Zukunftsmetropole Hamburg: Hochburg der Trendforscher

Wirtschaft

Foto pixabay, © LoboStudioHamburg, CC0 Public Domain

Blick in die Zukunft: Zahlreiche Spezialisten unterschiedlichster Disziplinen forschen in Hamburg nach den Trends von morgen. Bildquelle: pixabay, © LoboStudioHamburg, CC0 Public Domain

Unzählige Trendspezialisten beschäftigen sich in Hamburg tagtäglich damit, wie wir morgen ticken. Die Zukunftsforschung hat sich spätestens seit der Einführung als Masterstudiengang in Deutschland als eigene Wissenschaft etabliert. Zahlreiche große Büros forschen im Auftrag nationaler und internationaler Konzerne wie Airbus, Beiersdorf oder Otto. 

Warum gerade Hamburg als Standort für die Zukunftsforscher so interessant ist, könnte mehrere Gründe haben. "Die Stadt ist nicht nur der Hafen zur Welt, sie ist damit auch Zielort für Produkte aus aller Welt und liegt am Strom der Veränderung", so erklärt Stefan Baumann vom Trendbüro Sturm und Drang die hohe Dichte an Trendbüros in der Hansestadt.

Entwicklung der Branche

Bereits im Jahr 1992 wurde das erste Büro in der Stadt von Peter Wippermann gegründet. Das "Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel" war die Hamburger Antwort auf amerikanische Vorbilder wie der renommierten Zukunftsforscherin Faith Popcorn. Seitdem hat der ehemalige Professor für Kommunikationsdesign Begriffe wie die "ICH-AG" oder den "MINGLE" erfunden und geprägt. Letzteres setzt sich aus den beiden Wörtern "Mixed" und "Single" zusammen und beschreibt den aktuellen Trend zur offenen Partnerschaft ohne Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen. 

Zusammen mit Matthias Horx, der Soziologie studiert hatte, entwickelte sich das gemeinsame Trendbüro zum vielbeachteten Think Tank. Den beiden ist es zu verdanken, dass sich die Zukunftsforschung in Deutschland etabliert hat. Horx entwickelte die „Futurologie“ aus den 1960er und 70er Jahren durch die Verbindung verschiedenster Disziplinen wie System-, Sozial-, Kognitions- und Evolutionswissenschaften weiter. Als Unternehmensberater sucht das Team nach Zusammenhängen, die unsere Gesellschaft prägen und nachhaltig in eine bestimmte Richtung weisen.

"Zukunftsforschung ist die wissenschaftliche Befassung mit möglichen, wünschbaren und wahrscheinlichen Zukunftsentwicklungen und Gestaltungsoptionen sowie deren Voraussetzungen in Vergangenheit und Gegenwart."
Rolf Kreibich, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (ITZ)

Weitere Institute folgten in den Jahren darauf, haben sich in Hamburg niedergelassen und suchen nach den Micro- oder Megatrends der Zukunft. Zahlreiche Konzerne wie die Deutsche Telekom oder die Allianz investieren selbst in die Zukunftsforschung, und haben eigene Abteilungen ins Leben gerufen. Was zunächst als "Freakshow" belächelt wurde, ist für international agierende Unternehmen kaum noch wegzudenken.

Marktforschung, Trendscouts und Zukunftsforscher

Schon immer waren Experten damit beschäftigt, im Auftrag von Firmen nach Tendenzen in der Gesellschaft zu suchen. Im Rahmen der Marktforschung wird dabei jedoch nur die Vergangenheit abgebildet, denn hier beruhen die Daten auf dem Zählen des Status Quo.

Auf der anderen Seite haben sich die Trendscouts entwickelt. Sie analysieren die Bedürfnisse des Marktes und suchen vor allem in den Subkulturen nach dem neuesten Hype. Auf der Grundlage ihrer Recherche werden Szenarien geformt, die dazu dienen, Trendfarben, Modekollektionen, aber auch ganz neue Produkte für die nächste "Kaufsaison" zu entwickeln. Ihr Beobachten gilt jedoch ebenfalls der Gegenwart und erlaubt lediglich kurzfristige Ausblicke.

