prozess

Ausstellungen

Bild: Greta Magyar

© Greta Magyar

prozess in der xpon-art gallery
Additive Vorgänge, chronologische Verläufe, eindeutige und mehrachsige Entwicklungen, Urteile, Zustände, Abläufe – alles ist im Prozess. In der Gruppenausstellung widmen sich dreizehn Künstler*innen der Dynamik und Produktivität des Prozessualen. Sie zeigen an unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten in Malerei, Installation, Fotografie, Objekt und Zeichnung mögliche Facetten und Antriebe im und am Prozess und lassen uns chaotische, zufällige, reaktive, konstruktive, oder gar gesteuerte Momente ihrer Arbeiten erleben.
Zentrales Thema der Arbeiten von Anja Badners ist der natürliche, unumkehrbare Prozess des Rostens, der den Verfall des einst vom Menschen geschaffenen und bearbeiteten Materials bedeutet. Als Verwischen menschlicher Spuren verstanden, widmet sich ihre Auseinandersetzung der Vergänglichkeit im Allgemeinen. Ausgangspunkt der Assemblagen sind Fundstücke, aufgeladen durch die Zeit ihres Gebrauchs und ihres nun zunehmenden Verfalls.
Produktive Prozesse erfordern zumeist eine besondere Aufmerksamkeit, um sie gebührend zu begleiten und im richtigen Moment lenkend einzugreifen. Benjamin Wiemann arrangiert mikroskopisch im Diarahmen, durchleuchtet und vergrößert, um uns anschließend ins Staunen zu versetzen. Seine Aufmerksamkeit für kleinste, meist organische Materialien wendet er auch auf die unaufhaltsamen Zersetzungs- oder Wachstumsprozesse an, sodass sie auf eine fast surreale Weise, Tagebucheinträge abbilden.
Mit der Fotoserie "Die Kinder aus Abadan" verweist Felix Lübbert auf den Ort Abadan, an dem vor etwas über 100 Jahren das erste Öl im Iran gefunden wurde. Die dort errichtete Ölraffinerie war 50 Jahre lang die größte der Welt, weshalb Abadan zum neuralgischen Punkt globaler Spannungen wurde, zu einem Ort des Krieges. Gezeichnet vom Kampf laufen gegenwärtig die Renovierungsarbeiten. Es gibt wieder Musikunterricht für die Kinder der Stadt, die ersten Ausstellungen ziehen Besucher an – Abadan erholt sich.
Wie entsteht Prozessualität im Bild? Wie kann eine Formsprache dazu beitragen, den Prozesscharakter und somit die Suggestion von Bewegung und Zeitlichkeit bei dem/der Betrachter*in zu evozieren? Jede natürliche Form, mag sie noch so perfekt erscheinen, ist durch einen Prozess entstanden, der sich in kleinsten Unebenheiten manifestiert. Alles ist in Bewegung. Greta Magyar Zeichnungen scheinen einen zeitlichen Prozess wiederzugeben, den man als fortschreitende Bewegungen oder Formveränderungen lesen kann.
Die Bilder des amerikanischen Malers Hans Christian Saylors zeichnen sich durch ihre Größe und Vielschichtigkeit aus. Saylors malt mit Allem: Mit Rotkohl-Rot und Bier-Beige, mit Dosenlack und Discotanz, mit Dispersion und Dammarharz, Bügeleisen, Bürstenaufsatz, Pigmenten, Staub und Sekundärspritztechnik. Seine Werke sind wie Häute, wie sanfte Riesen.
"For we bend and break time" ist mittlerweile Ivonne Dippmanns vierter Anlauf sich der "Wand hinterm Tresen" in der xpon art zu widmen. In den vergangenen drei Jahren entstanden im Rahmen ihres derzeitigen Buchprojektes "Chemnitz Tel Aviv" Serien von s/w Collagen, die uns nun im Großformat an der Wand Geschichten ins Ohr zu flüstern vermögen. Diese Scherenschnitte fußen auf der Idee, beide Städte als Textur erfahrbar zu machen. Und da sich in Dippmanns Arbeit kein Entweder Oder, sondern vielmehr ein Sowohl als Auch ausmachen lässt, schimmert das "Darunter" leise mit – denn man darf ja nie vergessen, wo man herkommt.
Wenn Katsuhiko Matsubara schneidet, komponiert und näht, dann durchlaufen seine Arbeiten einen langen Prozess, bei dem sich ambivalente Element entwickeln. Leinwände werden etwa mit Ölfarbe, Staub und Sand verändert, zerlegt und anschließend akribisch mit der Nähmaschine zu Häuten arrangiert, die sich zwischen Kosmos und Chaos, Kontrolle und Zufall, Ordnung und Unordnung bewegen.
