"New York Stories" in der Elbphilharmonie

Konzerte

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 27.03.2017)

An sechs prominent besetzten Abenden sind vom 30. März bis 4. April 2017 im Großen und im Kleinen Saal der Elbphilharmonie einige besonders charakteristische Facetten der stilistisch ungemein reichhaltigen Musik aus New York City zu erleben.

Der Bogen spannt sich von John Zorns "Bagatelle Marathon" über zeitgenössische Musik für Streichquartett mit dem JACK Quartet, vom Abend mit Michael Feinstein und der hr-Bigband mit Perlen aus dem "Great American Songbook" bis zu Rap mit Zebra Katz, vom großen Kunst-Pop Anohnis mit dem Ensemble yMusic bis zu Elektronik mit Tyondai Braxton.

Gekrönt wird das Festival von zwei Abenden des New York Philharmonic unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert mit dem Cellisten Yo-Yo Ma und der Sopranistin Christina Landshamer. Mit John Adams ist zudem einer der bedeutendsten Komponisten der USA in Hamburg zu Gast.

Wenn eine Stadt nie schläft, und das wird unwidersprochen von New York City behauptet, dann haben ihre Bewohner natürlich für alles mehr Zeit, auch fürs Musikmachen und –hören. Tatsächlich widmen sich die New Yorker der Musik mit besonderer Hingabe, was natürlich auch daran liegt, dass unwahrscheinlich viele aufstrebende Musiker von ganz woanders hierher kommen, weil sie glauben, ihr Glück nur in New York machen zu können. Schließlich behauptet eine Zeile aus dem durch Frank Sinatra unsterblich gewordenen Song "New York, New York", dass, wer es hier schafft, es überall schafft: "If I can make it there, I'll make it anywhere".

Die Metropole an der Ostküste der USA, bestehend aus den fünf "Boroughs" genannten Stadtteilen Manhattan, Bronx, Brooklyn, Queens und Staten Island, war lange Zeit Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt, erste Adresse für unzählige Einwanderer aus vielen Ländern Europas. Bis heute ist New York die am stärksten europäisch imprägnierte der großen Städte der USA. Wie sie musikalisch tickt, versucht die Elbphilharmonie um die Monatswende März/April mit dem kompakten Festival "New York Stories" an sechs (ausverkauften) Konzertabenden zumindest schlaglichtartig zu beleuchten.

Als gelte es, die nächtliche Schlaflosigkeit New Yorks gleich zu Anfang nach Hamburg zu exportieren, beginnt das Festival am Donnerstag, 30. März 2017, im Großen Saal der Elbphilharmonie mit dem Bagatelle Marathon des Saxofonisten und Komponisten John Zorn. Zorn ist seit 35 Jahren eine der prägenden Figuren der New Yorker Off-Szene. Nahezu 30 exquisite Musiker treten in seiner langen Nacht der zeitgenössischen Musik zwischen Komposition und Improvisation in immer wieder anderen Konfigurationen vom Solo bis zum Quartett auf die Bühne. Auf der Besetzungsliste u. a.: Dave Douglas (Trompete), Joey Baron (Schlagzeug), Eric Friedlander (Cello), Craig Taborn (Klavier), John Medeski (Orgel), Julian Lage (Gitarre), Kenny Wollesen (Vibrafon), Ikue Mori (Electronics), Mark Feldman (Violine), Sylvie Courvoisier (Klavier) und Marc Ribot (Gitarre).

Das mit Neuer Musik überaus vertraute JACK Quartet, zuletzt beim Elbphilharmonie-Festival "Greatest Hits" im November 2016 auf Kampnagel zu erleben, bringt Streichquartette zeitgenössischer Komponisten wie Morton Feldman und Julia Wolfe mit, zudem zwei europäische Erstaufführungen (31. März 2017, Kleiner Saal). Mehr von Julia Wolfe gibt es am selben Abend zu späterer Stunde am selben Ort, wenn das Ensemble Resonanz Wolfes Musik zum Film "Fuel" von Bill Morrison aufführt (22.00 Uhr). Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk des Ensemble Resonanz, mit dem es in der ihm eigenen Weitsicht bereits 2007 in der Elbphilharmonie auftrat. Die bestand damals freilich nur aus ihrem heutigen Sockel. Die Konzertserie damals hieß "Kaispeicher entern!".

