Elektroaltgeräte mehr und besser recyceln

Recycling

Elektroaltgeräte mehr und besser recyceln, © G2 Projekt/Eva Häberle

Elektroaltgeräte mehr und besser recyceln, © G2 Projekt/Eva Häberle

Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) untersucht im Rahmen eines EU-weiten Forschungsprojektes die Perspektiven eines Ausbaus der Sammlung von Elektro(alt)geräten sowie Steigerung der Weiterverwendungsrate und Optimierung des stofflichen Recyclings. Das EU-Projekt läuft bis zum 30. August 2020 und hat ein Volumen von über 11 Mio. Euro.

Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 1,7 Mio. Tonnen an Elektrogeräten verkauft, jedoch nur ca. 0,7 Mio. Tonnen werden als Altgeräte wieder zurückgenommen und nur ca. 0,6 Mio. Tonnen der Altgeräte gehen in ein geordnetes Recycling. In Hamburg befinden sich je Einwohner und Jahr ca. 2 kg Elektroaltgeräte im Restmüll und gehen so mit dem Restmüll zur thermischen Verwertung in die Müllverbrennungsanlagen.

Die Richtlinie 2012/19/EU – WEEE2 des europäischen Parlaments und des Rates über Elektro- und Elektronik-Altgeräte schreibt vor, dass die Sammelquote für Elektroaltgeräte ab 2019 auf mindestens 65 Prozent des Durchschnittsgewichts der Elektro- und Elektronikgeräte, die in den drei Vorjahren im betreffenden Mitgliedstaat in Verkehr gebracht wurden zu steigern ist. Aktuell – und dies bereits seit Jahren – liegt dieser Wert bei ca. 45 Prozent. Das Erreichen der geforderten Mindestsammelquote ab 2019 ist daher ein äußerst ambitioniertes Ziel, welches in Europa zurzeit allenfalls von den Schweden erreicht wird. In allen anderen Ländern besteht hier dringender Handlungsbedarf.

Die EU fördert daher im Rahmen des Forschungs- und Innovationspro-grammes HORIZON 2020 (No. 689157) das Projekt FORCE um Wege zu erarbeiten, die Sammelquoten deutlich zu steigern und die stoffliche Nutzung zu optimieren. So sollen intakte Geräte länger genutzt und ggf. weiterverkauft werden, Geräte mit kleinen Fehlern repariert und defekte Geräte hochwertig verwertet werden.

Unter Leitung der Stadtreinigung Hamburg arbeiten die Hamburger Partner HafenCity-Universität, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Aurubis-AG, Consist ITU Environmental Software GmbH und Senatskanzlei Hamburg daran, die Kreislaufwirtschaft zu fördern, Elektrogeräte länger zu nutzen, Elektroaltgeräte wesentlich umfassender zu erfassen und dann höherwertiger zu verwerten, Nichteisen-Metalle (z. B. Kupfer, Zink, Blei, Aluminium, Silber, Gold, Palladium) weitestgehend zurück zu gewinnen und für strategische Metalle (z. B. Lithium, Kobalt, Indium, Neodym u. a.) Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Rückgewinnung aufzuzeigen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes sind folgende Teilprojekte in Hamburg geplant oder bereits realisiert:

  • Erstellung eines Portals, über welches für zahlreiche Elektrogeräte erkannt werden kann, ob dieser Gerätetyp als Gebrauchtgerät gehandelt wird und welche Preise dabei erzielt werden. Ferner werden Informationen zur Möglichkeit der Reparatur in Repair-Cafes oder Elektrowerkstätten mit konkreten Adressen und Ter-minen gegeben. Ebenso werden Abgabestellen für intakte Geräte für den Weiterverkauf oder die Entsorgung von defekten Geräten genannt (geplant).
  • Eröffnung eines Second-Hand-Marktes des SRH-Gebrauchtwarenkaufhauses Stilbruch mit dem Schwerpunkt auf Elektrogeräte im November 2017 in den Harburg-Arcaden (realisiert).
  • Kooperation mit Repair-Cafes in Hamburg (geplant).
  • Versuch zur manuelle Zerlegung von ca. 5.000 Elektrokleingeräten, um deren Gehalte an wertgebenden Inhaltsstoffen in Abhängigkeit von der Geräteart zu ermitteln (läuft zurzeit).

In den Städten Kopenhagen, Genua und Lissabon laufen ebenfalls kleinere Projekte zum gleichen Thema, wobei alle vier Städte dazu in engen Kontakt stehen und voneinander lernen sollen.

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