Warum die Zukunft der Gesundheitslogistik schon vor der Haustür steht

Wer in diesen Tagen durch Hamburg fährt, könnte einem Taxi begegnen, das keinen Fahrer hat. Das Pilotprojekt für autonome Taxis von Freenow und Lyft ist mehr als eine technische Spielerei – es zeigt, wie eine Metropole neue Technologien in die städtische Infrastruktur integrieren kann. Verkehrssenator Anjes Tjarks brachte es auf den Punkt: Es gehe darum, "Innovation und Verantwortung zu verbinden".

Nahaufnahme einer jungen Cannabis-Pflanze mit leuchtend grünen, gezackten Blättern.
Cannabis Pflanze, © unsplash.com / NickyPe

Dieses Prinzip lässt sich auf einen anderen Bereich übertragen, der Hamburg und ganz Deutschland derzeit beschäftigt: die medizinische Cannabis-Versorgung.

Steigende Nachfrage: Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis wächst

Die Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) belegen eine deutliche Entwicklung. 2024 wurden über 72 Tonnen Cannabis-Blüten nach Deutschland importiert – allein im ersten Quartal 2025 waren es bereits 37 Tonnen. Im September 2025 war die Jahres-Importquote von 122 Tonnen ausgeschöpft. Zum Vergleich: Die gesamte deutsche Inlandsproduktion liegt bei etwa 2,6 Tonnen pro Jahr.

Parallel dazu stiegen die Verschreibungen bei Online-Plattformen zwischen März und Dezember 2024 erheblich. Mittlerweile sind über 40 Telemedizin-Anbieter in Deutschland aktiv. Der durchschnittliche Grammpreis sank von 11,90 Euro im Jahr 2022 auf 7,49 Euro – und liegt damit unter dem Straßenpreis. Über zwei Drittel der Patienten sind Selbstzahler, was bedeutet: Preis und Service spielen eine zentrale Rolle bei der Anbieterwahl.

Wer in Hamburg medizinisches Cannabis benötigt, findet heute bereits spezialisierte Anbieter wie GetKong, die sich auf Cannabis Express Lieferung in Hamburg spezialisiert haben und die Telemedizin mit lokaler Apothekenlogistik verbinden.

Der Gesetzesentwurf: Berechtigte Ziele, fragwürdige Mittel

Im Sommer 2025 legte das Bundesgesundheitsministerium einen Referentenentwurf vor. Telemedizinische Verschreibungen sollten eingeschränkt, der Versandhandel mit Cannabis-Blüten verboten werden. Die Ziele sind nachvollziehbar: Qualitätssicherung und Missbrauchsprävention.

Die Kritik an dem Entwurf richtet sich weniger gegen diese Ziele als gegen die gewählten Mittel. Betroffen wären vor allem Patienten in ländlichen Regionen ohne spezialisierte Ärzte in der Nähe, Menschen mit eingeschränkter Mobilität sowie Berufstätige, die Apotheken während der Öffnungszeiten schwer erreichen können.

Cannabis Express Lieferung Hamburg: Ein bestehendes Versorgungsmodell

Was in der Debatte oft übersehen wird: Die Infrastruktur für eine regulierte Versorgung existiert bereits. Sie basiert auf drei Elementen, die schon heute zusammenarbeiten.

  1. Telemedizin. Digitale Erstberatung, Anamnese und Verschreibung durch approbierte Ärzte – ortsunabhängig, aber medizinisch kontrolliert.
  2. Lokale Apotheken. Sie übernehmen die Rezeptprüfung, die pharmazeutische Beratung und die Qualitätskontrolle. Die Apotheke vor Ort bleibt der zentrale Qualitätsgarant.
  3. Etablierte Kuriernetzwerke. Lieferando hat 15 Millionen Nutzer in Deutschland und kooperiert seit Oktober 2024 mit der Apothekenplattform Cure. Aktuell sind 60 Partnerapotheken in 18 Städten angebunden – darunter Hamburg, Berlin, München und Köln. Die durchschnittliche Lieferzeit liegt bei etwa 45 Minuten.