Einige Seiten mit Liedern aus dem "Great American Songbook", in denen in besonderem Maße dem Big Apple gehuldigt wird, blättert der Sänger und Pianist Michael Feinstein am Samstag, 1. April 2017, im Großen Saal auf. Feinstein ist ein vorzüglicher Kenner des Repertoires von George und Ira Gershwin bis Rodgers & Hammerstein oder Cole Porter, ein unprätentiöser Crooner und ein Entertainer mit feinem Humor dazu. Für zeitgenössischen Show-Glanz sorgt die ihn begleitende hr-Bigband aus Frankfurt unter der Leitung von Tedd Firth.

Ungemein sinnlich, dabei herrlich minimalistisch ist die Musik des New Yorker Rappers Zebra Katz, der mit seinen prächtigen Outfits und kunstvollen Videos eine wohltuende Antithese zum Bling-Bling der Gangsta-Rapper und Poser liefert. Bei "New York Stories" wird er am 1. April (22.30 Uhr) den Kleinen Saal für die Dauer seines Auftritts in einen Club verwandeln.

Mit zwei Vorstellungen (11.00 und 15.00 Uhr) des Funkelkonzerts XL "Reise in eine neue Welt" bietet das Ensemble Resonanz am Sonntag, 2. April 2017, schönste Unterhaltung für Kinder ab sieben Jahren. Die im Titel angesprochene "neue Welt" ist natürlich eine Anspielung auf Antonin Dvorak, musikalisch allerdings nicht auf dessen 9. Sinfonie "Aus der Neuen Welt", sondern auf das "Amerikanische Streichquartett". Das hat David Maria Gramse, Geiger im Ensemble, elektronisch bearbeitet, der Bratscher Justin Caulley tritt auch mit waschechtem Rap in Erscheinung.

Eine Stimme, die keiner mehr vergisst, der sie nur ein einziges Mal gehört hat: Die gehört Anohni, Transgender-Sängerin aus New York City. Spätestens mit dem zweiten Album "I Am A Bird Now" (2005) ihres Bandprojekts Antony and the Johnsons sang sie sich unauslöschlich ins Herz vieler Menschen. Mit dem Ensemble yMusic, das sich, sehr newyorkisch, der Fusion aus klassischer Musik und Pop verschrieben hat, präsentiert Anohni am 2. April 2017 in der Elbphilharmonie alte und neue Songs in ungewöhnlichen Arrangements (20.00 Uhr).

Im Zentrum der beiden letzten Abende der "New York Stories" steht das ebenso ehrwürdige wie wagemutige New York Philharmonic unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert. Am Montag, 3. April 2017, 20.00 Uhr, kehrt der weltberühmte Cellist Yo-Yo Ma wenige Wochen nach seinem Elbphilharmonie-Debüt zurück, diesmal mit dem Cellokonzert von Esa-Pekka Salonen (der hier seinerseits bereits beim Festival "Into Iceland" das NDR Elbphilharmonie Orchester dirigierte). Christina Landshamer ist die Solistin bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 für großes Orchester und Sopran. Tags darauf erklingt mit der »Harmonielehre« (1985) von John Adams eines der schillernden und dramatischen Schlüsselwerke für Orchester der amerikanischen Moderne. Adams, dem mit der Oper »Nixon In China« ein Welterfolg gelang, führt in einem Gespräch mit Gilbert selbst in sein Werk ein.

Das Festival-Finale bestreitet mit Tyondai Braxton einer der interessantesten Vertreter der zeitgenössischen elektronischen Musik in New York. Der Sohn des legendären Jazz-Musikers Anthony Braxton wurde einem größeren Publikum in der Band Battles bekannt, bei der er acht Jahre lang mitwirkte und die mit ihrem radikalen Rock zu den einflussreichen Formationen der Gegenwart gehört. In Hamburg gastiert er solo mit Live-Electronics im Kleinen Saal (4. April 2017, 22.30 Uhr).

Mehrere Begleitprojekte der Reihe Elbphilharmonie+ runden die "New York Stories" ab, darunter eine Vocal Session zum "Great American Songbook" (hat bereits stattgefunden), ein Seminar zur Musikgeschichte Amerikas und zwei Vorstellungen des Dokumentarfilms "Everybody's Cage" von Sandra Trostel (Kaistudio, 2. April 2017, 15.00 und 18.00 Uhr).

Wann?30. März bis 4. April 2017
Wo?Elbphilharmonie 
Karten:Das Konzert ist ausverkauft. Restkarten eventuell an der Abendkasse per Warteliste erhältlich.

Ortsinformationen

Elbphilharmonie Hamburg
Am Kaiserkai
20457 Hamburg

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