Fledermäuse und ihr Liebesglück

Herbst

Bechsteinfledermaus, © WetterOnline

Bechsteinfledermaus, © WetterOnline

Der Herbst ist für Fledermäuse eine besondere Zeit: Sie planen ihren Nachwuchs und bereiten sich auf ihre Winterquartiere vor. Manchmal reisen sie dafür sehr weit. Die winzigen Säugetiere haben unglaubliche Fähigkeiten und zeigen kuriose Verhaltensweisen.

Gesänge locken Weibchen zum Balzquartier

Während die meisten Säugetiere und Vögel ihren Nachwuchs im Frühling zeugen und gebären, packen die Fledermaus erst im Herbst starke Gefühle für das andere Geschlecht. "Die Männchen warten ab Mitte September in sogenannten Balzquartieren auf vorüberziehende Weibchen.", erklärt Birgit Heck von WetterOnline. Diese werden mit regelrechten Gesängen angelockt, damit sich das wartende Männchen mit ihnen paaren kann. Seine Balzrufe sind für uns nicht hörbar, weil sie im Ultraschallbereich ertönen. Für die Fledermaus-Damen hingegen ist der Gesang des Männchens absolut betörend und es fliegt zum Balzquartier. Dort sind dann beide bereit zur Paarung. Die Familienplanung des Weibchens steht: Es verwahrt die Spermien allerdings noch bis zum nächsten Frühling in seinem Geschlechtstrakt.

Winterspeck erforderlich

Neben der Familienplanung ist im Herbst aber vor allem eines wichtig: Fressen. Um den langen Winterschlaf zu überstehen, ist es erforderlich, dass sich die Fledermäuse einen dicken Speckmantel anfressen. Sie müssen im Herbst 20 bis 30 Prozent an Gewicht zulegen. Im Spätherbst suchen sie dann ihre Winterquartiere auf.

Langstreckenflüge ins Winterquartier

Einige der 25 heimischen Fledermausarten bevorzugen sehr weit entfernte Winterquartiere. Im Herbst beginnt daher nicht nur der Zug der Vögel in den Süden, sondern auch der der Fledermäuse. Durch Beringungen der Tiere können Biologen ihre Wanderungen verfolgen. So haben sie entdeckt, dass die nur 5 Zentimeter kleinen und 6 bis 15 Gramm schweren Rauhautfledermäuse sogar knapp 2000 Kilometer zwischen dem Sommer- und Winterquartier zurücklegen. Wie die Tiere auf der langen Reise navigieren, ist noch nicht aufgeklärt worden. Denkbar ist eine Orientierung am Magnetfeld der Erde oder aber an Landmarken.

Thalia Jentke von der Fledermaus Beringungszentrale Bonn am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) erklärte auf Nachfrage: "Die Wanderrichtung in den größten Teilen Europas ist in der Regel im Herbst immer Richtung Südwesten. Während des Zugs ziehen die Tiere durchschnittlich 30-50 km pro Nacht. Der Zug findet bei den meisten Individuen zur selben Zeit statt, jedoch nicht in mit Vögeln vergleichbar großen Schwärmen."

Der Winter kann kommen

Die Familienplanung steht, der Bauch ist voll, das Winterquartier ist bezogen – der Winterschlaf kann beginnen. Im Winterquartier hängen sich die Fledermäuse dicht aneinander gekuschelt in ihre kühlen aber frostfreien Schlafplätze. Dank ihrer vollständig nach hinten drehbaren Füße können sie sich mit dem Kopf nach unten an rauem Gestein oder Holz festkletten. Sie senken ihre Körpertemperatur auf bis zu 3 Grad ab und verlangsamen die Atmung und den Herzschlag bis auf rund ein Dutzend Schläge pro Minute.

Frühling: Zeit zum Trächtig werden

Im Frühling wachen die Flattertierchen auf und fliegen in ihre Sommerquartiere zurück. Diese sind im Gegensatz zu den Winterquartieren nach Geschlechtern getrennt. In ihrem Quartier werden die Weibchen in Abwesenheit der Männchen trächtig, weil sie deren Spermien im vergangenen Herbst eingelagert hatten. Nach 50 Tagen Tragzeit ziehen sie ihr Fledermausbaby in einer Wochenstubengesellschaft groß, die sie mit den anderen Weibchen bilden.

Winzlinge mit Supermannqualitäten

Heimische Fledermäuse sind sehr klein. Die größte von ihnen ist gerade mal 8,5 Zentimeter lang. Fledermäuse sind neben den Flughunden die einzigen flugfähigen Säugetiere auf der Erde. Sie jagen bei Dämmerung und in der Nacht und orientieren sich in erster Linie per Echolot. Fledermäuse können ein Alter von über 20 Jahren erreichen und somit sehr alt werden. In Anbetracht ihrer geringen Körpergröße ist das eine absolute Besonderheit, denn kleine Säuger leben eigentlich nur sehr kurz. Unsere heimischen Fledermäuse sind außer für Insekten völlig ungefährlich. Sie saugen weder unser Blut noch haben sie es in sonstiger Art und Weise auf uns abgesehen. Fledermäuse leben vielmehr so still und verborgen, dass sie auch der Wissenschaft noch viele Rätsel aufgeben.

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