Europäischer Zahlungsverkehr wird auf SEPA umgestellt

Beratung

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 22.07.2013)

Im Februar 2014 wird das deutsche Datenträgeraustausch-Verfahren (DTA) abgeschaltet. Der Zahlungsverkehr über die Single Euro Payments Area (SEPA) wird dann für alle Teilnehmer am Zahlungsverkehr sowohl für Überweisungen als auch für Lastschriften verpflichtend. Das hat Konsequenzen für Banken, Unternehmen und Verbraucher.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Kontonummer und Bankleitzahl werden durch die internationale Kundenkennung IBAN/BIC ersetzt,
  • der Bankeinzug muss durch ein Fälligkeitsdatum angekündigt werden,
  • Nutzer müssen sich durch eine Mandatsreferenz eindeutig identifizieren.

Bisher bestand in jedem Land ein nationales Zahlungsverkehrssystem, was Rechtsnormen und Interbankenvereinbarungen, technische und organisatorische Standards wie Überweisungsformulare und Bankleitzahlensysteme sowie Clearingstellen und  Softwarelösungen umfasste. Parallel hierzu wurden internationale Zahlungsverkehrsformate (z. B. SWIFT) eingestzt, die Zahlungen ins Ausland regelten, aber wesentlich teurer als die Inlandszahlungen waren und auch eine hohe Fehlerquote bei Auslandszahlungen hatten. 

Mit dem Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, auf Englisch Single Euro Payments Area (SEPA), werden die nationalen Zahlungsverkehssysteme durch den europaweit einheitliche Zahlungsraums für Transaktionen in Euro abgelöst. Mit SEPA werden bargeldlose Zahlungen innerhalb der Teilnehmerländer so standardisiert, dass es für die Bankkunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen gibt.

Vorteile von SEPA

  • erleichtert den Zahlungsverkehr zwischen den teilnehmenden Ländern
  • schafft den Float (zeitliche Differenz zwischen dem Gutschriftszeitpunkt beim Zahlungsempfänger und dem Belastungszeitpunkt beim Zahlungspflichtigen bei Lastschriften) ab und beschränkt den Float bei Überweisungen auf einen Tag, bereits seit 2012 
  • ersetzt bestehende Einzellösungen z. B. für grenzüberschreitende Lastschriften durch Standards
  • reduziert die Vielfalt der Datenformate und vermeidet den Datenverlust durch Konvertierung
  • schafft einen gemeinsamen Rechtsrahmen für die Zahlungsverkehrstransaktionen in Europa
  • fördert die Entwicklung gemeinsamer Standards, Prozesse, Datenformate und Softwarelösungen
  • führt zur Ablösung der nationalen Zahlungsverkehrssysteme.

Insbesondere der letzte Punkt ist wesentlich, da das parallele Bestehen nationaler und EU-weiter Zahlungsverkehrssysteme zu höheren Kosten führt und die Durchsetzung der EU-Normen verlangsamen oder verhindern würde.

SEPA-Überweisung für private Bankkunden

Privatkunden können jedoch bis zum 31. Januar 2016 bei inländischen Zahlungen weiterhin die Kontonummer und Bankleitzahl des Empfängers verwenden. Die Banken werden diese Angaben automatisch in IBAN (Internationale Bankkontonummer) und BIC (Bank Identifier Code) übertragen. IBAN und BIC zusammen bilden die Daten, die zur Identifizierung eines Kontos im Rahmen von SEPA benötigt werden, um sowohl im nationalen als auch internationalen Zahlungsverkehr einem Empfänger einwandfrei zu identifizieren.

Jeder Bankkunde sollte sicherzustellen, dass seinen Vertragspartnern wie Energieversorger, Versicherung, Sportverein etc. und dem Arbeitgeber die korrekte IBAN (22-stellige internationale Kontonummer) des Girokontos bekannt ist. Die mit den Vertragspartnern geschlossenen Einzugsermächtigungen gelten weiterhin und müssen nicht erneut erteilt werden.

