Stadtteil St. Pauli

Stadtteile

St. Pauli ist der wohl über seine Grenzen hinaus berühmt-berüchtigtste Stadtteil Hamburgs. Er erstreckt sich auf einer Fläche von 2,6 km² im Osten bis an die Neustadt und reicht entlang der Elbe bis ins Zentrum von Altona.

Der ursprüngliche Name für das vor der Stadtmauer liegende Gebiet zwischen Heiligengeistfeld, Wallanlagen und Hafenstraße war der Hamburger Berg, daran erinnert eine Seitenstraße der Reeperbahn noch heute.

Eine der ersten Besiedlungen Mitte des 13. Jahrhunderts war – wer hätte das wohl gedacht? – ein Zisterzensierinnen-Kloster an der Mündung des Baches Pepermölenbek in die Elbe. Die Schauenburger Grafen erließen auf dem Altonaer Teil St. Paulis ab 1601 ihren Untertanen die Glaubensfreiheit. Somit siedelten religiöse Minderheiten und Handwerker, die ohne den alten Zunftzwang ihrem Gewerbe nachgehen konnten, auf diesem Gebiet. Daher stammen auch die Straßennamen Große und Kleine Freiheit.

Die zahlreichen Hügel des Vorortes wurden zwischen 1616 und 1625 planiert, um hohe Festungswälle zu errichten und ein freies Schussfeld vor den Mauern des damaligen Millerntores zu bieten. Betriebe, die in der Stadt unerwünscht waren, wurden in den Vorort verbannt. Darunter befanden sich auch die Seilmacher (Reepschläger), die der Reeperbahn ihren Namen gaben. Wenig später entwickelten sich hier Etablissements für allerlei Vergnügungen, die damals innerhalb der hamburgischen Stadtmauern nicht geduldet wurden.

Ab Mitte der 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts prägten vor allem Kneipen, Stimmungslokale und die dazu obligaten leichten Mädchen St. Pauli. Heute bieten Rockclubs, Discos, Theater, Musicalspielstätten und zahllose Bars und Nachtclubs ein breites Angebot für jeden Geschmack.

An den 1839 errichteten Landungsbrücken starten an 364 Tagen im Jahr (nicht an Heiligabend) die nicht nur bei Touristen beliebten Hafenrundfahrten. Zwei Ecktürme und zwei Kuppeln krönen das 200 Meter lange Empfangsgebäude aus Tuffstein, das im Mittelpunkt der Landungsbrücken steht. Das heutige Museumsschiff und einer der letzten Großsegler, Rickmer Rickmers liegt am Fiete-Schmidt-Anleger an der Brücke 1a. An der Überseebrücke ist die Cap San Diego zu bewundern.

Unter dem tempelartigen Eingangsgebäude an der Westseite der Landungsbrücken werden Personen und PKWs in großen Aufzugskörben in die zwei knapp 450 m langen, mit Majolikareliefs gefliesten Röhren des Alten Elbtunnels befördert.

Das größte Volksfest des Nordens – der Hamburger Dom – findet dreimal jährlich am Heiligengeistfeld statt und zieht alljährlich rund neun Millionen Besucher an. Unweit ist der FC St. Pauli mit dem Millerntor Stadion beheimatet.

Nördlich vom Heiligengeistfeld hat sich das so genannte Karolinenviertel um die Karolinen- und Marktstraße in den letzten Jahren als alternative Einkaufsmeile mit Geschäften der besonderen Art und vielen netten Lokalen einen Namen gemacht.

Die meisten Besucher St. Paulis kommen jedoch wegen der 600 Meter langen Amüsiermeile, die vom Millerntorplatz bis zur Großen Freiheit Vergnügen vom Feinsten verspricht: Video-Peepshows, das Kasino Reeperbahn, das legendäre Café Keese, der Hamborger Veermaster, der Koi-Club mit einem Riesen-Aquarium und viele Sexclubs und Sexkinos. Die Beamten der Davidwache sorgen dafür, dass die Reeperbahn trotzdem eine der sichersten Straßen der Stadt bleibt.

Entlang des Spielbudenplatzes sind auch einige interessante Theater zu finden. Im Operettenhaus wurden Musicals wie Cats, Mamma Mia und Tanz der Vampire erfolgreich aufgeführt. Das Musiktheater Schmidts Tivoli und das kabarettistische, schrille Schmidt Theater erfreuen sich ebenso reger Besucherströme.

Der älteste noch existierende Theaterbau Hamburgs kann mit einem Besuch des St. Pauli Theaters entdeckt werden. Das Programm des Theaters reicht von Kabarett, volkstümlichen Stücken, über Comedy bis zu Musikshows und anspruchsvollen Bühnenstücken.

Rund 100 Wachsfiguren berühmter Persönlichkeiten – viele mit Hamburg-Bezug – sind ein paar Häuser weiter im Panoptikum ausgestellt.

La Paloma und das bereits von Udo Lindenberg besungene Mary Lou sind beliebte Kneipen am Hans-Albers-Platz. Wenige Meter entfernt liegt in der Herbertstraße die letzte geschlossene Bordellstraße Hamburgs, zu der ausschließlich volljährige Männer Zutritt haben.

Nackte Tänzerinnen bewegen sich zu angesagter Musik im Austausch gegen Dollhouse-Dollars im Dollhouse auf der Großen Freiheit. Die Große Freiheit 36 ist einer der bekanntesten Live-Clubs Deutschlands, wo auch schon die Beatles aufgetreten sind. Im jetzigen Rock-Café an der Nummer 39 befand sich früher der legendäre Star-Club. Heute wird hier purer Rock geboten. Im Indra oder im Funky Pussy Club sind Liebhaber des Rhythm & Blues goldrichtig.

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