So viele Windräder stehen in Hamburg
Ratgeber Umwelt & Recycling
Stadtinfo Naturschutz Hamburg
Im Zuge der Energiewende versuchen viele Bundesländer sich daran zu beteiligen, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Auch in Hamburg ist dies der Fall, wenngleich es deutliche Unterschiede gibt. Während die Stadt einen raschen Zuwachs an Wärmepumpen verzeichnen kann, bleibt die Windenergie eine große Hürde. Grund hierfür ist nicht etwa eine mangelnde Motivation, sondern schlicht das Problem, dass Hamburg als Stadtstaat nur über eine sehr begrenzte Fläche verfügt.
Laut Angaben der Stadt gab es bis Ende 2023 71 Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 125 Megawatt - immerhin ausreichend, um circa 100.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom zu versorgen. Im Vergleich mit den anderen Stadtstaaten Deutschlands steht Hamburg daher gar nicht so schlecht dar. Zwar liegt Hamburg hinter Bremen, das immerhin auf 85 Windkraftanlagen kommt, nur auf Rang zwei, doch übertrifft es Berlin wiederum deutlich. In der Hauptstadt sind derzeit nur acht Windräder in Betrieb.
Wesentlich für den geringen Bestand sind neben der begrenzten Fläche in erster Linie rechtliche sowie technische Hürden. So erschwert der Anflugkorridor des Flughafens den Ausbau im westlichen Hamburger Hafen, und der strenge Artenschutz schränkt Standorte im Außenbereich ein. Umso wichtiger sind kreative Lösungen und gezielte Planungen. Um die fehlenden Windräder zu ersetzen, wurde bereits vor einigen Jahren ein interessantes Projekt im Hamburger Hafen realisiert. Hier errichtete die Stadtwerke-Tochter Hamburg Energie sechs Windkraftanlagen direkt im Industriegebiet, um vor Ort grünen Strom für die ansässigen Betriebe zu produzieren. Auch auf dem stillgelegten Deponiegelände des Energiebergs Georgswerder stehen mittlerweile zwei moderne Windräder. In Summe handelt es sich dabei um sehr clevere Lösungen, wie die Stadt trotz mangelnden Platzes ihren Beitrag zur Energiewende leisten möchte.
Wie schneidet Hamburg im Vergleich mit anderen Regionen ab?
Ein direkter Vergleich mit anderen Bundesländern ist nur dann möglich, wenn man sich zunächst akribisch mit den Größenverhältnissen und der verfügbaren Fläche beschäftigt. Als Stadtstaat gilt Hamburg grundsätzlich als Sonderfall, da er lediglich 0,5 Prozent gemäß der Windflächenvorgabe bis 2032 für Windparks zur Verfügung stellen muss. Reguläre Bundesländer haben sich hingegen dazu verpflichtet, das Ziel von 2 Prozent zu erfüllen. Auch wenn der Bund Hamburg diesbezüglich entgegenkommt, ergibt sich dennoch ein großes, beziehungsweise eher kleines Problem. Mit einer Fläche von rund 755 km2 muss Hamburg laut der Windflächenvorgabe lediglich 3,8 km2 für Windparks zur Verfügung stellen. Und selbst das ist angesichts des dicht bebauten Stadtgebiets eine große Herausforderung.
Die Konsequenz daraus ist, dass Hamburg - selbst wenn es wollte - bei Weitem nicht so stark von der Windenergie profitieren kann, wie es in anderen Bundesländern der Fall ist. Zum Vergleich: Der nördliche Nachbar Schleswig-Holstein nutzt seinen Wind in viel größerem Maßstab. Dort sind über 130.000 Windkraft- und Solaranlagen mit rund 12.500 Megawatt am Netz. In Summe liefert dieser Ausbau mehr als 200 Prozent dessen, was das Bundesland für die Selbstversorgung bräuchte, und kann entsprechend viel Strom exportieren und somit auch finanziell davon profitieren. Dabei spielt insbesondere die vorteilhafte Lage eine zentrale Rolle. Denn während Hamburg fernab der Küste liegt, nutzt Schleswig-Holstein seine Küstengebiete, um dort zahlreiche Offshore-Windanlagen zu betreiben. Eines haben beide Bundesländer jedoch gemeinsam: Hamburg und Schleswig-Holstein gehören zu jenen Bundesländern, in denen die Bürger am meisten für den Ausbau der erneuerbaren Energien stimmen. Hohe Zustimmung für die Energiewende entsteht meist dann, wenn die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden oder sogar finanziell profitieren, wie es beispielsweise bei Energiegenossenschaften der Fall ist.
