Legal, illegal ... Was ist heute eigentlich noch erlaubt?

Gesundheit & Lebenshilfe

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Obschon Politiker aller Parteien es immer wieder beteuern, ist es mit der persönlichen Freiheit in Deutschland nicht mehr weit her: Schon die meisten Demos enden in Gewalt, weil wir, auch durch die Macht der Gesetze, unfähig geworden sind, andere Ansichten zu akzeptieren. fotolia.com © Sven Grundmann

Samstags auf St. Pauli mit einer Astra-Knolle herumlaufen? Verboten. Auf der Reeperbahn ein Pfefferspray zum Selbstschutz in der Handtasche? Verboten. Am heimischen Rechner in Altona online pokern? Verboten. Drei bedenkliche Beispiele: Fast könnte man glauben, dass wir in einer Zeit leben, in der gesunder Menschenverstand abgeschafft und – nicht nur in Hamburg – durch schnell entstandene Gesetze ersetzt wird. Dahinter stecken zwar hehre Ziele, doch die Folgen sind dramatisch, denn sie machen selbstständige Menschen zu staatlich entmündigten Kindern im Erwachsenenalter. Über die Hintergründe kann man viel diskutieren – den Anstoß dazu will der folgende Artikel geben. 

Von Ge- und Verboten

Sie glauben nicht, dass viele Verbote existieren? Dann lesen sie die nachfolgenden Punkte durch.

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Hamburg – ein Mini-Nannystate?

Das Glasflaschenverbot

Seit 2009 ist es an Wochenenden sowie vor und an Feiertagen zwischen 22.00 und 6.00 Uhr rund um die Reeperbahn verboten, gläserne Getränkebehältnisse mit sich zu führen. Die Stadt selbst sagt, dass dies aus Sicherheitsgründen geschähe – dass man aber statt mit Glasflaschen auch mit anderen Haushaltsgegenständen und notfalls Pflastersteinen auf sein Gegenüber losgehen kann, wird jeder Hamburger Streifenpolizist bestätigen.

Das Waffenverbot auf der Reeperbahn

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Glasflaschen- und Waffenverbote sollen St.Pauli sicherer machen, helfen aber in der Praxis nicht wirklich, denn das Problem sitzt tiefer als Waffen und Gegenstände, die dazu gemacht werden. fotolia.com © Ralf Gosch

Im gleichen Gebiet gilt zudem ein striktes Waffenverbot: Schusswaffen, Messer, Pfeffersprays usw. dürfen nicht mitgeführt werden. Bloß gilt sowieso in Deutschland:

  • Schusswaffen dürfen nur mit einem Waffenschein geführt werden – von 82 Millionen Bundesbürgern haben den nur einige hundert, darunter viele Politiker.
  • Einhändig zu öffnende Klappmesser sowie feststehende Klingen länger als 12cm dürfen nur bei „berechtigtem Interesse“ geführt werden, etwa der Arbeit oder der Brauchtumspflege – Selbstverteidigung gehört nicht dazu.
  • Butterflymesser, Schlagringe und andere Gegenstände, die das Hamburger Gesetz erfasst, sind sowieso "Verbotene Gegenstände" die Privatleute nicht besitzen dürfen.

Dass das Gesetz meist nur arglose Leute gängelt, beweisen ebenfalls die Medien: Den seit langem bestehenden "Rockerkrieg" konnte es beispielsweise nicht beenden.

Das Ding mit den Kaffee-Kapseln

Kaffee-Kapseln verbindet Otto Normalverbraucher mit dem Lächeln eines George Clooney. Dass diese aufgrund ihres Verhältnisses "Kaffeemenge zu Preis" sowieso fürchterlich teuer sind, sei dahingestellt. Doch geht es nicht ohne Verbote: Der Senat beschloss jüngst, dass Kapseln nicht mehr auf Staatskosten beschafft werden. Hintergrund ist – wie oft – Umweltschutz. Ehrlicher wäre es gewesen, hätte der Senat gesagt: "Die Teile sind uns einfach zu teuer" – denn weil die Kapseln aus Aluminium bestehen, werden sie beim Recyceln ausgesondert und landen nicht einfach auf der Deponie.

