"Unterwerfung" von Michel Houellebecq am Schauspielhaus

Theater, Oper & Ballett

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 28.01.2016)

Die Intendantin des SchauSpielHauses Hamburg, Karin Beier, inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung von Michel Houellebecqs "Unterwerfung" als einen Monolog mit Edgar Selge.

Kaum ein Roman des letzten Jahres sorgte für soviel Aufruhr wie der des französischen Skandal-Autoren Michel Houellebecq: Am 7. Januar 2015 erschien das Buch in Frankreich, zeitgleich zierte eine Houellebecq-Karikatur die Ausgabe der Satirezeitung Charlie Hebdo mit der Titelzeile "Die Vorhersagen des Magiers Houellebecq" sowie den zwei Sprechblasen "2015 verliere ich meine Zähne" und "2022 mache ich Ramadan". An genau diesem Tag überfallen zwei Terroristen – Söhne algerischer Einwanderer, in Frankreich geboren, mit französischer Staatsbürgerschaft – die Redaktion und töten 11 Menschen.

Einen Tag später erklärt der französische Premierminister Manuel Vall: "Frankreich, das ist nicht 'Die Unterwerfung', das ist nicht Michel Houellebecq!" Die Gründe, warum Houellebecqs jüngster Roman so irritiert, liegen auf der Hand: Houellebecq erzählt vom plötzlichen Verenden der französischen Kultur und Tradition wie wir sie kennen – und das in naher Zukunft.

Houllebecq beschreibt in seinem Buch das Paris im Jahre 2022: Straßenschlachten zwischen Extremisten heizen das politische Klima auf. Der Front National hat gewaltigen Zulauf. Um zu verhindern, dass er als stärkste Partei den Präsidenten stellt, koalieren die liberalen bürgerlichen Parteien mit einer gemäßigt islamischen Partei. Der Plan geht auf: In den Élysée-Palast zieht Frankreichs erster muslimischer Präsident ein.

Was diese durchaus realistische Zukunftsprognose Houellebecqs erst zum Skandalon macht, ist, wie sich binnen weniger Monate das öffentliche Leben ohne jeden Widerstand wandelt. Schulen und Hochschulen werden muslimisiert, die Frauen verschwinden aus der öffentlichen Arbeit, Bekleidungsvorschriften und Polygamie werden eingeführt. Die Bevölkerung nimmt die islamischen Gebote und Verbote genauso gelassen hin, wie sie bisher Quotenregelungen, Steuererhöhungen, Mülltrennungsgebote oder die Privatisierung öffentlicher Dienste akzeptiert hat.

"Mein Roman ist zutiefst zwiespältig, man kann ihn wie eine verzweifelte oder wie eine hoffnungsvolle Geschichte lesen." Houellebecqs boshafter Polit-Thriller richtet sich nicht gegen den Islam, sondern beschreibt den Kollaps der Kultur des Westens als Ergebnis des schleichenden Verfalls sämtlicher kollektiver Bindungen, angeleitet von einem Bild der Welt, das von der Idee des Ichs beherrscht wird und so direkt ins ökonomische, soziale und moralische Desaster führt.

Mit: Edgar Selge. Regie: Karin Beier. Bühne: Olaf Altmann. Licht: Rebekka Dahnke Dramaturgie: Rita Thiele

Wann?Die nächsten Vorstellungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
Wo?Deutsches Schauspielhaus
Eintritt:10,- bis 37,- Euro, Premiere 15,- bis 69,- Euro

Ortsinformationen

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg
Kirchenallee 39
20099 Hamburg
Telefon: 040 - 248713

Öffnungszeiten

Mo-Sa 10:00-19:00

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