Konzert in der Friedhofskapelle - Ein ungewöhnliches Trio

Klassik

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© Musikschule der Stadt Pinneberg e. V.

Es spielen:
Vladimir Bochkovsky - Viola, Alexander Suslin - Kontrabass und Oliver Schmidt - Klavier

Programm:
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Sonate für 2 tiefe Streicher und Klavier Op. 2 Nr.8
Andante
Allegro
Largo
Allegro
Witold Lutoslawski (1913-1994)
Bukoliki für Viola und Cello in einer Fassung für Viola und Kontrabass
Paul Hindemith (1895-1963)
Sonate für Viola Solo Op. 25 Nr.1
1. Breite Viertel
2. Sehr frisch und straff
3. Sehr langsam
4. Rasendes Zeitmaß: Wild, Tonschönheit ist Nebensache
5. Langsam, mit viel Ausdruck
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Praeludium und Fuge C-Dur Op. 87
Giovanni Battista Borghi (1738-1796)
Sonate Nr.1 D-Dur für Viola und Kontrabass
Andrei Popov
They are like asleep, they are like grass…

Zum Geleit
Bei allen Streitigkeiten über die Urheberschaft Händels besteht Einigkeit über die Qualität der Sonate g-Moll op. 2 Nr. 8. Es ist ein groß angelegtes, anspruchsvolles Werk mit sprechenden und wunderbar auskomponierten langsamen Sätzen und schnellen Sätzen voller Energie und raffiniertem freien Kontrapunkt; es fällt schwer, sich vorzustellen, wer es sonst geschrieben haben könnte. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Sonate ursprünglich für zwei Violinen und Continuo geschrieben wurde: Im Takt 32 des ersten Satzes geht die obere Stimme herunter bis zum g (wodurch Blasinstrumente wie Blockflöte, Traversflöte und Oboe ausgeschlossen werden, weil sie nur bis zum f’, d’ bzw. c’ herunterreichen), und es gibt eindeutig geigerische Passagen im letzten Satz, siehe Takte 70-73, 111-118, 130-133. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich jedoch eine Tradition, diese Sonate auf zwei Celli zu spielen, wobei die Solostimmen eine Oktave tiefer transponiert wurden. Es gibt keinen unmittelbaren Beweis für eine Absicht Händels, dass diese Sonate auch eine Oktave tiefer auf Gamben,Celli oder gar dem Kontrabass gespielt werden sollte, obgleich diese Komposition erstaunlich gut auf den Kontrabass passt. Lutosawski wählte den Weg des Berufskomponisten. Sein Plan, in Paris zu studieren, scheiterte am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Nach der Flucht aus deutscher Gefangenschaft schlug er sich in Warschau als Pianist durch. Zusammen mit seinem Komponistenkollegen Andrzej Panufnik gründete er ein Klavierduo, mit dem er in den Warschauer Cafés auftrat und sich damit an der einzig möglichen Form öffentlichen Musizierens während des Krieges beteiligte. Wie andere Komponisten des Ostblocks sah sich Lutoslawski bis Anfang der 50er Jahre häufig dem Vorwurf des „Formalismus" ausgesetzt, so dass zahlreiche seiner Werke der Zensur zum Opfer fielen. Geschickt versteckte er daher höchstpersönliche Empfindungen und Beobachtungen in scheinbar unpolitischen Kontexten. So stellen seine „Bukoliki" (Hirtendichtungen) rein äußerlich eine dem sozialistischen System gefällige Beschreibung der polnischen Heimat des Komponisten dar, in die jedoch Gedanken und Sehnsüchte Eingang fanden, die öffentlich damals nicht geäußert werden durften. „Nur noch in Fällen dringender Not" wollte Paul Hindemith zu seinem eigentlichen Instrument, der Geige, zurückkehren – so sehr hat es ihm die Bratsche angetan. Und da ist es nicht verwunderlich, dass der begabte Musiker das bis dahin schmale Repertoire für sein favorisiertes Instrument durch etliche anspruchsvolle Werke erweiterte. Seine Viola-Sonaten hatte er als „Gebrauchsmusik" geschrieben: Sie waren nicht für den Konzertsaal gedacht, sondern als unverfälschte, nicht zweckgebundene Musik, die für möglichst viele Menschen zugänglich sein sollte. In der Sonate Op. 25 Nr.1 scheint Hindemiths besonderer Stil durch: Vom strengen Neoklassizismus über die „Neue Sachlichkeit" bis hin zum kraftvollen Expressionismus, wobei alle stilistischen Facetten von seiner Erfindungsfreude und -gabe durchdrungen sind. Dass und wie Dmitrij Schostakowitsch seine Präludien schrieb, hat unmittelbar mit der Pianistin Tatjana Nikolajewa und dem Leipziger Bachfest 1950 zu tun. Die russische Pianistin war 1950 Bachpreisträgerin und konzertierte in Leipzig gemeinsam mit dem 'Pianisten' Schostakowitsch. Durch die Teilnahme am Bachfest wurde der Komponist - wie Nikolajewa berichtet - angeregt, den umfangreichen Zyklus op. 87 mit 24 Präludien und Fugen zu schreiben. Analog zu Bachs "Wohltemperiertem Klavier" schrieb Schostakowitsch in der Zeit zwischen Oktober 1950 und Februar 1951 seine in sich nach Dur- und Moll-Tonarten angeordneten kurzen Stücke, die ursprünglich als technische Übungen im polyphonen Stil geplant waren. Schon knapp 20 Jahre zuvor hatte Schostakowitsch mit seinem op. 34 etwas ähnliches geschaffen, wobei den späteren Zyklus eine herbere Klangsprache auszeichnet und eine gewisse 'Reife', indem Schostakowitsch hier jedes einzelne Stück stärker und subjektiver ausformte. In der dem Komponisten eigenen Weise halten sich in Praeludium und Fuge C-Dur Melancholie und eine gewisse fatalistische Heiterkeit die Waage. Giovanni Battista Borghi studierte von 1757 bis 1759 am Conservatorio della Pietà dei Turchini in Neapel. Er wirkte 1759 bis 1778 als Kapellmeister am Dom von Orvieto und dann an der Basilica della Santa Casa in Loreto bis zu seinem Tod. Bekannt wurde Borghi vor allem durch seine Kirchenmusik, die in vielen Archiven und Bibliotheken als Drucke oder Handschriften zu finden ist. Er komponierte zahlreiche Messen, etwa 20 Oratorien und Gelegenheitswerke für kirchliche Zeremonien. Hinzu kommen Vertonungen von Psalmen, Motetten und Litaneien. Sein kammermusikalisches Wirken ist von seiner Liebe zur Viola geprägt, die auch die Sonate Nr.1 prägt. Für den Kontrabass ist die Übernahme der zweiten Stimme – eigentlich für Cello vorgesehen – eine besondere Herausforderung. „Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird." Diesen Ausschnitt aus Psalm 90 stellt der zeitgenössische Komponist Andrei Popov seiner Komposition voraus, hatte jedoch offenbar eine musikalische Nachzeichnung des ganzen Psalms im Sinn. Man durchlebt im Hören geradezu alle Höhen und Tiefen des eigenen Lebens, das jedoch – bewusst oder unbewusst – stets von Gottes Gnade begleitet ist. Popov schrieb sein Trio im vergangenen Jahr für die drei Musiker des heutigen Abends.

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Eintritt frei - Spenden erbeten.
Eintritt
FREI



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Kategorien: Klassik Konzerte

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