Wolt, Teil des US-Konzerns DoorDash, beschäftigt 3.500 Kurierfahrer deutschlandweit und arbeitet ebenfalls mit Cure zusammen. Mit "Wolt Drive" können auch verschreibungspflichtige Medikamente geliefert werden, wenn die Apotheke eine eigene Plattform betreibt. Die Identitätsprüfung bei Übergabe – Ausweis plus Code – ist etablierter Standard.

Die Pharmazeutische Zeitung berichtete ausführlich über diese Entwicklung. Die Qualitätsstandards, die für temperaturempfindliche Lebensmittel gelten, lassen sich auf Medikamente übertragen.

Lokale Apotheken als Gewinner des Modells

Ein verbreitetes Missverständnis: Telemedizin und Express-Lieferung stehen nicht in Konkurrenz zur Apotheke vor Ort – sie ergänzen sie. Im hybriden Modell bleibt die lokale Apotheke der zentrale Akteur. Sie prüft das Rezept, berät pharmazeutisch, kontrolliert die Qualität und gibt das Produkt aus. Der Kurier übernimmt lediglich die letzte Meile.

Das bedeutet: Die lokale Wertschöpfung bleibt erhalten. Die Apotheke verdient, der Kurierdienst verdient, und der Patient erhält sein Medikament oft innerhalb einer Stunde statt nach mehreren Tagen.

Aspekte Klassisches Modell Hybrides Modell
Ärztliche Beratung Vor Ort Digital
Rezeptprüfung Lokale Apotheke Lokale Apotheke
Pharmazeutische Kontrolle Apotheker vor Ort Apotheker vor Ort
Letzte Meile Selbstabholung Lokaler Kurier
Lieferzeit Abhängig von Öffnungszeiten Oft unter 60 Minuten
Lokale Wertschöpfung Hoch Hoch

Hamburg: Das Modell funktioniert bereits

In Hamburg ist das hybride Versorgungsmodell keine Theorie – es ist Alltag. Anbieter wie Getkong verbinden bereits heute Telemedizin mit lokalen Apotheken und Kurierlogistik. Patienten erhalten ihre Cannabis-Medikamente innerhalb weniger Stunden, die pharmazeutische Kontrolle bleibt gewährleistet, lokale Apotheken profitieren.

Das geplante Verbot der Bundesregierung würde dieses funktionierende System gefährden. Statt einen bewährten Versorgungsweg zu unterbinden, könnte der Gesetzgeber Hamburg als Referenz nehmen: Die Stadt zeigt mit dem Freenow-Projekt, wie sich Innovation und bestehende Strukturen verbinden lassen. Lokale Taxiunternehmen werden eingebunden, nicht ersetzt. Bei der Cannabis-Versorgung gilt dasselbe Prinzip – und es funktioniert bereits.

Wer die Hamburger Mentalität kennt, weiß: Pragmatische Lösungen haben hier Tradition. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet auch, funktionierende Systeme nicht ohne Not zu zerstören.

Fazit: Die Frage ist nicht ob, sondern wie

Der Gesetzesentwurf vom Sommer 2025 adressiert berechtigte Anliegen. Missbrauch und mangelnde Qualitätskontrolle sind reale Probleme. Die Frage ist, ob pauschale Verbote die richtige Antwort sind – oder ob eine intelligente Regulierung bestehender Strukturen nicht zielführender wäre.

Lieferando, Wolt und andere Kurierdienste liefern bereits heute Apothekenprodukte – mit Identitätsprüfung, Tracking und etablierten Qualitätsstandards. Der Medical Cannabis Inside Report 2025 dokumentiert die Professionalisierung des Marktes: sinkende Preise, wachsende Produktvielfalt, zunehmende Standardisierung.

Hamburg integriert neue Technologien – von autonomen Taxis bis zur Gesundheitslogistik. Die Infrastruktur für eine regulierte Cannabis-Versorgung existiert. Die Frage ist, wie sie genutzt wird. Weitere Informationen finden Sie auch im Ratgeber des Hamburg Magazins.

Quelle:  Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Pharmazeutische Zeitung, flowzz.com Medical Cannabis Inside Report 2025