"Tierisch gute Mode!"

Mode

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 16.03.2019)

Praktizierter Tierschutz und Mode aus Wolle, Seide und Co. schließen sich nicht aus. Mit zertifizierten Produkten können Konsumenten ein klares Zeichen gegen schwarze Schafe in der Bekleidungsbranche setzen und die Vorteile der natürlichen Fasern mit gutem Gewissen genießen.

Wolle ist eine wahre Wohlfühlfaser. Kaum eine andere Faser bietet einen derartigen Mix aus Feinheit, Weichheit und Tragekomfort. Je nach Außentemperatur wärmt oder kühlt sie. Sie ist atmungsaktiv und nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen. Man spricht sogar von einer Klimaanlage für den Körper. Zugleich bindet sie unangenehme Gerüche, ist wasser- und schmutzabweisend. Ein einzigartiger, nachwachsender, biologisch abbaubarer Rohstoff, der schon seit über 5.000 Jahren verwendet wird. Leider allerdings nicht immer nachhaltig und ethisch korrekt, was derzeit verstärkt in Presse und TV berichtet wird.

Inzwischen ist klar, dass es neben ökologischen und sozialen Missständen in der Bekleidungsproduktion auch solche im Umgang mit Tieren gibt. Medien, Tier- und Umweltschutz-Organisationen machen auf die Probleme aufmerksam und legen den "Finger in Wunden", die es zu heilen gilt. Was Heike Hess, die die Geschäftsstelle des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft in Berlin leitet, allerdings bedauert: "Es ist schade, dass oftmals nur die Bad News veröffentlicht werden und damit Modeartikel tierischen Ursprungs in Summe in Verruf geraten. Dabei gibt es immer mehr Best-Practice-Akteure, die in der Berichterstattung leider zu kurz kommen."

Genau das soll sich ändern, daher hat der IVN Erkennungszeichen tierisch guter Mode zusammengestellt: Steht auf dem Etikett eines Textilprodukts das Kürzel kbT, ist klar: Die eingesetzten Fasern basieren auf kontrolliert biologischer Tierhaltung gemäß den Richtlinien für ökologischen Landbau. Das bedeutet, dass die Tiere nicht in Massentierhaltung, sondern beispielsweise auf großzügigen, rollierenden Weideflächen leben.

Die Verfütterung von gentechnisch-veränderten Pflanzen oder der Einsatz von Masthilfsmitteln sind verboten. Die Tiere pflanzen sich auf natürliche Art fort und Eingriffe in ihr Wohlergehen, wie das Kupieren des Schwanzes, sind untersagt. Die Schur muss achtsam erfolgen. Zudem wird konsequent auf den Einsatz von Pestiziden/Insektiziden verzichtet, das gilt sowohl für die Tiere – im konventionellen Bereich werden beispielsweise Schafe mitunter in bedenklichen Chemikalien gebadet – als auch für die Böden, auf denen sie leben. Zudem sind schonende Tiertransporte vorgeschrieben.

KbT bildet insofern eine hervorragende Grundlage für Mode, die mit gutem Gewissen getragen werden kann. Daneben gibt es Siegel, die ein explizites Zeichen in punkto Tierschutz setzen. Dazu zählen der Responsible Wool Standard (Tier- und Landschaftsschutz rund um Wolle), Caregora (zertifizierte Angorafasern) oder der Traceable Down Standard und Responsible Down Standard (Standards zum Thema Daunen). Ahimsa-Seide (das indische Wort Ahimsa bedeutet auf Deutsch "nicht Verletzen") bezeichnet eine alternative Seidenraupenzucht im Freiland, bei der der Seidenfaden erst vom Kokon abgewickelt wird, wenn der Falter geschlüpft ist.

Doch Tierschutz ist "nur" das eine relevante Thema. Ganzheitliche Sicherheit über alle Schritte der Fertigung hinweg bieten die Textilsiegel Naturtextil – IVN zertifiziert BEST und GOTS – Global Organic Textile Standard, die eine ökologische und sozial verträgliche Produktion auf dem im Augenblick maximal realisierbaren Niveau garantieren. Wenn Kleidungsstücke aus Wolle oder Seide das Siegel Naturtextil – IVN zertifiziert BEST tragen, steht fest, dass ausnahmslos kbT-Qualitäten zum Einsatz gekommen sind. Beim GOTS müssen immerhin 70 Prozent des Faseranteils aus kbT stammen.

Nachfrage(n) verändert das Angebot

Doch auch wenn keine Zertifizierung vorliegt, muss dies kein grundsätzliches K.o-Kriterium sein, manche tierischen Fasern sind einfach nicht in Bio-Qualität verfügbar. Andererseits bedeutet der Begriff Edelhaare nicht unbedingt, dass auch edel mit den Tieren umgegangen wird. Für Edelhaare, also besonders hochwertige Wollen wie Angora, Alpaka, Kaschmir oder Vikunja, gibt es – mit Ausnahme von Caregora – bis dato keine Zertifizierung. Was auch an den sehr geringen Marktvolumina liegt. Für die oftmals kleinen Farmbetriebe ist eine Zertifizierung zudem häufig zu aufwändig und teuer. Für die Konsumenten empfiehlt sich hier der wache Blick auf die Lieferanten: Nachhaltig orientierte Marken haben oft volle Transparenz über ihre Wertschöpfungskette und können Einblick in ihre Projekte geben. Nachfrage(n) lohnt sich, als wirksamer Hebel für Veränderung.

Bei Merinowolle ist schon die Frage "Wo kommt die Wolle her?" aufschlussreich. Das umstrittene Mulesing, bei dem Lämmern meist schon präventiv und teils ohne Betäubung und Wundversorgung Haut- und Fleischstücke vom Hinterteil weggeschnitten werden, um Fliegenbefall zu vermeiden, kommt nur in Australien zur Anwendung – und auch dort, nicht zuletzt dank medialer Aufmerksamkeit und Nachfrage-Verschiebungen, immer seltener.  Stammt die Wolle aus Südafrika, Südamerika oder Europa ist man zumindest bezüglich Mulesing auf der sicheren Seite.

Und mit dem Siegel Naturtextil – IVN zertifiziert BEST sind auch Pullover, Socken & Co. aus australischer Merinowolle definitiv im grünen Bereich – und das von den sozialen Arbeitsbedingungen über den Gesundheits- und Umwelt- bis hin zum Tierschutz!

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