Wie sein persönlicher Kunsthistoriker Peter Niemann über ihn schreibt: Aus Leipzig angereist ist kaySchwarz157 und mit ihm gleich drei seiner jüngsten Werke. In der Gestalt eines Triptychons erzählen diese eine ganz profane Geschichte, nämlich die von einem Entwicklungsprozess. Der Künstler reflektiert hier einen Wandel in seinem ganz persönlichen Kunstschaffen: vom ersten Bewusstwerden über die kreative Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, zunächst noch in jugendlicher Ichbezogenheit, hin zu tiefer gehenden Fragen über das Menschsein und seine Rolle als Künstler.
Die Arbeiten von Lulu MacDonald bewegen sich innerhalb der Bildhauerei, obwohl sie sich oft an der Wand, oder auf dem Papier ergründen. MacDonalds Skulpturen zielen darauf ab, nach Kanten und Oberflächen einer Seite, eines Raumes, einer Galerie, eines Kunstwerks oder einer Erinnerung zu suchen, denn es sind die Grenzen, an welchen die Oberfläche zur Tiefe wird, an denen das meiste Potenzial für Chaos herrscht. Lulu MacDonald möchte den unlogischen und unnatürlichen Zustand der Grenzen und Begrenzungen der Welt in ihren Arbeiten untersuchen, ihren gegenwärtigen Zustand und ihr überwältigendes Drama.
Das Leben als Prozess – ein Positiv wird zum Negativ: das Formbare hat sich verformt, das Gute mutiert zum Bösen, der Freie wird zum Gefangenen, ein juristischer Prozess, das Ende: Magnus Pelkowski zeichnet im Raum dieser poetischen Gedankenkette, zeigt auf, deutet an.
Michael Perlbach bietet gleich ein ganzes Setup an: Er sitzt an einem Tisch und malt ein Quadrat aus, bis es komplett schwarz ist. Doch er teilt sich dies ein, arbeitet nicht an einem Stück, sondern (mit Unterbrechungen) über die Gesamtdauer der Ausstellung. Seinen Fortschritt streamt eine Webcam ins Netz – dieser Prozess lässt nichts aus.
Happy Party!? Michael Seiwert beschäftigt sich auf mehreren Ebenen mit dem Thema Prozess. Sein Augenmerk fällt auf die Anmut zerplatzter Luftballons, die sich in Ästen eines Stadtwaldes verfangen hatten. Ohne zunächst einzugreifen, dokumentierte er deren Verfallsprozess, auf die Gefahr hin, dass sie irgendwann verschwunden sind. Die Absurdität gipfelt darin, dass Seiwert die ein halbes Jahr begleiteten Reste der Luftballons schließlich an den Ästen konserviert.
In seinem „Easy Painting Projekt“ entwickelt Zhifeng Zhang beeindruckende Multimedia-Paintings. Mittels Codes, die er selbst schreibt, versucht er die Malerei von berühmten Künstlern zu simulieren: Cy Tombly, Gerhard Richter, Jackson Pollock, Takashi Murakami, usw. Mit Hilfe des Programms kann auf einfache Weise ein Bild produziert und vervielfältigt werden – ein Prozess, der das System Kunst in Frage stellt und ihr zugleich neue Räume schenkt.
Teilnehmende Künstler*innen:
Anja Badners
Benjamin Wiemann
Felix Lübbert
Greta Magyar
Hans-Christian Saylors
Ivonne Dippmann
Katsuhiko Matsubara
Kayschwarz157
Lulu MacDonald
Magnus Pelkowski
Michael Perlbach
Michael Seiwert
Zhifeng Zhang
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 11. November 2018 jeweils Samstag und Sonntag sowie Montag und Dienstag von 18 bis 21 Uhr. Über abweichende Öffnungszeiten informieren wir auf unserer Facebook Seite. https://www.facebook.com/xponart/
oder unserer Homepage www.xpon-art.de

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Eintritt
FREI



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Die Veranstaltung hat 11 Termine.
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Adresse

Repsoldstraße 45, 20097 Hamburg

Termine
Dienstag, 23.10.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Samstag, 27.10.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Sonntag, 28.10.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Montag, 29.10.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Dienstag, 30.10.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Samstag, 03.11.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Sonntag, 04.11.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Montag, 05.11.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Dienstag, 06.11.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Samstag, 10.11.2018
18:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Sonntag, 11.11.2018
11:00 Uhr bis 16:00 Uhr

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