Hohe Wellen: Das Diesel-Verbot

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Der Hamburger Verkehr ist „legendär“. Ob aber Fahrverbote für Diesel, immerhin 33% aller hiesigen Fahrzeuge, Tendenz steigend, etwas ändert, darf bezweifelt werden. fotolia.com © Ralf Gosch

Jens Kerstan ist grüner Umweltsenator von Hamburg. In dieser Eigenschaft stieß er lautstark ins Sommerloch-Horn, als er forderte, dass es Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geben sollte. Genau, die Motoren, die mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen in Hamburg ausmachen.

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Ein Spiegel des ganzen Landes?

Das Glühbirnenverbot

2009 trat die erste Stufe des EU-Glühlampenverbots in Kraft. Sukzessive wurden immer mehr Glühbirnen verboten und durch Energiesparlampen ersetzt. Einen Ausweg gab es jedoch: „Robuste Glühlampen“ – normale Glühbirnen nur mit dickerem Glas und stabiler, damit sie in Werkstätten usw. eingesetzt werden konnten. Doch auch dieses Schlupfloch wurde nun geschlossen.

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Online-Glücksspiel

Ein echtes "Husarenstück" deutscher Gesetzes-Stümperei betrifft alle Freunde von Karten und Würfeln: Hierzulande hat Vater Staat die Oberaufsicht über das Glückspiel – und nimmt eine Menge Geld damit ein. Doch was in der analogen Welt noch passabel funktioniert, nimmt im digitalen Bereich komplizierte bis bizarre Züge an:

  • 2008 trat der "Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland" in Kraft. Er verbot jede Art von nichtstaatlichem Online-Glücksspiel und auch Sportwetten
  • 2010 entschied der europäische Gerichtshof: Das ist gegen die Dienstleistungsfreiheit
  • 2011 beschlossen die Bundesländer, den Staatsvertrag nicht zu verlängern, er bleibt jedoch gültig, bis ein neuer verabschiedet wird
  • Im gleichen Jahr verteilte Schleswig-Holstein Lizenzen für Online-Glücksspiel-Anbieter
  • 2012 wurde der Staatsvertrag geändert, das Verbot blieb bestehen, 20 Firmen sollten Lizenzen bekommen, es folgten Klagewellen der leer ausgegangenen Betreiber
  • 2013 trat auch SH dem Staatsvertrag bei, kündigte bestehende Lizenzen aber nicht.
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Online-Poker: Für Schleswig-Holsteiner auf im Land lizensierten Seiten erlaubt – für alle anderen Bundesbürger bestenfalls rechtliche Grauzone. fotolia.com © elenabl

Das bisherige Ende könnte skurriler nicht sein: Wer in SH lebt und von dort aus Roulette bei einem der 23 lizensierten Online-Casinos spielt, tut das legal – wer aus Hamburg oder einem anderen Bundesland darauf zugreift, bewegt sich hingegen in einer rechtlichen Grauzone, denn in Berlin glaubt man immer noch, dass das Web sich an Grenzen halten würde.

Diskussion um das Burka-Verbot

Kann ein verschleiertes Gesicht eine Gesellschaft bedrohen? Glaubt man den sommerlichen Diskussionen des Jahres 2016, ist dies wohl der Fall. Doch ganz gleich, wo man sich politisch verortet, muss eines realisiert werden: Es wäre unlogisch, eine islamisch bedingte Vollverschleierung zu verbieten, auf der anderen Seite aber nichtreligiöse Vermummungen zu erlauben – wer sich bei einer winterlichen Elbe-Bootstour eine Skimaske anzieht, ist ebenso vermummt wie eine Nikab-Trägerin.

Das Rauchverbot

Einen ebenfalls stark diskutierten Freiheits-Eingriff stellt das Rauchverbot dar. Was wiegt schwerer: Freiheit der Raucher oder das Recht auf saubere Luft? Doch auch hier geht die Debatte vollkommen an der Realität vorbei: In Hamburg ist es in vielen Restaurants zu später Stunde Usus, einfach die verbliebenen Gäste zu fragen, ob sie Rauchen stören würde – und bei Verneinen "Feuer frei" zu erlauben.

Verbote können nämlich nur dann effektiv sein, wenn man ausreichend Überwacher hat – die besitzt aber weder Hamburg noch ein anderes Bundesland. Zum Glück, möchte man sagen, denn würden alle Brüsseler und Berliner Auswüchse konsequent überwacht, befänden wir uns in einem Polizeistaat.

