Der Alte Elbtunnel in St. Pauli – wieder komplett geöffnet!

Er ist über hundert Jahre alt, liegt 24 Meter unter der Elbe und riecht ein bisschen nach feuchtem Stein und Geschichte: der Alte Elbtunnel bei den St. Pauli Landungsbrücken. Am 4. Mai 2026 wurde die westliche Röhre nach 6 Jahren Bauzeit offiziell freigegeben! Der Alte Elbtunnel ist komplett wieder für den Publikumsverkehr geöffnet.

Collage: Elbtunnelpersonal, offizielle Eröffnung mit Politprominzenz, Blick in die westliche Elbtunnelröhre
Eröffnung Westliche Röhre des Alten Elbtunnels, © Redaktion hamburg-magazin.de

Zweite Röhre des Alten Elbtunnels wieder offen!

Die Weströhre des St. Pauli Elbtunnels ist nach sechs Jahren Bauzeit wiedereröffnet. Der Alte Elbtunnel wurde während dieser Zeit umfassend saniert und erstrahlt nun wieder in neuem Glanz. Im Rahmen der Bauarbeiten wurde der Tunnel einer umfassenden Grundinstandsetzung unterzogen, bei der die Außenhülle saniert wurde (15 Jahre Bauzeit für die Ost- und Weströhre).

Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation, Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien und
Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority, eröffneten am 4. Mai 2026 gemeinsam die westliche Röhre. Eine Beatles Coverband besang die Eröffnung mit 3 Liedern, u.a. "Penny Lane". Der Grund: Wenn die westliche Röhre verlängert werden würde, würde diese direkt in die Penny Lane in Liverpool übergehen. Ab 14.00 Uhr des Tages ist die westliche Röhre für den Publikumsverkehr geöffnet.

Die Fliesen wurden in enger Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz eingebaut und die Fahrbahn und Gehwege erneuert. Auf diese Weise konnte das Original aus dem Baujahr 1911 anspruchsvoll und denkmalschutzgerecht wiederhergestellt werden.

Blick in die westliche Röhre des Alten Elbtunnels mit Beatles Coverband
Westliche Röhre des Alten Elbtunnels mit Beatles Coverband, © Redaktion hamburg-magazin.de

Warum baut man einen Tunnel unter einem Fluss?

Hamburg, um 1900. Der Hafen boomt wie nie zuvor. Die Stadt ist einer der wichtigsten Umschlagplätze der Welt, und auf der südlichen Elbseite – in Steinwerder – arbeiten Zehntausende Werftarbeiter, Schauerleute und Handwerker. Ihr Problem: Sie wohnen größtenteils im Norden, auf der St.-Pauli-Seite. Jeden Morgen quetschen sich die Massen auf überfüllte Fähren, um über die Elbe zu kommen. Bei Nebel, Sturm oder Eisgang fällt der Fährbetrieb regelmäßig aus. Das Ergebnis: Chaos, Verspätungen und ziemlich schlechte Laune.

Eine Brücke? Unmöglich. Sie hätte den Schiffsverkehr auf der Elbe blockiert. Also entschied sich Hamburg für eine Lösung, die damals als geradezu waghalsig galt: einen Tunnel unter dem Fluss. Was einst als pragmatische Lösung für gestresste Hafenarbeiter gebaut wurde, ist heute eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Hamburgs – und ein Ort, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes unter einem Fluss spazieren geht.

Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst

1907 begannen die Bauarbeiten – und sie waren alles andere als ein Spaziergang. Mit der sogenannten Schildvortriebsmethode gruben sich die Arbeiter durch den nassen, sandigen Untergrund der Elbe. In riesigen Druckluftkammern schufteten sie unter enormem Druck – im wörtlichen Sinne. Die Arbeit war gefährlich: Der Überdruck war nötig, damit kein Elbwasser in die Baustelle einbrach, führte aber bei den Arbeitern häufig zur gefürchteten Caissonkrankheit (Dekompressionskrankheit), die Gelenkschmerzen, Schwindel und schlimmere Symptome verursachen konnte.

Trotzdem schafften es die Ingenieure um den Bauleiter Ludwig Wendemuth in nur vier Jahren, zwei parallele Tunnelröhren unter der Elbe hindurchzutreiben. Am 7. September 1911 wurde der Alte Elbtunnel feierlich eröffnet – und die Hamburger staunten nicht schlecht.

Die Zahlen auf einen Blick

Detail

Wert

Länge

426,5 Meter

Tiefe unter der Wasseroberfläche

ca. 24 Meter

Innendurchmesser pro Röhre

6 Meter

Bauzeit

1907–1911

Baukosten

ca. 10 Millionen Goldmark

Keramikfliesen

rund 800.000 Stück

Die Fahrstühle – Stars des Tunnels

Das vielleicht spektakulärste Detail sind die großen Personen- und Lastaufzüge an beiden Tunnelenden. Da der Tunnel tief unter der Erde liegt, brauchte man eine Möglichkeit, nicht nur Menschen, sondern auch Pferdefuhrwerke – und später Automobile – nach unten und wieder nach oben zu befördern.

