Petri Heil! – Hamburg am Haken

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Angeln am See, © iStock.com/monkeybusinessimages

Angeln am See, © iStock.com/monkeybusinessimages

Einen Stock, eine Schnur und einen Haken – mehr brauchte Huckleberry Finn nicht, um sich ganz entspannt sein Abendessen aus dem Mississippi zu holen. Klar, den beliebten Jungen gab es nicht wirklich, er wurde von Mark Twain erfunden.

Aber die positive Wirkung des Angelns ist absolut real. Und noch immer liegt dieses ruhige Hobby im Trend: Vergleicht man bundesweit die Mitgliederzahlen von Angelvereinen mit denen anderer Sportvereine, schlägt das Angeln sogar Reiten oder Golf. Aus gutem Grund: "Für viele ist es die letzte Naturnutzung, die man einfach so machen kann", sagte Olaf Lindner vom Deutschen Angelfischerverband e. V. im Interview. Laut Statista gehen in Deutschland jedes Jahr 6,4 Millionen Deutsche mindestens einmal im Jahr angeln. Bundesweit haben rund 1,7 Millionen Hobbyangler einen Angelschein, in Hamburg versuchen rund 120.000 Angler ihr Glück an den Gewässern der Hansestadt.

Männer, die aufs Wasser starren

Übrigens: Mehr als 90 % aller Angler sind Männer. Und wie die Romanfigur haben auch sie nur ein Ziel: Einmal den ganz großen Fisch aus dem Wasser ziehen. Statt Ast und Bindfaden haben sie deutlich besseres Equipment zur Hand. Discounter bieten manchmal Einsteigersets für 20,- bis 50,- Euro an. Daneben gibt es auch Angler, die für ihre Ausrüstung mehrere tausend Euro ausgeben. Schnell noch ein kurzer Test: Ist bekannt, worum es sich bei Australien Braid, Bimini-Twist und dem doppelten Grinner handelt? Die Antworten gibt es auf der Knotenpage für Angler, auf der unzählige Bindeanleitungen stehen.

Natürlich könnte man den Fisch auch ganz einfach fangfrisch kaufen, zum Beispiel auf dem Altonaer Fischmarkt oder in einem der unzähligen Fischläden entlang der Elbe. Doch das ist nicht dasselbe. Beim Angeln geht es um viel mehr, als nur einen Fisch fürs nächste Barbecue zu fangen. Es ist eine kleine Auszeit vom Alltagsstress, eine Art Eskapismus. Es geht um nachhaltige Selbstversorgung, im Einklang mit der Natur. Und die Chancen für einen ordentlichen Fang stehen gut in Hamburg, denn die Vielfalt und Anzahl der Fische ist riesig: Ob Aal, Schleie, Rapfen, Wels, Karpfen, Hecht oder Barsch – es gibt kaum einen bekannten Fisch, der nicht Wahlhamburger ist. Der beliebteste von allen ist aber ganz klar der Zander. Der Räuber fühlt sich in Hamburg so wohl wie ein – Entschuldigung – Fisch im Wasser.

Die wichtigsten Angelregeln in Hamburg

Doch trotz des großen Fischbestands dürfen die Tiere nicht einfach so aus dem Wasser gefischt werden. Auch in Hamburg gibt es Regeln: Höchstens zwei Angeln dürfen gleichzeitig betrieben werden. Und Kescher, mit denen Fische aus dem Wasser geholt werden, müssen weich und schonend für die Tiere sein. Die wichtigste Vorschrift im Fischereigesetz ist sicher, dass man fürs Angeln zuerst einmal eine Sportfischereiprüfung ablegen muss, um dann überhaupt die Erlaubnis in Form eines Fischereischeins zu erhalten.

Wer ohne diesen sogenannten Angelschein erwischt wird, muss mit hohen Strafen und Bußgeldern rechnen. Für einen Angelschein muss man in Hamburg gemeldet sein und einen Vorbereitungskurs mit 30 Unterrichtsstunden absolvieren und abschließend eine schriftliche Prüfung ablegen. Darin geht es um Fischkunde, Gewässer, Geräte, Gesetze, Natur und Umwelt sowie um die Handhabung der Wurf- und Spinnrute. Der Angelsport-Verband Hamburg e. V. listet auf seiner Website die Kurstermine in der ganzen Stadt auf. Für Kurs und Prüfung sind rund 80,- Euro fällig. Mit der positiven Prüfbescheinigung gibt es im Kundenzentrum der Bezirksämter den Fischereischein. Die Erstausstellung kostet 15,- Euro, die Gebühr beträgt in den Folgejahren dann 5,- Euro.

Steckt der Schein in der Tasche, dürfen große Teile des Hafens, der Alster und der Bille befischt werden. Öffentliche Gewässer, deren Fischereirechte nicht verpachtet sind, gelten für Angler ebenfalls als freie Gewässer. Doch Achtung! Nicht jeder Fisch darf zu jeder Zeit geangelt werden, es gilt, die Schonzeiten einzuhalten. Für Bachforelle und Meerforelle gilt sie zum Beispiel vom 15. Oktober bis zum 15. Februar, für Hecht und Zander vom 1. Februar bis zum 31. Mai. Außerdem gelten Tageshöchstfangmengen: Beim Aal ist nach drei Exemplaren Schluss, bei Hecht und Zander sind höchstens zwei Tiere erlaubt. Auch auf die Größe kommt es an, Aal, Hecht und Zander müssen zum Beispiel zwischen 45 und 75 cm lang sein. Nicht ausgewachsene und zu große Fische müssten Angler wieder freilassen.

Ein paar praktische Grundbegriffe

Und damit auch Anfänger mitreden können, hier noch ein paar Brocken Anglerwissen: Anfüttern ist regelmäßiges Füttern an einer Stelle, in der Hoffnung, dass die Wasserbewohner hier dann öfters zu finden sind. An einem Angeltag kommt man auch mal ohne einen Fang heim. Friedfische jagen keine anderen Fische, sondern fressen zum Beispiel Larven oder Plankton. Ein Kochtopfangler fängt, so viel er kann, um es zu essen, zu horten oder einzufrieren. Schwimmer oder Posen sind kleine, an der Angelschnur befestigte Objekte; sie treiben auf dem Wasser und zeigen durch Hüpfen an, dass ein Fisch angebissen hat.

Also Petri Heil! Und einen guten Fang!

Nützliche Links für Angler in Hamburg

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