Verglichen mit anderen Bundesländern bleibt für Hamburg dennoch nur eine Mitläuferrolle bei der Energiewende. Bayern und Baden-Württemberg beispielsweise verzeichnen nur einen geringen Windkraftzubau und kamen im Jahr 2022 jeweils nur auf fünf neue Windkraftanlagen. Auch wenn Hamburg sich eher mit diesen Bundesländern messen muss, lässt sich keinesfalls sagen, dass es an fehlendem Engagement liegt. Dank neuer Planungen und politischer Rückendeckung wird erwartet, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Windräder genehmigt und gebaut werden. Ziel ist es, die klimaneutralen Stadtwerke, Industriebetriebe und Haushalte der Metropole zunehmend mit lokal erzeugtem Ökostrom zu versorgen.
Wie steht es um die Zukunft der Windenergie in Hamburg?
Vorweg lässt sich bereits sagen, dass in Hamburg derzeit intensiv an einer neuerlichen Ausbauphase der Windenergie gearbeitet wird. So wurde im Frühjahr 2025 der sogenannte Masterplan Windenergie Hafen Hamburg vorgestellt. Bislang handelt es sich beim Hamburger Hafen um ein privilegiertes Sondergebiet, das künftig auch für Windräder genutzt werden soll. Parallel dazu gibt es Bestrebungen, die Ausweisung weiterer Flächen im Umland sowie in Gewerbegebieten voranzutreiben. Problematisch dabei ist, dass sich gerade in Hamburg viele Umwelt- und Naturschutzverbände einschalten, die ein vorsichtiges Vorgehen anraten - insbesondere bei Sondierungsgebieten außerhalb des Hafens.
Im Stadtteil Bergedorf sind die Planungen hingegen deutlich weiter. Hier wurden bereits 2024 zwei neue Windparks beantragt und genehmigungsfähig gemacht. In Summe könnte Bergedorf damit künftig bis zu 16 Windkraftanlagen beherbergen und damit deutlich die Spitzenposition in Hamburg einnehmen. Zugleich dürfte dies spürbar dazu beitragen, dass Hamburg künftig mehr Strom aus eigener Produktion beziehen kann.
Trotzdem bleibt Hamburg hinter anderen Bundesländern zurück. Zwar treibt die Stadt seit 2024 den Ausbau energisch voran, doch für eine wirkliche Energiewende ist Windkraft allein nicht genug. Um die Energiewende in Hamburg flächendeckend voranzutreiben, bedarf es neben der Sondierung möglicher Plätze für Windkraftanlagen auch des Ausbaus an Solarenergie, Biogas sowie einer allgemeinen Steigerung der Energieeffizienz.
Hamburg bleibt im Rahmen seiner Möglichkeiten
Mit derzeit 71 Windkraftanlagen liegt Hamburg deutlich hinter ländlichen Regionen zurück. Allerdings nimmt das Wachstumstempo immerhin zu. Durch den neuen Masterplan für den Hamburger Hafen und Flächenprogramme sollen in den nächsten Jahren Dutzende weiterer Standorte hinzukommen. Für Verbraucher in Hamburg bedeutet dies, dass sie sich schon bald darauf einstellen können, dass der Anteil des eigenen und vor allem umweltfreundlichen Windstroms innerhalb weniger Jahre deutlich steigen dürfte. Dabei spielen auch Überlegungen eine Rolle, in die die Bürger einbezogen werden. Wo bisher wenig Windräder standen und künftig keine weiteren installiert werden können, sollen Grünflächen als Ausgleich für jene Stadtgebiete hinzukommen, in denen neue Windkraftanlagen geplant sind oder werden. Dadurch soll die Energiewende in Hamburg nicht nur politisch beschlossen, sondern von den Menschen der Stadt aktiv mitgetragen und mitgestaltet werden.