichte der Stadt lässt sich auf dem Jüdischen Friedhof in Altona antreten. Der sephardische Teil des Friedhofs ist auch als Portugiesenfriedhof an der Königstraße bekannt. Von 1611 bis zur Schließung im Jahr 1877 fanden hier Beisetzungen statt, viele der alten Grabsteine sind außergewöhnlich gut erhalten. 

Auch im heutigen Schanzenviertel wird an vielen Ecken Portugiesisch gesprochen. Cafés wie das Transmontana am Schulterblatt bieten hier gegrillte Toasts, Süßspeisen und Heißgetränke an. Aber auch ein Sagres-Bier am Abend geht immer. Falls es lieber eine Flasche portugiesischer Wein sein soll, findet man diesen zum Beispiel im La Torre in der Lagerstraße. Damit man bei der Bestellung ein wenig Eindruck schinden kann, gibt es hier ein paar wichtige Vokabeln: Olá heißt "Hallo", während Bom dia „Guten Tag“ bedeutet. Mit Como estás fragt man, wie es dem Gegenüber geht, mit Bem, obrigado antwortet man "Danke, gut!". Mit Adeus verabschiedet man sich, Sim heißt "Ja" und Não "Nein". Aber es gibt auch ein wunderbares Wort, für das keine eindeutige Übersetzung existiert: Mit Saudade beschreibt man eine Liebe, die verbleibt, oder die Sehnsucht nach jemandem oder etwas. Klingt melancholisch, oder? Die Musik dazu erst recht, wie Sängerin Cesaria Evora eindrucksvoll beweist.  

Auch wenn das Portugiesenviertel zu den besonderen Bereichen der Stadt zählt – eigentlich finden wir die Bezeichnung zu klein. Die portugiesische Lebensart ist ein wichtiger Teil von Hamburg und überall in der Stadt zu finden. Wir haben uns darum einmal auf kulinarische Spurensuche begeben und stellen köstliche portugiesische Hotspots in Hamburg vor.

Die besten kulinarischen Tipps im Portugiesenviertel in Hamburg

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