Warum erst spät in einen Markt eintreten? Tipps von einem Second-Mover Start-Up

Wirtschaft

Also, die Party hat begonnen und Du bist noch nicht dabei. Du musst Dich entscheiden – zu Hause bleiben oder einen späten, aber modischen Auftritt hinlegen. Wie entscheidest Du Dich?

Jeder möchte die erste Idee haben und der erste sein, der ein neues Geschäft startet. Aber ein späterer Markteintritt kann manchmal mehr Vorteile haben als wir denken. Hier sind die Gründe, warum es sich lohnt, von der Couch aufzustehen, die neuen fantastischen Schuhe anzuziehen und rauszugehen:

Weniger Risiko

Als erster mit einer innovativen Idee den Markt zu betreten ist deutlich risikoreicher als einem bereits erfolgreichen Produkt zu folgen. Ein neues Produkt – dem man zahlreiche schlaflose Nächte gewidmet hat - herauszubringen gibt keine Garantie, dass es auch gekauft wird. Ehrlich gesagt ist das Risiko hoch, dass man investiert Zeit und Kosten niemals durch den Verkauf des Produktes hereinholt. Als Second-Mover eines bereits am Markt etablierten Produktes minimiert man dieses Risiko. Man kann sich sicher sein, dass ein Markt und Konsumenten für das Produkt existieren und man muss deutlich weniger Ressourcen aufwenden. Sollte das Produkt dennoch nicht den gewünschten Erfolg haben, halten sich die Verluste in Grenzen.

Der Markt ist bereits etabliert

Ein Imitat zu verkaufen erfordert deutlich weniger Marktforschung. Wenn das Produkt gekauft wird, kann man sich sicher sein, dass es auf Interesse bei den Konsumenten stösst – und man kennt bereits seine Zielgruppe. Das Geld, das man bei der Marktforschung einspart, kann man für die Profilierung des eigenen Unternehmens verwenden. Zum Beispiel Gourmesso, ein Second-Mover im Bereich der Nespresso Kaffee Kapseln, hatte einen erheblichen Vorteil von seinem späten Start in den Markt. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Kaffeekapseln mit Fairtrade Kaffee und Kaffee aus ökologischer Landwirtschaft – und das in über 20 verschiedenen Sorten. Diese Spezialisierung ermöglichte es dem Unternehmen, die Zielgruppe der Konsumenten, die Wert auf die Herkunft ihres Kaffees legen, zu erschließen.   

Sie können den Prozess revolutionieren

Obwohl es vorteilhaft sein kann Zeit und Geld für eine bedeutende Innovation des bestehenden Produktes aufzubringen, ist es lukrativer seine Kräfte auf den vorhandenen Produktionsprozess zu konzentrieren. Das größte Problem, dem die Unternehmen gegenüber stehen, ist bei gleichbleibender Produktqualität den Produktpreis zu minimieren. Ein effizienterer und kostengünstigerer Produktionsprozess ist der beste Weg einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Durch Nutzung des bestehenden Patentes für Nespresso Kapseln konnte Gourmesso seine Ausgaben an anderer Stelle tätigen und dadurch speziell geröstete, qualitativ hochwertige Kaffeebohnen verwenden – und das bei einem Verkaufspreis, der etwas 30% unter dem des größten Mitbewerbers liegt. Man kann sagen, als Second-Mover hat man deutlich mehr Flexibilität.

Manchmal sind wir so darauf fokussiert mit der nächsten großen Produkteinführung, dass wir gar nicht an bestehende Möglichkeiten denken. Man schaue sich Facebook, Amazon, oder eben Gourmesso – inzwischen der führende Nespresso kompatible Kapselhersteller – an; spät in den Markt einzutreten kann oftmals große Vorteile haben. Als Second-Mover sein Geschäft zu starten ist natürlich weniger glamourös und man kann sich nicht als Pionier bezeichnen. Aber, wenn Du nicht zur Party erschienen wärest, dann hätte niemand Deine tollen neuen Schuhe bewundert, richtig?

Anzeige