Gründen in Hamburg – Neue Impulse aus der Hansestadt

Wirtschaft

Startups in der Hansestadt: Zwischen Hafencity und Binnenalster haben sich viele neue Firmen angesiedelt. Foto: Fotolia, © powell83

Startups in der Hansestadt: Zwischen Hafencity und Binnenalster haben sich viele neue Firmen angesiedelt. Foto: Fotolia, © powell83

Hamburg ist im Bereich der Startups und Neugründungen der Deutschen Hauptstadt auf den Fersen. Im Wachstumsranking der Gründerszene tauchen immer mehr erfolgreiche Unternehmen auf, die in der Hansestadt ihre Wurzeln haben. Dennoch war zuletzt ein Rückgang der Neugründungen zu vermerken. Mit neuen Impulsen sollen innovative Unternehmen in Zukunft verstärkt gefördert werden.

Die Hansestadt kann zwar nicht so viele neue Gründungen vorweisen wie Berlin, hat aber dennoch gute Voraussetzungen für innovative Startups zu bieten. Zahlreiche Informations- und Kompetenzzentren stehen als Anlaufstelle unterstützend zur Verfügung. Dennoch stehen die jungen Unternehmen in Hamburg vor besonderen Herausforderungen. Zukünftig sollen noch mehr internationale Geldgeber an die Elbe gelockt werden. Im Bereich der Verwaltung könnte eine Verbesserung der Bedingungen für mehr Wachstum sorgen.

Hamburgs Innovationszentren

Wo die Gründer sitzen

In jeder Metropole konzentrieren sich einzelne Branchen jeweils in ganz bestimmten Teilen einer Stadt. Für Gründer und Startups ist dabei oftmals die Nähe zu verschiedenen Einrichtungen wie Informations- und Austauschzentren oder auch zu gemeinschaftlich genutzten Arbeitsräumen ausschlaggebend.

Viele der in Hamburg neugegründeten Unternehmen haben ihren Sitz in der Speicherstadt, in der Hafencity, auf St. Pauli oder auch in der Neustadt. Um die Kosten niedrig zu halten, entscheiden sich einige in der Anfangszeit für eine Bürogemeinschaft oder einen Arbeitsplatz in einem Coworking-Space. Ohne große Investitionen für Büromöbel oder technische Infrastruktur können hier ganz nach Bedarf auch Räumlichkeiten für Besprechungen oder Präsentationen angemietet werden – Einbauküche inklusive. 

Anlaufstellen

Wer mit dem Gedanken spielt, selbst ein innovatives Unternehmen zu gründen, hat in Hamburg die verschiedensten Anlaufstellen zur Auswahl:

  • Gründerservice der Handelskammer: Diese zentrale und branchenübergreifende Stelle dient sowohl als Informationsquelle bei der Erstberatung als auch kompetente Hilfe bei der Erstellung eines Konzeptes und Finanzierungsplanes. Eine eigene Gründungswerkstatt ist dafür als ständig verfügbare Informationsplattform im Internet geschaffen worden. Bei Themengebundenen Sprechtagen kann tieferes Wissen zu verschiedenen Inhalten wie Steuern erlangt werden.
  • Netzwerktreffen: Je nach Branche gibt es zudem zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die einzelnen Anlaufstellen organisieren jeweils regelmäßige Treffen oder weitere Veranstaltungen. So ist der "Gamecity Treff" beispielsweise für Interessierte aus der Games Branche gedacht. Das "Digital Media Women" Netzwerk hingegen richtet sich an Frauen, die in Web-Berufen tätig sind. Auch der "Webmontag" oder der "eBizz Talk" ist für alle Tätigen im Internetbereich ausgelegt.
  • Konferenzen für Startups: Verschiedene Konferenzen über das ganze Jahr verteilt locken auch Unternehmer aus anderen Regionen nach Hamburg. Für eine Vielzahl an Fachtagungen werden dazu interessante national oder international bekannte Referenten aus der Szene verpflichtet. Die Veranstaltungen richten sich dabei sowohl an Gründer selbst, als auch an Investoren. 
  • Finanzierung: Wenn es um die Finanzierung geht können zunächst verschiedene Stellen wie die Handelskammer mit Informationen weiterhelfen. In Hamburg stehen als Geldgeber lokale Banken, verschiedene Risikokapitalgeber und mehrere Inkubatoren zur Verfügung. Auch regionale Förderprogramme können bei der Finanzierung weiterhelfen.