Was soll das alles?

Natürlich hat jedes Ver- und Gebot einen rationalen Hintergrund. Bloß erschließt sich der in vielen Fällen nicht. Auch weil die Gesetze schwammig und selten logisch sind.

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Der heilige Gral namens Sicherheit

Terrorabwehr

Mit dem Kampf gegen Terrorismus lässt sich beinahe alles begründen, etwa die Durchleuchtung am Flughafen und selbst die Dauerüberwachung des Internets. Das vielleicht Traurigste daran: Viele argumentieren à la "Ich habe ja nichts zu verbergen".

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Terrorabwehr, Sicherheit, Volkswohl: Mit diesen Ausreden lässt sich jede Freiheit beschneiden. Und ganz Naive jubeln noch, weil sie ja nichts zu verbergen haben. fotolia.com © Photorelease Stgt

Zum Wohle des Volkes

Gleichheit, Abbau von Diskriminierung: Viele Verbote zielen darauf, es jedem Recht zu machen. Dass es jedoch selbst in der kleinsten Gruppe nicht möglich ist, auf einen Nenner zu kommen, der niemanden benachteiligt, ignorieren die Verbotsbefürworter.

Öffentliche Sicherheit

Kann man Menschen in Watte packen? Genau das scheinen viele Gesetzesvorlagen zu glauben. Denn die öffentliche Sicherheit, als Verwandter der Terrorabwehr, ist ebenfalls eine gute Ausrede, um Freiheiten zu beschneiden. Dabei ist der Begriff nebulös, ohne klare Definition – weshalb er auch als unbestimmter Rechtsbegriff gilt, dessen Auslegung Richtern obliegt und deshalb bei Urteilen oft von anderen Richtern kassiert wird.

Für Mutter Natur

Klimaschutz

Unser Klima befindet sich in der Zwickmühle – zweifellos. Aber rechtfertigt das in einer Industrienation Pläne, wie die, ab 2030 den Verkauf von Diesel- und Benzinmotoren zu verbieten, ohne dass es bislang eine tragfähige Alternative gäbe? Zumal anderswo munter weiterhin das Klima demoliert wird.

Nachhaltigkeit

Auch Nachhaltigkeit ist etwas, das auf den ersten Blick lobenswert wirkt: Das Ausnutzen der Sonnenenergie etwa, um Strom zu erzeugen oder Elektrofahrzeuge zu betreiben. Einen ganz anderen Touch bekommt Nachhaltigkeit jedoch, wenn man erkennt, dass die Herstellung von Solarplatten so richtig umweltschädlich, weil dafür seltene Erden benötigt werden. Gleiches gilt bei Batterien der E-Autos. Bloß: Die werden weit weg produziert.

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Schutz der Menschen vor sich selbst

Körperliche Gesundheit

Jeder will gesund sein und bleiben. Klar, dass da Gesetze gerne gesehen sind. Allerdings stellt sich hier die Frage: Wie weit darf sich ein Staat in die Privatangelegenheiten seiner Bürger einmischen?

  • Ist es okay, Skifahren mit seinem hohen Verletzungsrisiko zu erlauben, auf Sylt aber Sandburgenbauen unter anderem wegen des Verletzungsrisikos zu verbieten?
  • Ist es logisch, zu erlauben, Hühnchen zu verspeisen, die mit allen möglichen Medikamenten gemästet wurden, aber Tiere, die stattdessen bei der Verarbeitung mit Chlor ausgewaschen wurden, zu verbieten?
  • Wo liegt der Sinn darin, die Ausstrahlung des einen Kampfsports (Mixed Martial Arts) im TV zu verbieten, während ein anderer (Schwergewichtsboxen) mit dem gleichen "Gewaltpotenzial" zur besten Sendezeit läuft?

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch sie wird immer nur zeigen: kein Gesetz ist vollkommen und selten logisch.

Kinder- und Jugendschutz

Natürlich bedürfen Kinder und Jugendliche besonderen Schutzes – dass Wirte an 16jährige keinen Schnaps ausschenken dürfen, ist unbestritten logisch. Worin aber der Sinn besteht, Filme auch für Erwachsene zu verbieten, bleibt Geheimnis der Gesetzgeber – wie übrigens auch die Praxis, den Film "Blau ist eine warme Farbe", der äußerst offenherzige Sexszenen unter Minderjährigen enthält, auf den Öffentlich-Rechtlichen laufen zu lassen,  während weniger "cineastisch anspruchsvolle" Filme mit sexuellem Inhalt dem Jugendschutz-Bannhammer unterliegen.

