Reflektor Manfred Eicher: Allemagne 90 Neuf Zéro (Film)

Film, Kino, TV

Nach der Musik sind Literatur und Film die beiden künstlerischen Disziplinen, die ECM-Chef Manfred Eicher am nächsten liegen. »Tagsüber war ich an Musikhochschule, abends habe ich in der Filmbühne am Steinplatz als Kinogänger Film studiert«, so fasst Manfred Eicher seine Lehrzeit im Berlin der 60er-Jahre zusammen. Schon früh hat Eicher die Filme des französischen Regisseurs Jean-Luc Godard lieben gelernt, zwischen den beiden Männern enstand eine tiefe Freundschaft und fruchtbare Zusammenarbeit – zwei von Godards Meisterwerken zeigt Eicher deshalb nun bei seinem »Reflektor«-Festival.
Als Godard für die Dreharbeiten zu »Allemagne année 90 neuf zéro« in die DDR fuhr, war die Mauer bereits gefallen. Vor Godards Augen und den Objektiven verfiel die Deutsche Demokratische Republik, und mit ihr löste sich das allmählich auf, was »real existierender Sozialismus« genannt wurde. »Ostdeutschland schien mir damals kurz vor dem Fall der Mauer ein Land großer Einsamkeit zu sein.«
Dabei dachte Godard aber nicht an die Einsamkeit eines Individuums, sondern an die eines Volkes, eines Staates. Das Wandern zwischen Ost und West und das Schwanken zwischen Kommunismus und Kapitalismus des Hauptprotagonisten des Films verkörpern den schizophrenen Zustand, in dem sich Europa befindet. Ein visuelles Essay und Godards persönliche Interpretation vom Ende des Kalten Krieges.



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Kategorien: Film, Kino, TV

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