Starke Branchen in Hamburg

Der Hamburger Hafen spielt in der Witschaft der Stadt immer noch eine große Rolle. Das traditionsreiche Viertel gehört mit seinen charakteristischen Gebäuden inzwischen sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lange Zeit war die Politik deshalb auf diesen Bereich fokussiert. Der Hype, der in Berlin die Startup Szene umgibt, fehlt in der Hansestadt. Ein solider Aufbau eines Unternehmens steht stärker im Vordergrund als Experimente und Party.

Das lange Fehlen der politischen Unterstützung hat den einst wichtigen Medienstandort im Bereich der Neugründungen nicht nach vorne gebracht. Dennoch sind hier einige Firmen in der Digitalwirtschaft angesiedelt, welche die schwierige Anfangszeit bereits hinter sich haben. Xing, mytaxi oder Jimdo sind erfolgreiche Beispiele dafür.

Die meisten Startup Ideen finden sich in Hamburg im B2C und B2B Bereich. Der Sektor des E Commerce, Food oder auch verschiedene andere digitale Serviceleistungen sind besonders stark vertreten. Zuletzt wareb sieben neue Unternehmen aus der Hansestadt im Wachstumsranking der Gründerszene vertreten. Gegen die Übermacht aus Berlin noch chancenlos, konnte sich Hamburg im Schnitt jedoch noch vor München oder der Gründungsmetropole der Ruhrpots platzieren.    

Unterschiede zu anderen Regionen

Im Gegensatz zur Startup-Hauptstadt Berlin ist das Leben in Hamburg deutlich teurer. Dies führt dazu, dass Neugründer um einiges zielgerichteter vorgehen müssen. "In Hamburg arbeiten die Startups fokussierter. Hier ist lange testen und ausprobieren einfach nicht drin", so Nico Lumma, leitender Manager eines der wichtigsten Medien Acceleratoren in Hamburg. Nach Untersuchungen des Hamburger Startup Monitors hat sich auch herausgestellt, dass viele der befragten Unternehmen noch keine übliche Finanzierung in Anspruch genommen hat. Viele Gründer haben hier zu Beginn ihren Lebensunterhalt nebenbei noch durch andere Tätigkeiten sichergestellt.

Obwohl viele Investoren ihr Geld zunächst an die Spree tragen würden, sieht Lumma dennoch auch finanziell viele Vorteile in der Hansestadt. So befinden sich hier beispielsweise die Hauptgeschäftsstellen zahlreicher wichtiger Sales-Agenturen. Auch Unternehmen wie Facebook, Twitter,  Google oder Yelp haben sich deshalb für einen Standort an der Elbe entschieden.

Liegen im amerikanischen Mekka der Startups das Silicon Valley und San Francisco weiter voneinander entfernt als Hamburg und Berlin, sind die beiden Zentren in den USA durch eine schnelle und kostengünstige Bahnverbindung miteinander verknüpft. Da ein Zugticket zwischen den zwei Startup-Städten in Deutschland jedoch recht teuer ist, fällt ein Austausch eher selten statt.

In Hamburg hat die Regierung spät die ersten politischen Signale für Gründer ausgesendet. Die Gründerszene hat sich noch nicht so umfangreich entwickelt wie in der Hauptstadt. Dennoch werden unermüdlich neue Anlaufstellen und Events auf die Beine gestellt, welche die Startup Kultur unterstützen und den Wissensaustausch fördern.

Gründen Schritt für Schritt

Konzept- und Businessplanentwicklung

Als ersten Schritt bei einer Neugründung steht immer die Erstellung eines Businesskonzeptes. Gerade in dieser Anfangsphase kann viel von anderen gelernt werden, die dieses Stadium bereits erfolgreich bewältigt haben. Es lohnt sich, hier so viel Informationen wie möglich zu sammeln, um unnötige Fehler zu vermeiden, die hohe Kosten verursachen können. Verschiedene Punkte sollten vor der eigentlichen Gründung geklärt werden:

  • Marktfähigkeit der Idee: Eine brilliante Idee ist nur so gut wie die passende Umsetzung für den jeweiligen Markt. Im Vorfeld sollte die geplante Zielgruppe aber auch mögliche Konkurrenten genau untersucht werden.
  • Unterstützer suchen: Für eine erfolgreiche Unternehmensgründung sind die vielfältigsten Talente notwendig. Neben dem Ausarbeiten einer innovativen Idee ist auch Verhandlungsgeschick und betriebswirtschaftliches Denken und Wissen notwendig. Wer dies alles selbst nicht bewältigen kann, sollte sich entsprechende Mitstreiter suchen, die die fehlenden Fertigkeiten mitbringen.
  • Businessplan erstellen: Das Businesskonzept dient nicht nur zur Aquise von Finanzmitteln sondern auch als Rahmenplan für den Gründer selbst. Die Erstellung folgt in der Regel bestimmten Vorgaben. Dazu sind auch verschiedene Vorlagen oder Online-Tools vorhanden, die bei der Zusammenstellung der Daten und Informationen helfen können.
  • Unternehmensform wählen: Es macht Sinn, sich auch vorher schon Gedanken über die mögliche Unternehmensform zu machen. Ob Einzelunternehmen, Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) – jedes Modell hat verschiedene Vor- und Nachteile, die bedacht werden sollten. Wie sich die unterschiedlichen Rechtsformen unterscheiden, zeigt diese Auflistung.
  • Namen finden: Ebensfalls im Vorfeld sollte ein passender und eigenständiger Name gefunden werden. Hierbei spielt ebenfalls die Abgrenzung zu Konkurrenzangeboten eine Rolle. Sobald ein Name feststeht, kann dazu die passende Internetdomäne registriert werden. Zudem kann eine Markenregistrierung dabei helfen, sich später vor Mitläufern zu schützen.

Patent- und Markenschutz

"Nachahmung ist die höchste Form der Verehrung", so lautet ausgerechnet ein chinesisches Sprichwort. Der Schutz eines Namens, aber auch einer Geschäftsidee ist ein Punkt, den viele Gründer erst recht spät angehen. Dabei kann es von Vorteil sein, hier so früh wie möglich zu handeln. Dabei sollte bei der Beantragung beim Patentamt systematisch vorgegangen werden: 

Wer einen Namen gefunden hat, kann sich zunächst informieren, ob dieser nicht bereits von jemand anderem zuvor als Marke eingetragen wurde. Neben verschiedenen Suchplattformen im Internet kann hier auch das Patentamt oder eine entsprechende Stelle der IHK bei der Design- und Markenrecherche weiterhelfen.

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Punkte schützen oder als Marke registrieren. Allein für eine Markeneintragung bieten sich dabei unterschiedliche Möglichkeiten, je nach Branche oder Design. So kann zwischen einer Wort- oder Bildmarke, aber beispielsweise auch ganzen Slogans gewählt werden. Neben der Marke lassen sich auch Produktideen oder Erfindungen schützen. Es wird zwischen verschiedenen Kategorien unterschieden:

  • Geschmacksmuster: Damit lassen sich innovative Designs, wie charakteristische Form- oder Farbgebungen von Gebrauchsgütern schützen. 
  • Gebrauchsmuster: Dieser Schutz betrifft gewerblich anwendbare Erfindungen, die einen innovativen Charakter besitzen. Technische Herstellungsverfahren fallen beispielsweise darunter.
  • Patent: Ein Patent geht noch einen Schritt weiter wie das Gebrauchsmuster. Mit der Anmeldung wird ein geprüftes Schutzrecht erworben. Dies bedeutet, dass Art und Umfang des Patents geprüft werden und rechtlich umfangreichere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, den Schutz im Falle einer Patentverletzung durchzusetzen.

Bei allen möglichen Varianten kann in der Regel gewählt werden, ob der Schutz nur in Deutschland bestehen, oder auf weitere Länder oder gar international ausgedehnt werden soll. Dies wirkt sich dann auch auf die Höhe der Kosten aus, die bei der Anmeldung entrichtet werden müssen.

Finanzierungsmöglichkeiten

In der Startup Welt haben sich ein paar ganz eigenständige Finanzierungsmöglichkeiten etabliert. Hinter sogenannte Inkubatoren oder Acceleratoren stecken Investmentgesellschaften, die auf die Finanzierung und Unterstützung von innovativen und neugegründeten Unternehmen spezialisiert sind.

Ein Inkubator funktioniert dabei nicht in erster Linie als Geldgeber, sondern stellt mit verschiedenen Serviceleistungen wie ausführliche Beratung oder der Bereitstellung von Büroflächen die besten Bedingungen für ein Startup zur Verfügung. Wie ein Brutkasten wirkt der Inkubator dabei in der ersten Zeit als schützende Umgebung für das junge Unternehmen.