Suchtprävention

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Millionen fließen alljährlich in den Kampf gegen die Drogen. Gebracht hat es wenig, Junkies gehören in manchen Teilen Hamburgs zum Straßenbild und Drogen kann man an praktisch jeder Ecke erstehen. fotolia.com © fotomaximum

Viele haben ein hohes Suchtpotenzial. Der Staat greift ein, zwingt Lottowerbung zu Einblendungen wie "Glücksspiel kann süchtig machen" und spielt gedanklich mit Altersgrenzen für Energy-Drinks. Volksdroge Nummer eins, Alkohol, bleibt aber frei verkäuflich und bei harten Drogen wie Heroin besteht zwar ein Verbot, gleichsam richtet Papa Staat aber auch Fixerstuben ein.  

Letztgenannter Punkt greift schon einen weiteren vorweg: Verbote sind meist eine Ohnmachtshandlung, die nie hundertprozentig kontrolliert werden können.

Angemessene Behandlung mündiger Erwachsener?

Vor allem aber stellt sich die Frage: Mit welchem Recht greift ein Staat so tief in die Persönlichkeit seiner Bürger ein? Immerhin sprechen wir hier von Menschen, die ihm reif genug erscheinen, um Steuern zu zahlen, im Kriegsfall eingezogen zu werden und letztlich auch zu wählen.

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Warum Verbote eine Ohnmachtshandlung sind

Verbrecher gab und gibt es immer

Europa ist voller strenger Waffengebote, insbesondere was Schusswaffen anbelangt. Sie alle konnten nicht verhindern, dass

  • am 13.11.2015 in Paris 130 Menschen mit Sturmgewehren und Sprengsätzen getötet wurden
  • am 14.7.2016 86 Personen durch Schüsse und einen amokfahrenden LKW ermordet wurden
  • zwischen 2000 und 2006 neun Menschen durch einen "Nationalsozialistischen Untergrund" exekutiert wurden
  • am 30.9.2016 die Polizei nur durch Zufall ein Auto voller Waffen und Bombenbau-Materialien anhielt

Gesetze sollten solche Taten vermeiden – hämischer Weise berauben sie nur Bürger jeglicher Selbstschutz-Maßnahmen. Verbrechen wird es immer geben – die grundlegendste Natur Krimineller ist es, sich nicht an Gesetze zu halten, daran wird kein Verbot etwas ändern.

Kein Gesetz ist allmächtig

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Bei Waffen werden immer die USA als Negativbeispiel angeführt – dabei haben andere Länder ähnlich liberale Gesetze und keinerlei Probleme damit – auch Deutschland hat 6 Millionen private Legalwaffen. Schon das zeigt: Es sind nicht die Gesetzestreuen, die mit Waffen Ärger machen. fotolia.com © Marcel Schauer

Natürlich ist es illegal, Steine auf Polizisten zu werfen – trotzdem geschieht es an jedem ersten Mai. Auf St. Pauli gibt es trotz Waffenverbot noch Leute, die Messer und Co. tragen. Gesetze können nur rechtliches Gerüst sein, in der Praxis verhindern sie viel zu oft gar nichts: Wo Schusswaffen verboten sind, werde eben Küchenmesser zur Tatwaffe – oder der Hammer – oder Schreibtischlampen.

Die Polizei ist nicht überall

Schon die Hamburger Polizei ist gnadenlos unterbesetzt – Sparmaßnahmen sei Dank. Ähnlich sieht es im Rest Deutschlands aus. Bei vielen Straftaten bleibt Cops heute nur noch Aufklärung. Präventionsmaßnahmen wie Streifen sind immer seltener möglich und bestenfalls Verlegenheitslösungen.

Der Privatmann, der jedoch nachts erwacht, weil ihm ein Einbrecher ein Messer an den Hals hält, braucht sofort Hilfe. Die Kassiererin, von der bewaffnete Räuber die Tageseinnahmen fordern, kann ebenso wenig auf die Polizei warten, wie ein Geldbote, der ausgeraubt wird – bloß darf letzterer eine Waffe führen. Kassiererin und Privatmann werden zum Opfer degradiert, das bestenfalls noch lebt, wenn die Streife nach Minuten eintrifft.

