Junk

Bühnenkunst

Bild: Junk

© 2018 / Sinje Hasheider

„Das hier ist eine Geschichte über Könige, oder was man heutzutage so für Könige hält. Mitte der achtziger Jahre. 1985, um genau zu sein. Ich schrieb für Forbes und fürs Wall Street Journal. Gerede über Geld war ich gewöhnt. Aber 1985 drängte sich der Eindruck von etwas Neuem auf. Etwas Aggressivem und Angriffslustigem. Da kam so ein fanatischer Eifer in den Blick der Leute. Als ob eine neue Religion entsteht …“
Robert Merkin, Investmentbanker bei »Sacker Lowell«, ist auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Das »Time Magazine« feiert ihn auf der Titelseite als „Amerikas Alchimist “, der aus Schulden Geld macht. Binnen kürzester Zeit hat er fernab der Aufmerksamkeit großer Banken, Wall Street und Justiz Milliarden erwirtschaftet und das verstaubte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Sein Vorgehen ist so revolutionär wie aggressiv: mit Junk-Bonds – sehr riskanten und hoch verzinsten „Schrottanleihen“ – ködert er Investoren mit satten Gewinnen und sichert diese mit den Werten des Unternehmens ab, das er angreift. Die Zerschlagung der Firmen und die Entlassung tausender Mitarbeiter sind dabei Kollateralschäden, die nach Merkins Ansicht unvermeidbar sind, um in Zeiten von Globalisierung und aufblühender Konkurrenz in Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben.
Merkins nächstes Ziel soll der „Deal des Jahrzehnts“ werden: der Stahlgigant »Everson Steel«, Dow-Jones-Unternehmen und heilige Kuh der amerikanischen Wirtschaft. Sein Team ersinnt eine Angriffstaktik aus Intrigen, Täuschungen und die Grenzen der Legalität überschreitenden Manipulationen. Auf der Gegenseite formiert sich der Widerstand. »Everson Steel« entwickelt Verteidigungsstrategien, Banken und Wirtschaftseliten fürchten um den Status Quo und steigen in den Poker ein, die Staatsanwaltschaft beginnt sich für den Fall zu interessieren und eine Journalistin steht kurz davor, die illegalen Machenschaften Merkins aufzudecken.
Ayad Akhtars Wirtschaftsthriller beruht auf den wahren Begebenheiten um den „Junk-Bond-King“ Michael Milken, der in den 80er Jahren, dem „Jahrzehnt der Habgier“, den Finanzmarkt irreversibel veränderte und so viel verdiente, wie vor ihm nur Al Capone. Die Entkoppelung des Finanzsektors von der Realwirtschaft, die Milken lostrat, ist verantwortlich für die völlige Entfesselung der Finanzwirtschaft und die daraus resultierenden globalen Wirtschaftskrisen der letzten 30 Jahre.
Nach den Erfolgen von »Geächtet« und »The Who and the What« ist »Junk« die dritte deutschsprachige Erstaufführung Akhtars am Deutschen SchauSpielHaus.
Fotos: Sinje Hasheider



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Kategorien: Bühnenkunst Theater

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