Die Acceleratoren oder "Beschleuniger" wirken ähnlich, sind jedoch auf eine viel kürzere Zeit ausgelegt. Sie greifen eher zu einem etwas fortgeschrittenerem Stadium. Besondere branchenspezifische Workshops oder Boot Camps dienen hier beispielsweise dazu, Investoren zu treffen oder bestimmte Konzepte konzentriert weiterzuentwickeln. 

Eigene Start-Up Inkubatoren für die Stadt

Für die eigentliche Finanzierung können von den Acceleratoren aber auch direkte Finanzspritzen angefragt werden. Zuletzt wurde in Hamburg ein neuer Zusammenschluss der lokalen Sparkasse und der HSH Nordbank als Geldgeber gegründet. Unter dem Namen "Next Commerce Accelerator" sollen künftig Startups aus dem Bereich des elektronischen Handels gefördert werden. Wer es schafft, sich durch die Bewerberrunden zu schlagen, kann mit bis zu 50.000 Euro Unterstützung rechnen. Auch der "Next Commerce Accelerator" von Nico Lumma zählt zu diesen Investoren. Solche Geldgeber gibt es in der Hansestadt im Vergleich zu Berlin noch viel zu selten. Dabei sind sie ein wichtiger Standortfaktor und fördern ein gesundes Wirtschaftswachstum auch abseits des alteingesessenen Handels rund um den Hafen.

Im Rahmen von zielgerichteten Workshops veranstaltet von sogenannten Acceleratoren kann oftmals von der Expertise der Ansprechpartner profitiert werden. Foto: Fotolia, © kantver
Im Rahmen von zielgerichteten Workshops veranstaltet von sogenannten Acceleratoren kann oftmals von der Expertise der Ansprechpartner profitiert werden. Foto: Fotolia, © kantver

Hamburg hat zudem zwei regionale Förderprogramme auf die Beine gestellt, die innovative Startups unterstützen. Dazu zählen zum einen der Innovationsstarter Fonds Hamburg, der zum Teil auch mit Geldern der Europäischen Union finanziert wird. Zum anderen kann das Dienstleistungsunternehmen "Hamburg Innovation" rekrutiert werden, welches als Mittler zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aktiv den Wissenstransfer unterstützt.

Als alternative Finanzierungsform spielt auch Crowdfunding eine wichtige Rolle. Unabhängig von Banken kann so Geld direkt von der Zielgruppe generiert werden, was gleichzeitig oftmals eine gewisse Absatzsicherheit verspricht.

Austausch und Kooperationen

Die Bedeutung des Austauschs von Wissen wird von vielen Gründern zunächst unterschätzt. Obwohl die einzelnen Geschäftsideen sehr unterschiedlich sind, kann in vielen Bereichen von den Erfahrungen anderer profitiert werden. Auch wenn die Arbeitsprozesse meist eigenen Regeln folgen und sehr individuell sein können, sind Themen vor allem im betriebswirtschaftlichen Bereich oder zu Rechtsfragen durchaus vergleichbar.

Neben den offiziellen Anlaufstellen und Austauschplattformen kann in manchen Fällen auch die Zusammenarbeit mit einem bereits etablierten Unternehmen für die notwendige Starthilfe sorgen.
Innovative Geschäftsideen oder Dienstleistungen können oftmals auch für Firmen neue interessante Geschäftsfelder eröffnen. Auch hier bieten sich verschiedene Formen der Kooperation an. Dabei zahlt sich vor allem die direkte Unterstützung, die hohe Expertise und das bereits bestehende Netzwerk des Partners aus.  

Trends für die Zukunft

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Startup Szene spielt zunehmend eine wichtige Rolle als Wirtschafts- und Jobmotor in Hamburg. Neben dem Standort als bedeutender internationaler Handelsplatz mit der langen Tradition des Hafens, ist die Vielfalt, welche die unterschiedlichen neuen Unternehmen mit sich bringen ein wichtiger Faktor für die lokale Ökonomie.

Vor allem im Bereich Medien und IT konnten zahlreiche Neugründungen für frischen Wind sorgen und haben Hamburg inzwischen zu einem der wichtigsten Content-Standorte Europas gemacht. Ein eigener Startup Monitor nur für die Hansestadt beleuchtet dabei die Entwicklungen auf diesem Gebiet.  