Warum ausufernde Verbote unmoralisch sind

Vernünftige Menschen brauchen keine Bemutterung

Doch weg von Gewalt und Selbstverteidigung benötigen erwachsene Menschen schlicht niemanden, der ihnen vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben:

  • Kein Erwachsener muss vor der langen Liste an (Trash-) Streifen geschützt werden, die hierzulande beschlagnahmt sind.
  • Keinen Staat hat es zu interessieren, was Ü-18-jährige einvernehmlich in ihren Privaträumen treiben.
  • Kein mündiger Bürger braucht einen Staat, der reguliert, wie viel Zucker in seinen Getränken sein darf.

Auch wenn viele es kaum glauben: Die meisten Menschen sind vernünftige Zeitgenossen, die nicht  durchdrehen, sobald es ihnen ein Gesetz nicht verbietet. Das lässt sich in weniger rigorosen Ländern täglich beobachten.

Lasst die Menschen selbst handeln

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Solange ein erwachsener Mensch nur sich selbst schadet, sollte es den Staat eigentlich nicht interessieren, was er da tut. fotolia.com © ShutterDivision

Politiker aller Parteien nehmen gerne das Wort Freiheit in den Mund – dann lasst uns auch bitte frei agieren. Wer online pokern will, sollte das tun können. Wer in ein Szeneviertel zieht, dem muss klar sein, dass er an Wochenenden Partygänger-Lärm ertragen muss. Wer sich zuhause eine "Tüte" anstecken und dabei Bob Marley laut auf dem mp3-Player genießen will, braucht keinen Staat, der ihm nicht nur sein Gras, sondern auch die maximale Lautstärke der die maximale Lautstärke der Ohrknöpfe vorschreibt – er ist erwachsen, er hat das Recht, high zu werden und sich die Ohren zu demolieren.

Freiheit lässt sich nicht in Luftpolsterfolie packen

Außerdem muss klar sein: Es ist nicht möglich, freiheitlich-selbstbestimmt und gleichzeitig behütet zu leben – das sind absolute Gegensätze. Heutzutage kämen keine Eltern auf den Gedanken, wilhelminisch-autoritäre Erziehung anzuwenden – gleichzeitig erwarten jedoch viele, dass der Staat genau das tut: Mit harter Hand exakte Richtlinien für jede Lebenslage vorgeben.

Warum Verbote ein falsches Signal sind

Es war einmal ein Veggie-Day ...

So mancher Leser erinnert sich noch an den Shitstorm veritablen Ausmaßes, nachdem die Grünen 2013 forderten, dass es in deutschen Kantinen zwingend einen vegetarischen Tag pro Woche geben sollte  – in Bremen hatte der rotgrüne Senat schließlich einen solchen bereits 2010 eingeführt.

Sehr viele Menschen fragten (und fragen sich): Mit welcher Chuzpe glaubt eine Gruppe weniger so vielen vorschreiben zu können, was sie zu essen haben? Dabei geht es nicht um die unstrittigen Vorteile verringerten Fleischkonsums, sondern um die Dreistigkeit, dies zur Pflicht zu erküren. Was Deutschland von der Idee hielte, zeigte sich bei der darauffolgenden Bundestagswahl: Die Grünen wurden mit nur 8,4 % Stimmen kleinste Fraktion.

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Vollständiger Schutz vor Terror ist eine Illusion – Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, bloß die Abschaffung der meisten Freiheiten – welche Terroristen sowieso an uns hassen. fotolia.com © railwayfx

Ein faules Gefühl von Sicherheit

Daneben sorgen Ge- und Verbote auch für ein trügerisches Sicherheitsgefühl: Sicherlich dachten die Opfer der NSU-Faschisten nicht, dass irgendwann Killer in ihre Geschäfte kämen – schließlich sind Waffen ja streng reglementiert. Auch die zwei Beamten in einer Leipziger Polizeistation erwarteten sicher nicht, dass ihr Posten mal von 50 Vermummten mit Molotowcocktails angegriffen würde.

