Willkommen auf Deutsch

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Filmplakat:Willkommen auf Deutsch

Der Landkreis Harburg liegt zwischen der Lüneburger Heide und Hamburg. 240.000 Einwohner leben dort, in kleinen Städten und Gemeinden wie Tespe oder Appel. Wie überall in Deutschland sollen auch in diesen Orten Asylbewerber untergebracht werden. Doch nicht jeder heißt die fremden Leute willkommen. Die meisten begegnen ihnen mit zurückhaltendem Argwohn. Auch müssen die Flüchtlinge jeden Tag fürchten, wieder abgeschoben zu werden.

Regie
Hauke Wendler, Carsten Rau
Land
Deutschland
Jahr
2014
Genre
Dokumentarfilm
FSK
o.A.
Länge
89 Minuten
Filmbewertung

Siegel der Deutschen Film- und Medienbewertung Der Landkreis Harburg liegt zwischen der Lüneburger Heide und Hamburg. 240.000 Einwohner leben dort, in kleinen Städten und Gemeinden wie Tespe oder Appel. Wie überall in Deutschland sollen auch in diesen beiden Orten Asylbewerber untergebracht werden. In Appel beispielsweise 53 junge Männer. Reiner Kaminski, der als Leiter des Fachbereichs Soziales für ihre Unterbringung zuständig ist, plant seit langem, wo genau dies möglich ist. Doch Appel wehrt sich gegen die Pläne. Denn einigen Einwohnern der 400 Seelen-Gemeinde, wie etwa Hartmut Prahm, erscheint diese Zahl zu hoch. Aus diesem Grund hat er eine Bürgerinitiative dagegen gegründet. In Tespe wiederum begegnen wir Larisa, 21 Jahre alt, die mit ihrer Mutter und ihren fünf Brüdern in einer Wohnung untergebracht wurde. Doch jeden Tag muss die Familie, die aus Tschetschenien geflohen ist, fürchten, wieder abgeschoben zu werden. Die Nachbarn begegnen ihnen mit zurückhaltendem Argwohn. Bis auf wenige Ausnahmen wie beispielsweise Ingeborg Neupert. Die Rentnerin kümmert sich um die Familie, gibt den Kindern Deutschunterricht, redet mit ihnen. Denn für sie wäre es unvorstellbar, wegzusehen, wo Hilfe nötig ist. Diese vier Menschen, die Carsten Rau und Hauke Wendler in ihrem Dokumentarfilm mit vielen anderen porträtieren, stehen beispielhaft für die verschiedenen Facetten, welches das brisante politische Thema mit sich bringt. Ein großes Verdienst des Films ist dabei, dass er sämtliche Perspektiven aufzeichnet, ohne zu urteilen. Die Position der Bürgerinitiative wird genauso neutral und sachlich wiedergegeben wie die der Asylbewerber oder der Verwaltung, die sich mit bürokratischen Zwängen und Vorgaben herumschlagen muss und dabei nicht mehr auf das achten kann, was eigentlich immer im Zentrum stehen müsste: die Menschlichkeit. Das aber zeigen Menschen wie Ingeborg, die selbstlos hilft, wo sie nur kann oder auch die Asylbewerber, die voller Hoffnung auf einen Neuanfang sind, weil sie ihr bisheriges Leben hinter sich lassen mussten und dankbar nach jeder Möglichkeit greifen, die ihnen gegeben wird. Rau und Wendler stellen richtige und wichtige Fragen, halten sich aber komplett im Hintergrund, geben den Menschen Zeit, ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Eingebettet in die schönen Bilder des Landkreises Harburg, in dem Backsteinhäuser in ländlicher Idylle beieinander stehen, zeigt der Film ein Stück deutsche Realität, das sich eins zu eins in andere Gegenden unseres Landes übersetzen lässt. Das ist manchmal amüsant, manchmal tief tragisch. Aber immer erhellend, informativ und berührend. WILLKOMMEN AUF DEUTSCH ist ein klug erzählter Dokumentarfilm, der Probleme beschreibt. Und gleichzeitig Möglichkeiten zeigt, sie miteinander zu lösen.

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