Ballett - Illusionen - Wie Schwanensee

Samstag, 11.02.2023 19:30 und  weitere Termine Hamburgische Staatsoper

Ballett - Illusionen - Wie Schwanensee
links im Bild

Für mich als einen Choreografen, der nicht unbedingt revolutionär sein will, ist es unsinnig, das, was bisher geschaffen wurde und sich erhalten hat, zu verneinen. Andererseits erscheint es mir ebenso sinnlos, es manieristisch nachzuahmen, ohne den Geist der Choreografie und der sie prägenden Tanzkunst zu erfassen. Um das zu bewahren, müssen wir, glaube ich, in einer modernen Compagnie wie der unseren nach einer Alternative suchen, die den historischen Hintergrund und den zeitlichen Abstand in die Interpretation mit einbezieht.



Eine "Schwanensee"-Konzeption für unsere Compagnie kann sich nicht auf die naive Nacherzählung eines Märchens mit den uns fremden Mitteln des vorigen Jahrhunderts beschränken. Sie findet ihren Sinn nur, wenn sie das überzeitliche Thema "unverwirklichbare Liebe" und seine Interpretation, die es durch das 19. Jahrhundert erfahren hat, mit heutigen Mitteln darstellt. Anzustreben ist dabei die ideale Vereinigung von möglichst originalgetreuer Wiedergabe der choreografisch oder thematisch wichtigen Teile und historisch distanzierter Sicht. Aus dieser Perspektive relativieren sich bestimmte Traditionen, ohne dass am zeitlos gültigen Kern des Werks gezweifelt würde.



Aufgrund unserer klassischen Erziehung fühlen wir uns den rein tänzerisch durchkomponierten Passagen, vor allem dem II. Akt und dem Grand Pas de deux des III. Aktes verpflichtet, in denen Tanztechnik und choreografische Aussage identisch anmuten. Die pantomimisch-erzählenden Partien dagegen erscheinen an ihre Entstehungszeit gebunden, und ich habe sie deswegen bewusst verwendet, um diese Zeit zu charakterisieren. Bei der Suche nach der Essenz des Balletts ist natürlich die Musik von wesentlicher Bedeutung. Als erster Komponist seines Jahrhunderts hat sich Tschaikowsky nicht damit begnügt, eine effektvoll begleitende Untermalung des Szenariums zu schreiben. Grundlegende Ideen und Motive sind musikalisch eigenständig neu formuliert: Die Suche nach wahrem Glück und Liebe als Ausweg aus verzweifeltem inneren Kampf. Und dieser Inhalt scheint mir verbindlicher als einzelne Details der Balletthandlung.



Der Schritt vom Märchenmythos des Librettos zu einem anderen "Schwanenmythos" desselben Jahrhunderts, in dem sich die psychologische Struktur stärker offenbart als im ursprünglichen Ballettszenarium, liegt nahe, zumal von beiden Mythen bis heute die gleiche Zauberwirkung und eine ähnliche "magische Aura" ausgehen. Überraschender als die offensichtlichen Parallelen zu Ludwig II., dem bayrischen Märchenkönig, der sich in Neuschwanstein ein Schwanenritterschloss und eine mystische Scheinwelt erbaute, sind die inneren Analogien im Schicksal und in der psychischen Situation Tschaikowskys, Ludwigs II. und Siegfrieds, des "Schwanensee"-Prinzen - eine unerwartete Verwandtschaft.



John Neumeier




Musik: Peter I. Tschaikowsky

Choreografie und Inszenierung: John Neumeier

Choreografie der "Zweite Erinnerung" nach Lew Ivanow, rekonstruiert unter Beratung von Alexandra Danilova

Choreografie des Grand Pas de deux in der "Dritte Erinnerung" nach Marius Petipa und Lew Ivanow

Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose



2 Stunden 50 Minuten | 1 Pause

1. Teil: 80 Minuten, 2. Teil: 55 Minuten



URAUFFÜHRUNG:

Hamburg Ballett, Hamburg, 2. Mai 1976



ORIGINALBESETZUNG:

Der König: Max Midinet

Prinzessin Natalia: Persephone Samaropoulo

Der Mann im Schatten: Fred Howald

Odette: Magali Messac

Prinzessin Claire: Marianne Kruuse

Graf Alexander: Truman Finney

Prinz Siegfried: Eugen Ivanics

Die Königinmutter: Beatrice Cordua

Prinz Leopold: Victor Hughes



GASTSPIELE:

1978 München 2000 Paris 1994 Nagoya, Osaka, Tokio, Yokohama



IM REPERTOIRE:

Bayerisches Staatsballett

Dresden SemperOper Ballet




Copyright: Staatsoper Hamburg

Preis: 9 € bis 145 €

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Termine der Veranstaltung

Samstag, 11.02.2023
19:30
Sonntag, 12.02.2023
16:00
Donnerstag, 16.02.2023
19:30
Freitag, 17.02.2023
19:30
Sonntag, 19.02.2023
19:00
Donnerstag, 15.06.2023
19:30

Ortsinformationen

Hamburgische Staatsoper
Dammtorstraße 28
20354 Hamburg - Neustadt
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