Lisa Politt und Gunter Schmidt ("Herrchens Frauchchen")

Bühnenkunst

zum 35. Jubiläum:
„Abschied ist ein schweres Schaf“Einer trage des anderen Last- ok. Aber wird das nicht auch ein bisschen schwer mit der Zeit..? Als wir im Dezember vor 35 Jahren das erste Mal als Duo „HERRCHENS FRAUCHEN“ auf die Bühne gegangen sind, hätten wir nicht gedacht, dass das so lange dauern würde. Das war so nicht geplant.Höchste Zeit, den grandiosen Abgang vorzubereiten: Nochmal ordentlich Anlauf ? Oder gibt der alte Körper die nötige Spannkraft für eine elegant eingesprungene Schlusspose schon lang nicht mehr her, und man landet als kraftloser Sack vor den Füßen des verstörten Publikums..? – Ein Freund hat neulich seinen Arzt um Rat gefragt: Was kann er tun gegen seine Gicht, die zunehmenden körperlichen Einschränkungen, den schmerzenden Rücken? Die Antwort: „In Würde altern“. Schön gesagt- erstmal haben!Und als wäre das private Elend nicht schon schlimm genug, droht jetzt auch im großen Rahmen der Abschied von liebgewonnenen Errungenschaften der zivilisierten Welt: Vom Plastik, vom Billigurlaub an sauberen Stränden mit willigen Servicekräften, von der Gewissheit, dass die Armen da bleiben, wo sie hingehören. Katastrophe. Vielleicht wirklich höchste Zeit, sich mit dem erarbeiteten Wohlstand in’s Private zurückzuziehen. Obwohl: Schade wär’s schon. Für die anderen. Das sagt sich sicher auch manch anderer Senior unseren Alters: Da ist man endlich perfekt, in der Blüte seiner Schaffenskraft, und ausgerechnet jetzt soll man aufhören- nur weil andere bedauernswerte Exemplare im selben Alter nun wirklich extrem abgebaut haben, wie man unschwer erkennen kann? – Warum merken die das selber eigentlich nicht? – Muss ’ne Alterserscheinung sein. Was wir geleistet haben in unserer Generation, sucht nun wirklich seinesgleichen. Kompetenz bedeutet aber auch gesellschaftliche Verantwortung. Und sicher wartet doch Greta Tunberg mitsamt ihrer undankbaren Bande auf nichts sehnlicher, als dass wir ihr von berufener Stelle noch ein paar richtig gute Tipps mit auf den Weg geben. Bevor es dafür zu spät ist und wir sogar Sprichwörter wie „Abschied ist ein scharfes Schwert“ heillos durcheinander bringen: Das könnte für Verwirrung sorgen. Tuten wir also mit heiserer Stimme noch was ins Mikro, bevor wir auch mit der Unterstützung ganzer Chöre die Internationale nicht mehr in’s Mikro gehustet kriegen. Mit Musik. Ob wir zu unserem Jubiläum allein auf der Bühne stehen oder uns musikalische Unterstützung holen, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest: Bis jetzt hat sich noch niemand aus dem Altersheim zurückgemeldet.



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Kategorien: Bühnenkunst Kabarett

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