Verfehlung

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Filmplakat:Verfehlung

Als der katholische Priester und Gefängnisseelsorger Jakob seinen guten Freund und Kollegen Dominik in Untersuchungshaft wiederfindet, wird seine Integrität auf eine harte Probe gestellt. Dominik wird des Missbrauchs verdächtigt und gesteht Jakob tatsächlich einen "Ausrutscher". Jakob schweigt zunächst, stößt aber auf immer mehr Hinweise, die Dominik zusätzlich belasten. Seine Suche nach der Wahrheit führt zu unkontrollierbaren Entwicklungen.

Schauspieler
Sebastian Blomberg, Kai Schumann, Jan Messutat
Regie
Gerd Schneider
Land
Deutschland
Jahr
2014
Genre
Drama
FSK
12
Länge
95 Minuten
Filmbewertung

Siegel der Deutschen Film- und Medienbewertung Jakob, Dominik und Oliver sind beste Freunde und entschlossen, in der katholischen Kirche etwas bewegen zu können. Als eines Tages die Polizei Dominik mit aufs Revier bittet, weil ihn ein Junge des sexuellen Missbrauchs anklagt, macht sich Jakob Sorgen um seinen Freund, der alles abstreitet. Und während Oliver nur um Schadensbegrenzung für die Kirchenleitung bemüht scheint, beginnt Jakob eigene Nachforschungen und findet Dinge heraus, die ihn schockieren. Und ihn mit der Frage quälen: Soll er der Anordnung der Kirche folgen? Oder seinem Gewissen? Das Regiedebüt von Gerd Schneider packt das aktuelle hochbrisante Thema des Missbrauchs in der Katholischen Kirche auf: Doch obwohl die "Verfehlung" des Priesters klar auf der Hand liegt, zeigt der Film nicht anklagend auf die Täter, sondern in kluger Reflektion das hochproblematische Spannungsverhältnis aller Beteiligten auf. Die Macht der Kirche, die Ohnmacht der Opfer, die Verzweiflung der Betroffenen - all das fängt Schneider ein, ohne eindimensional zu urteilen. Dabei wirken Handlung, Dialoge und das Setting immer authentisch und nachvollziehbar. Seine Stärke zieht der Film auch aus der Besetzung. Sebastian Blombergs intensives Spiel als Jakob reflektiert die Zerrissenheit eines "Gottesmanns" zwischen Freundschaft, Berufung und Gewissen. Beeindruckend, wie sehr sich nach und nach die Zweifel, die Anklage und Abscheu vor dem besten Freund Dominik, den Kai Schumann empathisch verkörpert, immer tiefer in sein Gesicht graben. Die Figur des Oliver, von Jan Messutat glaubhaft verkörpert, steht dazwischen, in dem ehrgeizigen Wunsch nach Karriere und dem Entschluss, die Wahrheit zu ignorieren. Beklemmend eng wirkt die Inszenierung, die Kamera von Pascal Schmit führt nah an die Figuren heran, lässt dem Zuschauer kein Auskommen. Schwere Choralmusik liegt über so mancher Sequenz, die wie eine Bedrohung, wie eine Ermahnung wirkt, keine unbequemen Fragen zu stellen, um das Gefüge nicht in Unordnung zu bringen. Immer wieder zitiert Jakob die Bibel, sucht Hilfe und Trost in den Worten. Am Ende hat er eine Entscheidung getroffen. Sein Blick geht in die Kamera, gerichtet an den Zuschauer. VERFEHLUNG ist ein starkes und beklemmend nahes Psycho-Drama. Eine klassische Tragödie vom Scheitern eines einzelnen Gerechten, der an der Welt verzweifelt.

Kategorien: Kinofilme FSK 12 Drama

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