Hamburgs Obdachlose in der Corona Krise

Obdachlosen Einrichtungen sind seit über einer Woche nahezu komplett geschlossen oder leisten eine Versorgung mit erheblichen Einschränkungen. Geschützte Räumlichkeiten, Nahrung und einen Zugang zu Sanitäranlagen ist für obdachlose Menschen derzeit nicht vorhanden. Die Stadt ändert die bestehende Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Corona Virus, so dass für obdachlose Menschen weiterhin keinerlei Aussicht auf Schutz und Änderung der prekären Situation besteht.

© Aka  / pixelio.de
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Um die Ausbreitung des Covid-19 Virus zu verlangsamen, wurden Verhaltensmaßnahmen seitens der Bundesregierung festgelegt und angeordnet. Obdachlose Menschen in allen Städten Deutschland gehören ebenfalls zur Gesellschaft und zählen aufgrund ihres schwachen Immunsystems durch das Leben auf der Straße zu den Risikogruppen.

Viele Einrichtungen der Obdachlosenhilfe, die hauptsächlich ehrenamtlich und/oder mit einer großen Anzahl von ehrenamtlichen Helfern tätig sind, sind derzeit geschlossen. Das bedeutet, dass eine Grundversorgung nur noch sporadisch möglich ist und die Nutzung von sanitären Einrichtungen derzeit kaum mehr gegeben ist.

Aufgrund dessen versorgen einige Menschen, ehrenamtlich oder professionell die Menschen auf der Straße mit Lunchpaketen, Mahlzeiten, Ansprache oder finanzieller Unterstützung. Polizisten und Straßensozialarbeiter sind auf den Straßen unterwegs und versuchen, obdachlose Menschen zu unterstützen, können jedoch aufgrund fehlender Möglichkeiten keinerlei konkrete Hilfeleistungen anbieten.

Anfragen nach angedachten Hilfspaketen zum Schutz und zur Grundversorgung von Einrichtungen der Obdachlosenhilfe an die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) in Hamburg blieben unbeantwortet. Jetzt wurde, seitens der Stadt Hamburg, die bestehende Allgemeinverfügungen zur Eindämmung des Coronavirus für bestimmte Personengruppen/ Einrichtungen kurzfristig geändert.

Entgegen der von der Bundesregierung verabschiedeten, absolut notwendigen und lebensrettenden Beschränkungen der allgemeinen Bevölkerung, werden hier Allgemeinverfügungen für "Randgruppen", die mit einem bereits geschwächten Immunsystem in einer prekären Lebenssituation leben, außer Kraft gesetzt und Gruppenzusammenkünfte u. a. auch in Einrichtungen und Hilfsgruppen, die überwiegend mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt sind, ermöglicht. Alle Menschen, die hier zusammentreffen würden, sind dann unkontrollierbare Multiplikatoren des Corona Virus.

Allgemeinverfügungen sollten für alle Menschen in Deutschland gelten. Zu den Menschenrechten gehört ein Mindestmaß an Lebensunterhalt und Schutz. Es ist der Auftrag von Staat und Politik, jetzt für alle Menschen gleiche Rechte, gleiche Zugänge und gleichen Schutz sicherzustellen und das nicht nur in Krisenzeiten.

Petition: Corona-Schutz für Obdachlose

Von verschiedenen Personen und Einrichtungen wurde eine Petition an die Stadt Hamburg erstellt. Unter https://www.change.org/p/stadt-hamburg-sofortige-dezentrale-unterbringung-aller-obdachlosen zeichneten diese Petition bereits mehr als 10.000 Personen.

Offener Brief an die Bundesregierung

Der Verein Leben im Abseits e. V., der Öffentlichkeitsarbeit für bedürftige und obdachlose Menschen betreibt, hat sich jetzt mit einem offenen Brief an die Kanzlerin, den Gesundheitsminister und die Ministerpräsidenten der Länder gewandt.

Der Brief ist unter https://www.leben-im-abseits.de/news/allgemein/ einsehbar.

Über den Verein Leben im Abseits

Der Verein Leben im Abseits e. V. klärt die Menschen über die unzumutbaren und menschenunwürdigen Lebensumstände auf der Straße auf. Ihr Anliegen ist es, ein Umdenken im Umgang mit den Obdachlosen zu schaffen, damit die Gesellschaft ihnen mit Respekt und Anstand gegenüber tritt.

Ihre Aufgabe ist es, obdachlosen und hilfsbedürftigen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. 

Quelle: Leben im Abseits e. V.
Bildquelle: www.pixelio.de

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