Die Lösung: gewaltige Aufzüge mit einem Durchmesser von mehreren Metern, untergebracht in den markanten kupfergrünen Kuppelbauten an den Landungsbrücken und in Steinwerder. Diese Aufzüge funktionieren noch heute und sind ein Erlebnis für sich. Man betritt eine Kabine, die locker ein Auto schlucken könnte, und schwebt gemächlich in die Tiefe – begleitet vom leisen Surren der historischen Mechanik.

Insider-Tipp: Die Treppenhäuser neben den Aufzügen sind ebenfalls sehenswert. Wer die 132 Stufen zu Fuß nimmt, wird mit wunderschönen Jugendstil-Fliesen und dem Gefühl belohnt, in einer Zeitmaschine zu stecken.

Eingang mit Mosaiken zum Fahrstuhl und Treppenhaus des Alten Elbtunnels
Oberer Fußgängereingang zum Fahrstuhl des Alten Elbtunnels, Redaktion hamburg-magazin.de

Fische an der Wand und Geschichten im Stein

Wer durch den Tunnel schlendert, sollte unbedingt die Wände im Blick behalten. Die rund 800.000 glasierten Keramikfliesen sind nicht nur funktional – sie schützen die Tunnelwände vor Feuchtigkeit –, sondern auch kleine Kunstwerke.

In regelmäßigen Abständen sind Terrakotta-Reliefs in die Wände eingelassen: Fische, Krabben, Seepferdchen, Muscheln und sogar ein Rattenpärchen. Sie erzählen von der Welt über und unter der Elbe und geben dem Tunnel eine überraschend liebevolle, verspielte Note. Die Reliefs stammen vom Bildhauer Franz Mutzenbecher und sind eines der Details, die den Alten Elbtunnel von einem reinen Zweckbau zu einem echten Gesamtkunstwerk machen.

Krieg, Verfall und Wiedergeburt

Der Alte Elbtunnel hat in seiner Geschichte einiges mitgemacht:

  • Im Zweiten Weltkrieg diente er als Luftschutzbunker für Tausende Hamburger. Die Bombardierung der Stadt richtete auch am Tunnel Schäden an, doch das Bauwerk hielt stand.

  • In den Nachkriegsjahrzehnten verlor der Tunnel an Bedeutung. 1975 wurde der Neue Elbtunnel für den Autoverkehr eröffnet, und der alte Tunnel geriet zunehmend in Vergessenheit.

  • Ab den 1990er Jahren begann eine umfassende Sanierung, die den Tunnel Stück für Stück in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzte. Beschädigte Fliesen wurden originalgetreu nachgebrannt, die Aufzüge restauriert, die Beleuchtung erneuert.

Heute steht der Alte Elbtunnel unter Denkmalschutz und gilt als eines der bedeutendsten technischen Baudenkmäler Deutschlands.

Wie man den Tunnel heute erlebt

Der Alte Elbtunnel ist rund um die Uhr geöffnet und für Fußgänger und Radfahrer kostenlos zugänglich. Autos dürfen den Tunnel derzeit aufgrund der laufenden Sanierungsarbeiten an der Weströhre nicht passieren.

Der perfekte Besuch in fünf Schritten:

  1. Start an den Landungsbrücken: Den Eingang findet man am östlichen Ende der Landungsbrücken – der markante Kuppelbau ist nicht zu übersehen.

  2. Hinunterfahren: Mit dem historischen Aufzug oder zu Fuß über die Wendeltreppe.

  3. Durchschlendern: Die 426 Meter in Ruhe genießen, die Reliefs suchen, die Akustik testen (der Tunnel hallt wunderbar).

  4. Auftauchen in Steinwerder: Auf der anderen Seite den Aufzug nehmen und ans Tageslicht treten.

  5. Umdrehen und staunen: Von Steinwerder aus bietet sich einer der schönsten Blicke auf die Hamburger Skyline – Elbphilharmonie, Michel, Landungsbrücken, Hafen. Diesen Fotomoment sollte man nicht verpassen.

Mehr als ein Tunnel

Der Alte Elbtunnel ist einer dieser Orte, die Hamburg so besonders machen. Er verbindet Ingenieurskunst mit Kunst, Pragmatismus mit Poesie, und er erzählt die Geschichte einer Stadt, die schon immer groß gedacht hat – auch wenn es bedeutete, sich 24 Meter tief in den Boden zu graben.

Ob als kurioser Abstecher bei einem Hafenspaziergang, als Fotomotiv oder als stiller Moment abseits des Touristentrubels: Ein Gang durch den Alten Elbtunnel gehört zu Hamburg wie die Reeperbahn, der Fischmarkt und der Regen.

Und mal ehrlich – wie oft hat man schon die Gelegenheit, unter einem Fluss spazieren zu gehen?

Blaue Hinweistafel mit weißer Schrift zum geschichtlichen Hintergrund des Alten Elbtunnels
Hinweistafel zum Alten Elbtunnel, Redaktion hamburg-magazin.de

Ortsinformationen

Alter Elbtunnel
Bei den St.Pauli-Landungsbrücken
20359 Hamburg - St. Pauli