Wir sind Juden aus Breslau (OV)

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Filmplakat:Wir sind Juden aus Breslau (OV)

Nachdem Hitler an die Macht kam, mussten die Juden aus Breslau, der damals drittgrößten jüdischen Gemeinde, fliehen. Der Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies rekonstruiert, anhand von vierzehn Zeitzeugenberichten, den Alltag der Juden in Breslau. Darüber hinaus zeigt er, wie einige von ihnen ins heutige Wroclaw reisen, um sich hier für den Neuaufbau einer jüdische Gemeinde zu engagieren.

Regie
Dirk Szuszies, Karin Kaper
Land
Deutschland
Jahr
2016
Genre
Dokumentarfilm
FSK
12
OV
OV
Originaltitel
Wir sind Juden aus Breslau
Länge
113 Minuten
Filmbewertung

Siegel der Deutschen Film- und Medienbewertung In Breslau lebten im Jahr 1925 fast 25.000 Juden. Im Jahr 1939 waren es noch etwas über 10.000. Von denen, die danach blieben, überlebten nur wenige den Holocaust. Der Rest von ihnen wurde, falls eine Flucht oder eine Ausreise nicht möglich war, vom Nazi-Regime in Lager gebracht und ausgelöscht. Denn das jüdische Leben in Breslau, einschließlich der Synagogen, die zerstört wurden, durfte nicht mehr existieren. Im Jahr 2015 fand in Breslau, nun Wroclaw, ein Workshop deutscher und polnischer Jugendlicher statt, die etwas über die jüdische Gemeinde, die eine der größten in Europa war, erfahren sollten. Hierzu wurden Zeitzeugen eingeladen, die aus Breslau stammen. Menschen, die aufgrund der Nazi-Verfolgung ihre Heimat und auch ihre Familien verlassen mussten, und nun jungen Menschen ihre Geschichte erzählen. Die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies haben den Workshop und die Restauration der jüdischen Synagoge zum Anlass genommen, die Überlebenden und ihre Lebensläufe zu porträtieren. Der Film beginnt in Breslau selbst, lässt Erinnerungen mit einer enormen Fülle an historischem Bildmaterial lebendig werden, zeigt die Wurzeln der Vertriebenen. Dann der Horror, der Krieg, die Anfeindungen, die ständige Gefahr für das eigene Leben und das der Liebsten. Auch hier nutzt der Film die Kraft der Worte. Ganz ruhig erzählen die Überlebenden, die Filmemacher verzichten auf eigene Kommentare und verlassen sich auf das Charisma der Protagonisten und deren eindringliche Schilderungen. Der Film begleitet die Erzählenden wie etwa Anita Lasker-Wallfisch oder auch Fritz Stern - und zeigt mit der Fülle der Lebenslinien auch die Fülle des Lebens selbst. Und zollt damit den Schicksalen großen Respekt. Ganz am Ende verschmelzen im Film die Ebenen der Vergangenheit und Gegenwart, der Hoffnung und der Furcht. Dann montiert der Film den "Marsch der gegenseitigen Achtung" und eine berührende Ansprache einer Workshop-Teilnehmerin parallel mit einem Aufmarsch einer polnischen Rechtsgruppierung. Der Film setzt hier ein klares, kluges und wichtiges inszenatorisches Ausrufezeichen: Wenn die Welt nicht aufpasst, dann wird etwas wieder geschehen, was nie mehr geschehen darf. WIR SIND JUDEN AUS BRESLAU vereint als Film auf beeindruckende Weise viele Facetten: Auf der einen Seite ein spannendes, packendes und lehrreiches Zeitdokument. Auf der anderen Seite die Erinnerung, Verbeugung und Ehrung der Überlebenden. Und nicht zuletzt auch ein kluges und wichtiges filmisches Mahnmal gegen das Vergessen.

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