SEPA-Überweisung für Unternehmen

Unternehmen sollten sich rechtzeitig auf Veränderungen ihrer internen Prozesse auf den Zahlungsverkehr vorbereiten. Der Hightech-Verband BITKOM hat daher einen SEPA-Leitfaden mit den wichtigsten Informationen zum neuen Verfahren veröffentlicht. Er ist kostenlos abrufbar unter: www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_SEPA-Leitfaden.pdf.

BITKOM: SEPA-Umstellung geht zu langsam voran

  • Umfrage: Nur jedes dritte Unternehmen nutzt neues Überweisungsformat
  • Vielen droht Zahlungsunfähigkeit ab 1. Februar 2014
  • Jeder zehnte E-Commerce-Händler will Lastschrift abschaffen

Der Countdown für die wichtigste Umstellung seit der Euro-Einführung läuft, doch nur wenige Unternehmen, Behörden und Vereine haben ihn bislang wahrgenommen: Die meisten hinken bei der Umsetzung des Gesetzes zum einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) deutlich hinterher. Erst ein Drittel der Unternehmen nutzt bereits Überweisungen im SEPA-Format. Gut jede fünfte Organisation hat bislang nur vage Vorstellungen von den Folgen des Gesetzes. Rund 30 % planen erst zum Stichtag 1. Februar 2014 die ausschließliche Nutzung der neuen Überweisungsform. Das ergab eine aktuelle "Bestandsaufnahme zur SEPA-Migration in Deutschland" des Forschungsinstituts ibi research an der Universität Regensburg in Kooperation mit dem Hightech-Verband BITKOM. "Die Folgen einer verspäteten Umstellung auf SEPA können existentiell sein, vielen unvorbereiteten Unternehmen droht ab Februar 2014 die Zahlungsunfähigkeit", sagt BITKOM-Experte Steffen von Blumroeder. Jedes vierte (27 %) Unternehmen gab an, im Falle fehlender Lastschrifteingänge innerhalb von 5 Tagen Liquiditätsprobleme zu bekommen.
 
Ab 1. Februar 2014 müssen Überweisungen und Lastschriften durchgängig im neuen SEPA-Format abgewickelt werden. Transaktionen im alten Format dürfen laut EU-Verordnung von den Banken ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ausgeführt werden. Von der Umstellung betroffen sind sämtliche Abteilungen eines Unternehmens, die mit bargeldlosem Zahlungsverkehr zu tun haben: etwa IT, Buchhaltung, Vertrieb, Einkauf oder die Personalabteilung. Die Verantwortung für das SEPA-Projekt sollte die höchste Management-Ebene übernehmen. "Die Umstellung der elektronischen Zahlungsprozesse ist für zahlreiche Unternehmen ähnlich komplex wie das Jahr-2000-Problem oder die Einführung des Euro", sagt Dr. Ernst Stahl, Experte für Elektronische Bezahlsysteme bei ibi research.
 
Durch SEPA ist vor allem die beliebte und preiswerte Lastschrift bei Internet-Käufen in Gefahr. Der Grund ist das so genannte Online-Mandat: Es dient dem Betreiber eines Internet-Shops als Nachweis, bei der Bank seines Kunden Geld abbuchen zu dürfen. Laut Vorgaben der Banken muss ein solches Mandat ab 1. Februar 2014 in einer schriftlichen Form vorliegen. Deutsche Banken haben die SEPA-Anforderungen bislang besonders strikt ausgelegt – das würde einen hohen Mehraufwand für Kunden und Shopbetreiber bedeuten. Laut Studie will daher jeder zehnte Online-Händler die Lastschrift als mögliches Bezahlverfahren in seinem Webshop abschaffen.
 
Der deutsche Gesetzgeber hat die Bankenwirtschaft aufgefordert, weiterhin Lastschriften beim E-Commerce zu ermöglichen. Der SEPA-Rat hat sich dieses Problems angenommen: Bundesbank und Bundesfinanzministerium drängen darauf, Online-Mandate in der bisherigen Form auch zukünftig zu akzeptieren. Von Blumroeder: "Wir appellieren an alle im SEPA-Rat vertretenden Parteien sowie an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, einen reibungslosen Lastschriftverkehr ohne erhöhte Barrieren in der SEPA-Welt zu gewährleisten."
 
Die Studie von ibi research kann unter www.bitkom.org/de/publikationen/38338_77185.aspx abgerufen werden.

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