Doch: Je mehr Gesetze, desto mehr Menschen glauben unterschwellig, dass diese Sicherheit brächten – und gehen mitunter Risiken ein, die viele sich an den Kopf greifen lassen

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Wie man seine Bürger unselbstständig macht

Dieser letzte Satz zeigt die Verheerung: Je mehr Gesetze er beschließt, desto mehr Unselbstständigkeit produziert ein Staat. Kinder werden elterlich behütet und ab dem 18. Geburtstag vollständig von Vater Staat mit seinen Regularien weiter "beschützt".

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Mode – der ungeschriebene Zwang, sich anzupassen. Ein gutes Beispiel dafür, dass unsere Gesellschaft sich auch dort unterwirft, wo keine Gesetze greifen. fotolia.com © kichigin19

Da verwundert es nicht, dass manche die verbliebenen Freiheiten hemmungslos ausnutzen und so dafür sorgen, dass solche Lücken auch bald geschlossen werden. Das Problem dabei ist: Selbst dort, wo kein Gesetz reguliert, sorgen der mittlerweile allgegenwärtiger "Kadavergehorsam" und öffentlicher Druck dafür, dass Menschen auf Linie gebracht werden:

  • Entscheiden sich Frauen dafür, nur Mutter und Hausfrau zu sein, wirft man ihnen Rückständigkeit vor, machen sie hingegen Karriere, sind sie ruck-zuck "karrieregeile Zicken"
  • Lebt jemand nicht nach den Trends, hat er schnell das Stigma des Aussteigers, des Eigenbrötlers, des Unangepassten
  • Wollen Paare keine typischen "Helikoptereltern" sein, sehen sie sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, nicht für ihr Kind da zu sein.

Je unselbstständiger ein Staat seine Bürger macht, desto weniger können diese die Freiheiten oder Einstellungen anderer akzeptieren. Man durchforste das Leserforum unter einem beliebigen Online-Zeitungsartikel. Es wird verwundern, wie viele dort nach noch mehr Verboten rufen.

Verbote befeuern nur Widerstand

Gleichsam macht es sich die Politik auch selbst schwer in ihrer Alternativlosigkeit: Ein brandaktuelles Beispiel ist die Diskussion um Hassrede, neudeutsch Hatespeech. Einige Institutionen widmen sich, mit mehr oder weniger staatlicher Unterstützung, dem Ziel, Hassrede entgegenzustehen. Soweit vollkommen in Ordnung. Doch auch die vielfältige Kritik ist ist verständlich: Schließlich gibt es  bereits etliche Paragraphen, die sich mit Volksverhetzung, Beleidigung usw. befassen – alles was diese Straftatbestände nicht berührt, sollte demnach von der (grundgesetzlich verbrieften) Meinungsfreiheit abgedeckt sein.

Gegen extremistische Aussagen, Taten und Meinungen gibt es vielfältige, effektive Gesetze. Was der Sache aber ganz und gar nicht hilft, ist, Ansichten unterhalb dieser Schwelle als Hass zu diffamieren und damit Meinungsverbote zu etablieren. fotolia.com © Gina Sanders

Die Organisationen argumentieren jedoch, dass Hass unterhalb dieser Grenze existiere – und wecken damit "schlafende Hunde", die – nicht zu Unrecht einen Angriff auf die Meinungsfreiheit sehen. Unter anderem, weil jeder unter "Hass" etwas anderes versteht und eine der größten Anti-Hatespeech-Organisationen ausgerechnet von einer ehemaligen inoffiziellen Stasi-Mitarbeiterin geleitet wird.

Die Folge: Diskussionskultur verroht, es werden Menschen zu Gegnern, die vorher keine waren. Die Argumente der Bekloppten könnten von einer wirklich freien Öffentlichkeit auch ohne staatliches Zutun entkräftet werden – bloß hat sich der Staat diese Möglichkeit verbaut. Es gibt nur noch "entweder" "oder".

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Zusammenfassung und Fazit

Nicht nur in Hamburg ufert die staatliche Bevormundung aus. Dabei ist es nicht nur moralisch verwerflich, freie Bürger wie Kinder mit tausenden Verboten einzuengen, sondern es zeigt sich auch immer wieder, dass diese wenig bis nichts bringen. Echte Freiheit hingegen erzeugt automatisch Selbstregulierungskräfte – und Freiheit ist nicht nur der Mangel von Verboten, sondern bedarf auch eigener Vernunft. Einer Vernunft, die viele aber ob der deutschen Regelungswut gar nicht mehr besitzen.

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