Bildquelle: pixabay, © Unsplash, CC0 Public Domain
Zukunftsforscher analysieren beispielsweise die Verkehrsentwicklung und beraten Städte und Kommunen bei Planung und Ausbau der Infrastruktur.

Bildquelle: pixabay, © Unsplash, CC0 Public Domain

Die Arbeit der Zukunftsforscher geht noch viel weiter. Sie filtern die aktuellen gesellschaftlichen Strömungen nicht nur nach kurzfristigen Trends, sondern ordnen diese auch ein und entwickeln oder simulieren daraus mögliche Szenarien für die Zukunft.

Dabei werden verschiedene Bereiche in unserer Gesellschaft beleuchtet. Sei es die Entwicklung der Verkehrs – hier steht derzeit der Begriff des autonomen Fahrens im Fokus – oder die Frage nach der Zukunft der Esskultur:  Zu den unterschiedlichen Themen werden regelmäßig Studien oder sogenannte Trendberichte veröffentlicht, die die Forschungsergebnisse erklären und visualisieren.

Freeployee, Mingle und Latte-Macchiato-Familien

© pixabay, © keijj44, CC0 Public Domain
Was bringt die Zukunft für unsere Gesellschaft: Zukunftsforscher filtern Trends und Strömungen und entwickeln daraus mögliche Szenarien. Bildquelle: pixabay, © keijj44, CC0 Public Domain

Um die neuen Strömungen und Trends zu erläutern und möglichst präzise darzustellen, werden häufig auch neue Begriffe kreiert. Manchmal sind dies Kofferwörter aus zwei bereits existierenden Ausdrücken – sehr häufig sind es auch Anglizismen oder eine Kombination aus Fremdwörtern und deutschen Vokabeln.

Um die neuen Strömungen und Trends zu erläutern und möglichst präzise darzustellen, werden häufig auch neue Begriffe kreiert. Manchmal sind dies Kofferwörter aus zwei bereits existierenden Ausdrücken – sehr häufig sind es auch Anglizismen oder eine Kombination aus Fremdwörtern und deutschen Vokabeln.

Die entwickelten Szenarien stehen dabei bildhaft und exemplarisch für mögliche Entwicklungen der Gesellschaft. Die Wortneuschöpfungen dienen dazu, die Protagonisten, Verhaltensweisen oder neuen Produkte  und Gegenstände zu beschreiben und von bereits Bestehendem abzugrenzen.

Es können einerseits allgemeingültige Beispiele genutzt werden um einen Trend zu beschreiben. Für viele Firmenkunden werden jedoch Handlungsabläufe oder Schauplätze passend zum Unternehmen und Portfolio entwickelt. Sie dienen als Grundlage für die Ausrichtung der Marketingstrategie bis hin zur Einführung innovativer Produkte, die auf die zukünftigen Anforderungen und Wünsche zugeschnitten sind.

Veranstaltungen in Hamburg

Die verschiedenen Trendbüros veranstalten selbst immer wieder Tagungen und Seminare, um ihr Wirken mehr nach außen zu tragen, und auch kleinere Unternehmen mit der Zukunftsforschung in Kontakt zu bringen. Beim „Afternoon for Innovators“, einer regelmäßigen Veranstaltung des Zukunftsinstitutes TRENDONE beispielsweise können in einem Workshop selbst Methoden zum Erkennen und zur Bewertung von Trends erlernt werden.

Die Innovations Kontakt Stelle Hamburg (IKS) fördert solche Meetings und dient als Anlaufs- und Austauschstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, den regionalen Unternehmen und Hamburger Trendbüros. Auf dem Campus der Hochschule findet sich dazu ein eigenes Schulungsgebäude für interdisziplinäre Veranstaltungen.

"Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will doch schließlich den Rest des Lebens in ihr verbringen."
Mark Twain

Anzeige