Station 17 - SuedKulturSommer 2021

Sonntag, 08.08.2021 11:00 bis 11:45 Schwarzenbergplatz

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Sabine Schnell

Heute präsentiert Alles Wird Schön das Programm !

STATION 17 - Alles für alle - Am Tag der Inclusion !

Wer Station 17 über die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte verfolgt hat, der weiß: das einzig Beständige
an dieser Band ist der Wandel. Sich zu entwickeln, Musik zu dehnen, Grenzbereiche auszutesten - darum
ging es stets, seit sich die Band 1989 als Projekt einer Wohngruppe in Hamburg gründete. Acht offizielle
Alben erschienen seither, und Station 17 emanzipierte sich immer weiter vom Grundgedanken des reinen
kreativ-sozialen Projekts, wuchs zu einer bedeutenden Formation im Bereich des experimentellen Indierock.
Wohl keine andere Formation schafft es, innerhalb eines Wochenendes auf dem Hurricane Festival, bei
einem Empfang des Bundespräsidenten und auf einem Event der Jesus-Freaks gleichzeitig aufzutreten.
Station 17 haben es gemacht.

Homepage: https://station17.bandcamp.com

Youtube:  https://youtu.be/N77pdRtEsU4

Vor drei Jahren dann das jüngste 'Wow': Das Album „Fieber“, die bis ins letzte Detail höchst aufregend
editierte Collage einer mehrwöchigen, experimentellen Krautrock-Jamsession auf einem Hof im Wendland.
Ist das neue Werk „Alles für alle“, das nun einem geradezu diametral entgegengesetzten, enorm direkten
und klar umrissenen Konzept folgt, eine Reaktion auf das fiebrige Loslassen des Vorgängers? Ja, auch das,
aber es ist weit mehr. Denn, um die Katze aus dem Sack zu lassen: Station 17 haben ein Pop-Album
gemacht. So sehr Pop, dass es erstaunt, verwundert und manche sicher auch eine Spur ratlos zurück lässt.
Es zitiert den Synthie-Pop der 80er, ruft Bands wie Heaven 17 oder The Human League wach und verbindet
diese Inspirationen mit knackigen, nicht selten auch sarkastisch angehauchten Jetzt-Texten und Melodien,
die unmittelbar ins Ohr gehen.


Ein fester Bestandteil von Station 17 ist die Veränderung und Entwicklung der personellen Struktur.
Entsprechend geht „dieser ganze musikalische Wandel auch einher mit einem neuen Umfeld, das diese
Band in den drei Jahren seit 'Fieber' bekommen hat“, erzählt Produzent Tsitsigias. „Dadurch hat sich auch
das musikalische Arbeiten total verändert. Es kamen Sänger und Sängerinnen dazu wie Masoumi, Gharibi
oder Schnathorst. Durch ihre Mitwirkung hat sich für die Band die Möglichkeit ergeben, richtig
ausformulierte Texte in die Musik einzubinden und klar definierte Songabläufe umzusetzen.“ Und doch: Der
Schritt vom „Fieber“ Album zum aktuellen Pop-Juwel „Alles für alle“ dürfte einer der größten sein, den je
eine deutsche Band von einem Album zum nächsten vollzogen hat. „Sicher gab es mittlerweile auch einen
gewissen Überdruss in Sachen instrumentaler Musik und dem experimentellen, länglichen Musizieren“,
erklärt Tsitsigias. „Live machen wir das natürlich immer noch, aber für das neue Album wollten wir gern ein
ganz neues Konzept haben: klassische Songs. Punkt.“


Eineinhalb Jahre hat die Band in wechselnden Arbeits-Einheiten daran gearbeitet, diese neue Ebene des
Songwritings mit der bisherigen Attitüde des vollkommen freien Musizierens in Einklang zu bringen und neu
zu gestalten. „Station 17 war immer eine experimentelle Band – ich glaube, nur deshalb gibt es uns auch
nach 25 Jahren noch – und jetzt ist eben reiner Pop für uns der experimentelle Entwurf.“ erklärt Fleck,
neben Tsitsigias der zweite Produzent des Albums:.


Wie gut das gelingt, zeigen Songs wie der Opener „Kairo“, ein fulminant eingedampftes Stück Euphorie-
Pop mit einem feixenden Lächeln im Mundwinkel. Oder die vorab ausgekoppelte und bereits weithin
beachtete Single „Alles für alle“ (feat. Stritzi Streuner von Frittenbude), die sich zu einer echten Live-Hymne
auf künftigen Konzerten entwickeln dürfte. Mit dem rein instrumentalen „Bellealliance“ gibt es in der Mitte
des Albums eine Art Bindeglied zu früheren Arbeiten: Ein experimentelles Stück, diesmal aber gebettet in die
aktuelle Klangästhetik aus breiten Keyboard-Landschaften und fluffig synkopiertem Dance-Pop.
Neu in dieser Ausprägung sind natürlich auch die Rolle und Funktion der Texte. „In einigen Texten, etwa bei
'Alles für alle', steckt eine klare Ansage, eine Programmatik“, sagt Neuzugang Röh (ehemals Frau Potz).
„Wir haben nichts gegen angemessene Sozialkritik, auch in eigener Sache. Wir verhandeln darin die
Diskrepanz in Werkstätten für Behinderte Menschen zwischen den Betreuern und Betreuten, die sich
besonders in Sachen Bezahlung bemerkbar macht. Die Ansicht, ein Mensch mit Handicap habe nicht mehr
Ansprüche als die eigene Grundsicherung, ist nicht richtig. Denn wir machen täglich die Erfahrung: Es reicht
eben nicht. Auch diese Menschen möchten an der Gesellschaft partizipieren, und das kostet eben Geld.“
So haben Station 17 in ihrer für dieses Album neu gegründeten Enklave, einem eigenen Studio in Hamburg-
Stellingen mit dem hübschen Namen „Stel Air“, im partizipativen Kollektivprozess eine neue Ebene des
kreativen Miteinanders gefunden, die ohne Frage weithin für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Natürlich ist
man sich der Gefahr bewusst, mit einem derart radikalen Schritt einige der altgedienten Fans zu
verschrecken, aber darf ein Künstler darauf Rücksicht nehmen? Demgegenüber steht jetzt eine neue
mögliche Ebene: die der kommerziellen Breitenakzeptanz. Erwünscht? „Ja warum denn nicht?“, fragt
Tsitsigias zurück. „Ich bin froh, dass wir mit diesem Album Songs erzeugt haben, die zumindest theoretisch
ein großes Radio-Potenzial besitzen. Und sollten wir damit tatsächlich in den Charts landen, kann es der
ganzen Sache doch nur dienlich sein.“ Denn so viel bleibt letztlich festzuhalten: Eine Band mit einem derart
bedeutungsvollen sozialen, kreativen und integrativen Überbau sucht man vergeblich ein zweites Mal – und
das nicht nur deutschlandweit. Und mit dermaßen prägnanter Musik kann man ihnen nur jeden Erfolg
wünschen.

Hinweis: Bitte informieren Sie sich über den aktuellen Status dieser Veranstaltung sowie die geltenden Hygienevorschriften direkt auf der Webseite des Veranstalters.

Preis: 6 €

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Termine der Veranstaltung

Sonntag, 08.08.2021
11:00 bis 11:45 Uhr

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21073 Hamburg
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