Eis, Eis, Baby! – Hamburg schleckt

Rund ums Essen & Trinken

Eisessen, © iStock.com/macniak

Eisessen, © iStock.com/macniak

Wenn es um Rekorde geht, verlieren Hamburger die norddeutsche Zurückhaltung. Gerne erzählt man sich, dass es in der Hansestadt mehr Brücken als in Venedig gibt, der größte Parkfriedhof der Welt in Ohlsdorf zu finden ist und Hamburg die Musical-Hauptstadt ist. Doch über eine Bestmarke spricht kaum jemand: In Hamburg wurde 1799 die erste Eisdiele Deutschlands eröffnet. Dort, wo heute der Alsterpavillon steht, konnten vor mehr als 200 Jahren Schleckermäuler erstmals Speiseeis kaufen.

Milch und Zucker, ein exotischer Luxus

Die kalte Süßspeise an sich ist viel älter – der Ursprung wird im alten China und lange vor Christi Geburt vermutet. Damals wurde Eis aus Gebirgen oder gefrorenen Gewässern in die Städte gebracht und mit Fruchtmischungen, Honig oder Gewürzen vermengt. Und auch Hippokrates, der alte Grieche, gab seinen Patienten Speiseeis – aus rein medizinischen Gründen natürlich. Kühlschränke und Eistruhen standen zu der Zeit freilich noch nicht an jeder Ecke. Kaiser Nero schickte Boten bis in die Berge Albaniens, um Eis zu besorgen. Erst viele hundert Jahre später waren so weite Wege nicht mehr nötig: Künstliches Eis konnte hergestellt werden, indem Salpetersalz in Wasser aufgelöst wurde. Der Weltenbummler Marco Polo berichtete davon in seiner Heimat Italien, wo dieses Prinzip dann seit dem 16. Jahrhundert erfolgreich praktiziert wurde. Der Rest ist leckere Geschichte.

Speiseeis besteht eigentlich noch immer aus den gleichen wichtigen Zutaten: Milch und Zucker. Hinzu kommen Bindemittel und natürlich noch die gewünschten Aromen. Auch wenn Vanille, Schokolade und Erdbeere noch immer die absoluten Favoriten der deutschen Gaumen sind, gibt es geschmacklich längst keine Grenzen mehr. Und es scheint so, als könne es auch nie genug davon geben: Jeder Deutsche vernascht pro Jahr insgesamt fast neun Liter der kalten Köstlichkeit.

Langnese beginnt in Hamburg

Zurück nach Hamburg, denn hier fand in den 1930er-Jahren das Eis erneut eine Heimat. Der Unternehmer Karl Seyferth importierte 1935 das erste Speiseeis am Stiel von Dänemark nach Hamburg. Für ihn war klar: Das würde ein Hit werden. Also gründete er ein Jahr später Langnese. Noch immer gilt sie als die beliebteste Eismarke bei Kleineis und Haushaltspackungen. Ebenfalls Ende der 1930er-Jahre baute die Firma Warncke in Hamburg-Lokstedt eine Eiskremfabrik. Erst Ende der 1990er-Jahre wurde diese einst beliebte Marke eingestellt. In Apensen, nur einen Steinwurf von Hamburg entfernt, sitzt noch heute Eisbär Eis. Deren Produkte findet man in den Kühltruhen jedes Supermarktes als Eigenmarke der Händler. Ein gutes Geschäft: Handelsmarken haben in Deutschland bei Speiseeis einen Marktanteil von mehr als 40 %.

Da wir ohnedies gerade einen Blick in die Kühltruhen werfen: Unter Eismangel leidet in Hamburg sicher niemand. Doch auch wenn industriell gefertigtes Eis mit mehr als 80 % den Löwenanteil ausmacht, sind gerade die selbst hergestellten Eissorten der Lieblingseisdielen um die Ecke äußerst beliebt. Wen man in Hamburg auch fragt, jeder kann sofort sagen, wo es seine Lieblingssorte gibt – ganz egal, ob es sich dabei um exotische Früchte, gewagte Kombinationen von Frucht- und Gemüsesorten oder fair gehandelte Schokolade handelt, ob um ein veganes Eis oder ganz traditionelle Sorten.

Hamburger Eiskultur und Schleck-Events

Und manchmal ist es dann wie früher, wenn man schon aus der Ferne eine Klingel hört, die den Eiswagen ankündigt. In Hamburg fahren zum Beispiel Livotto oder Eis Charlie durch die Straßen und verkaufen selbst gemachtes Eis in der Waffel oder im Becher. Auch für die eigene Feier lässt sich ein Eiswagen mieten: Der fahrbereite Stand von Frau Meis passt fast überall hin – genauso wie ihr köstliches Eis immer noch in den Süßigkeitenmagen passt.

Und weil ein Eis nicht genügt, kann man sich im Hochsommer auf Eisfestivals ordentlich den Bauch vollschlagen, zum Beispiel beim Paloma Ice Cream Festival im ehemaligen Hauptzollamt oder beim Eis Dream Festival in der Altonaer Fischauktionshalle.

Ganz klar, in diesem Fall stimmt es, wenn man vom "kühlen Norden" spricht: Hamburg ist nicht nur cool, sondern auch lecker.

Links für Eisliebhaber in Hamburg:

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