Extrem laut und unglaublich nah 13+

Bühnenkunst

Bild: Extrem laut und unglaublich nah [13+]

© 2018 / Sinje Hasheider

„Weil Menschen eben keine Zahlen sind. Sie sind eher wie Buchstaben. Und diese Buchstaben wollen sich zu Geschichten verbinden. Und Dad hat gesagt, Geschichten muss man teilen.“
Oskar Schell ist neun Jahre und lebt in New York. Laut seiner Visitenkarte ist er Erfinder, Pazifist, Veganer, Schmuckdesigner und Tamburinspieler. Natürlich ist er noch viel mehr– zum Beispiel Französisch-Fan, Vaterkind und Geheimnisbewahrer. Geheimnisse hat Oskar seit dem „schlimmsten Tag“, dem Tag, an dem sein Vater beim Anschlag im World Trade Center ums Leben kam, einige: Er verschweigt seine Einsamkeit. Er verschweigt die Aufzeichnung der fünf Anrufbeantworteranrufe, die sein Vater noch machte, nachdem die Flugzeuge in die Türme gerast waren und er verschweigt selbstverständlich auch, dass er selbst neben dem Telefon stand und den Hörer nicht abheben konnte. Er verschweigt den Schlüssel, den er in einer Vase im Schrank seines Vaters gefunden hatte, auf dem „Black“ geschrieben steht. Über so vieles schweigt Oskar. Dabei rasen tausende Fragen durch seinen Kopf. Doch Antworten zu finden ist schwer. Also beginnt er mit der einfachsten. In welches Schloss passt der Schlüssel mit Namen Black? Die Schlösser der Wohnung hat Oskar schon ausprobiert, keines passt. Bleiben nur ungefähr 162 Millionen weitere Schlösser in New York, die wiederum 9 Millionen Menschen zugeordnet werden können. Gott sei Dank tragen nur 472 davon den Namen Black. Eine lösbare Aufgabe scheint es Oskar, und so wagt er sich in die Weiten der großen Stadt in der Hoffnung, dass diese Antwort weitere mit sich bringt. Seine Odyssee beginnt.
Jonathan Safran Foer lässt Oskar New York durchwandern und ihn dabei seine verzweigte Familienhistorie entdecken, in der Leid und Liebe wuchern und Schweigen noch nie geholfen hat. Ob er will oder nicht, Oskar begreift, dass er nicht alleine ist. Die Geschichte umfängt ihn, stützt und beschränkt ihn zugleich. Einzeln war er zuvor – jetzt ist er ein Shell, Teil eines großen Menschenhaufens, in dem alles mit allem zusammenhängt. Foer greift große politische Ereignisse und Krisen auf – den Bombenhagel über Dresden, Hiroshima, 9/11 – und spiegelt sie in der Familie, dem Einzelnen. Die Mühe, die Lust, das Gelingen, das Scheitern – Foer lässt die Geschichte durch Oskar erstehen, die zugleich zur Geschichte einer Familie und einer Gesellschaft erwächst und zutiefst berührt.
Alexander Riemenschneider wird den Roman, in dem sich die Welt umwälzt und Generation um Generation versucht, sich diesen Einbrüchen zu stellen, inszenieren.
Foto: Sinje Hasheider



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Kategorien: Bühnenkunst Theater

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