Inzwischen gehört der Dienstleistungssektor mit rund 96.000 Unternehmen zu den branchenstärksten in der Hamburger Wirtschaft. Auch für den Beschäftigungsmarkt sind die neuen und innovativen Unternehmen wichtig. Rund 70 Prozent der für den Monitor befragten Startups gaben an, in den nächsten Monaten weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen. Die meisten Beschäftigten finden sich hier im Bereich Commerce, Fintech und Media.  

Entwicklung der einzelnen Branchen

Einige Startups aus dem Bereich Gaming und Software haben in den letzten Jahren einen traumhaften Start hingelegt. Zahlreiche neue Arbeitsplätze konnten geschaffen werden. Das Spieleunternehmen "InnoGames" konnte dabei von der positiven Entwicklung im Bereich der Mobile Games profitieren. Andere Unternehmen wie "Bigpoint" oder die "Goodgame Studios" haben dagegen wieder Rückschläge einstecken müssen. Sie waren zuletzt durch notwendige Massenentlassungen in die Presse geraten.
Die Startups im Bereich e-Commerce hingegen profitieren in der Hansestadt durch das etablierte Netzwerk des internationalen Handels. Für sie ist auch in Zukunft mit einem soliden Wachstum zu rechnen.

Den Vorreiterstatus als wichtiger Standort für finanztechnische Startups musste die Hansestadt zuletzt an Frankfurt abgeben. Lange Zeit fand in Hamburg eine der wichtigsten Fintech-Konferenzen in Europa statt. Inzwischen ist diese Veranstaltung an den Main gewandert. Auch ohne das Attribut "Finanzmetropole" schlägt sich die Hansestadt jedoch recht gut in diesem Bereich und hat auch hier schon einige erfolgreiche Unternehmen hervorgebracht.

Unter anderem überzeugte "Gini" als Softwaredienstleister für Banken die Jury und wurde als Fintech Startup des Jahres 2015 gekürt. Auch vielversprechende Firmen wie „Number26“, die eine Banking-App entwickelten oder das Portal "fairr.de", eine Onlineplattform zur Rentenplanung, wurden in Hamburg gegründet.  

Was sich zudem positiv auf die Entwicklung der Neugründungen auswirkt ist die umfangreiche Infrastruktur im Bereich Forschung und Bildung in Hamburg. Rund 112.000 Studierende und zahlreiche Forschungseinrichtungen repräsentieren die Stadt als wichtiges Wissenszentrum. Diese hohe Zahl an Fachkräften bietet auch Vorteile für die Startups. Das Suchen nach gut ausgebildeten Mitarbeitern stellt für viele Gründer neben der Organisation von Kapital die größte Herausforderung dar.  

Hamburgs Clusterpolitik

Inzwischen hat die Politik Hamburgs auf die veränderten Anforderungen der Wirtschaft reagiert und versucht mit der  gezielten Förderung verschiedener Cluster die neuen Branchenschwerpunkte zu unterstützen und voranzubringen. Dabei möchte die Stadt und der Senat aktiv auf die jeweiligen Beteiligten zugehen und konsequent den Strukturwandel in den Bereichen stärken, der in Zukunft Wachstum verspricht.

Im Gegensatz zur eher passiven, traditionellen Wirtschaftspolitik übernimmt die öffentliche Hand dabei eine aktive Rolle und ist an Planung, Organisation und Durchführung der verschiedensten Punkte direkt beteiligt:

  • Entwicklung von Zukunftsstrategien in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Akteuren
  • Förderung des Wissensaustauschs durch eigene Veranstaltungen und zusätzliches Raumangebot
  • Veranlassung von richtungsentscheidenden Maßnahmen zur Stärkung des Standorts

Insgesamt soll vor allem die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Wissenschaft, aber auch der Zivilgesellschaft verbessert werden. Dadurch erhoffen sich die Akteure nicht nur ein größeres Wirtschaftswachstum, sondern auch eine Stärkung der Innovationsfähigkeit und Steigerung der Attraktivität der Stadt als innovatives Zentrum. So sollen auch in Zukunft noch mehr interessante Anreize für Fachkräfte und Talente entstehen.

Dabei fungiert die Hansestadt gleichzeitig als Modellregion für zukunftsorientierte Clusterpolitik in der EU. Die systematische Weiterentwicklung der lokalen Wirtschaft wird dabei durch das European Cluster Observatory unterstützt.

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