Furusato - Wunde Heimat (OV)

Kinofilme

Filmplakat:Furusato - Wunde Heimat (OV)

Nach dem Reaktorunglück von 2011 in Fukushima ist die Stadt Minamisoma geteilt. Denn sie liegt teilweise in der Sperrzone um den Ort des Unglücks, das tausende Menschen das Leben gekostet hat. Im restlichen Teil der Stadt geht das Leben weiter, so wie vor dem Supergau? Nein, denn überall lauert die Gefahr durch radioaktive Strahlung. Neben Krankheiten breiten sich Angst und Misstrauen aus. Die Dokumentation zeigt das Leben in der Gefahrenzone.

Regie
Thorsten Trimpop
Land
Deutschland, USA, Japan
Jahr
2016
Genre
Dokumentarfilm
FSK
12
OV
OV
Originaltitel
Furusato - Wunde Heimat
Länge
94 Minuten
Filmbewertung

Siegel der Deutschen Film- und Medienbewertung Minamisoma ist eine Provinzstadt im Osten Japans, malerisch gelegen zwischen zwei Bergketten und dem Meer. Früher war die Gemeinde ein im ganzen Land bekanntes Surfer Paradies. Heute gehört sie zur nuklearen Sperrzone in Fukushima. Am 11.März 2011 tötete hier ein Tsunami mehr als 20.000 Menschen und löste im Kernkraftwerk Fukushima Daiishi eine komplette Kernschmelze aus, durch die Radioaktivität vom Wind landeinwärts getragen wurde. Fünf Jahre später ist ein Großteil der Stadt Minamisoma weiterhin unbewohnbar. Die Regierung hatte die Kleinstadt in zwei Bereiche unterteilt: ein Stadtteil wurde komplett evakuiert und im anderen gilt immer noch nur eine Empfehlung den Ort zu verlassen. Viele Menschen warten darauf, in ihre alten Häuser zurückkehren zu können. Aber eigentlich wissen sie, dass ihre Heimat, ihr "Furusato", verloren ist. Der Film beginnt mit einer beeindruckenden Animation, die die Erdbeben im Zeitraum der Katastrophe zeigt. Es sind Tausende Beben, die wie Einschläge in eine verwundbare Landkarte erscheinen. Der Film vermeidet jeglichen Kommentar und so kann sich die Wirkung der Grafik voll entfalten. So gibt Thorsten Trimpop die Stimmung für seinen Dokumentarfilm vor, in dem er sich in eben jene Gebiete begibt, in dem die Menschen mit großer Angst und noch größeren Zweifeln geblieben sind. Er begleitet sie bei dem fast unmöglichen Alltag in einer menschenverlassenen und vergifteten Umgebung. Trimpop kommentiert die Geschehnisse wenig, lässt die Verzweiflung und die Frustration in den Gesichtern der Menschen für sich sprechen. Eine Frustration auch über eine Regierung, die die Menschen im Unklaren darüber lässt, wie sicher sie jetzt wirklich sind in ihrer alten Heimat. Auf der Tonebene ist neben den Aussagen der Bewohner oft nur der gespenstisch mechanische Ton des Geigerzählers zu hören. Durch diese geschickt komponierte Tonebene ist die Bedrohung durch die nukleare Verwüstung konstant spürbar, wogegen auf der Bildebene wenig davon zu sehen ist. So macht Trimpop das Problem der nuklearen Gefahr überdeutlich. Man sieht sie nicht - und doch weiß man um sie. Am Ende des Films findet, wie schon seit über tausend Jahren, ein Samurai Pferderennen statt. Für ein paar Tage scheint alles ein bisschen so zu sein wie früher. Und doch wissen alle: So wie früher kann es nie mehr werden. Eine brisante, kluge und wichtige filmische Auseinandersetzung mit einem hochaktuellen Thema.

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