Péter Nádas

Bühnenkunst

Bild: Literaturhaus Hamburg

© Johannes Beschoner

Der Untertitel kündigt es bereits an: Péter Nádas legt mit »Aufleuchtende Details« (Rowohlt; Übersetzung: Christina Viragh) keine Autobiografie vor, sondern die »Memoiren eines Erzählers«. Der 1942 in Budapest geborene Autor spürt den Stationen seines von politischen Umbrüchen geprägten Lebens in losen Assoziationen nach. Daraus ergibt sich ein persönliches Dokument, das subjektive Empfindungen einer Chronologie der Zeitgeschichte vorzieht. Jene aufleuchtenden privaten Momente sind es, die Geschichte greifbar werden lassen – als seine Mutter am 14. Oktober 1942 mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatz­kommando das Ghetto in Mizocz. Der große europäische Erzähler reflektiert seine Erinne­rungen als mitunter konstruierte, seiner bedrohten Identität aber Stabilität gebende. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Identität unter schwierigsten politischen Bedingungen wachsen kann. »Ich sage es ohne Pathos und ohne Trauer, dass mein Leben im Zeichen eines zweimaligen Verblutens gestanden hat.« Der rote Faden, der sich durch die Memoiren des Schriftstellers zieht, ist blutrot. Und doch – den erlebten gewaltvollen politischen Ausschreitungen, den Demütigungen, den Publikationsverboten und der Zensur zum Trotz – leuchten im Strom der schwierigen Zeiten immer wieder Details eines glücklichen Lebens hervor, das nicht zuletzt Erfüllung in der Literatur und Fotografie gefunden hat.
Moderation: Iris Radisch

Preis ab
14.00 €



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Kategorien: Bühnenkunst Lesungen

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