Flexibles Flimmern im Warburg-Haus

Kino

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 22.02.2019)

Flexibles Flimmern lädt am 25. und 26. Februar 2019 gemeinsam mit dem Warburg-Haus zu zwei besonderen Abenden in den historischen, ellipsoiden Saal des Hauses.

Zum 90. Todestag von Aby Warburg und hundertjährigen Jubiläum der Universität Hamburg 2019 rückt das Warburg-Haus das Verhältnis von Kunst und Technik in den Fokus. Aby Warburg, seine Familie und der Kreis der Wissenschaftler um ihn prägten den Aufbau der Universität Hamburg und die Geburt der modernen Kunstwissenschaft. Die von ihm begründete Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg spielte eine entscheidende Rolle bei der Einrichtung des kunsthistorischen Seminars, das 1926 eröffnete Gebäude der K.B.W., das heutige Warburg-Haus, gab der Vernetzung der Geisteswissenschaften in Hamburg einen institutionellen Ort. Das Universitätsjubiläum bietet den Anlass, der Aktualität von Aby Warburgs Ansatz, Arbeit und Denken nachzugehen und ausgehend von seinen inspirierenden innovativen Impulsen und Methodenreflexionen den Blick auf die Künste im technischen Zeitalter zu richten.

Dazu wird der folgende Film über das Innenleben, die Menschen und die Herausforderungen der Pariser Oper gezeigt. Kaum einen Bereich der Kultur verkörpert das Ineinandergreifen von Kunst und Technik, die Technik in der Kunst und die künstlerischen Techniken so sehr wie die Oper. Mit den Mitteln des Dokumentarfilms begibt sich L'Opéra auf eine Entdeckungsreise durch den immensen Apparat, in dem alle Mittel zusammenwirken um für den Augenblick der Vorstellung die sinnlichen Illusionen der Kunst entstehen zu lassen. Bisweilen ironisch und sehr komisch, ist L'Opéra ein spannender Film über das Gesamtkunstwerk in der heutigen Zeit.

Vorab lässt uns der Operndramaturg und Kulturlehrende Dr. Alexander Meier-Dörzenbach teilhaben an seinen jahrelangen Erfahrungen an internationalen Opernhäusern der Welt, u. a. auch einer Inszenierung an der Opéra de Paris 2016, zu der im Film Proben zu sehen sind. Als Kunsthistoriker wird er hier nun anhand von Bildbeispielen aus dem 19. Jahrhundert den Aspekt des Sehens und Gesehenwerdens in der Oper ausreizen und so der klingenden Kunst im 21. Jahrhundert die Ohren und Augen öffnen.

Der Film: "OPER. L'OPÉRA DE PARIS" Jean-Stéphane Bron, FR, CH 2017, 106 min

Am 25. und 26. Februar 2019 zeigt Flexibles Flimmern im Warburg-Haus "Oper. L'opéra de Paris" mit einer Einführung durch den Dramaturgen Dr. Alexander Meier-Dörzenbach. Diesmal gibt es nur passende Getränke zum Film und keine Speisen. 

Die Pariser Oper, ein faszinierendes Ineinandergreifen von kreativem Schaffen und minutiöser Planung. Zusammengehalten von der geschickten Hand des Direktors engagieren sich Sänger, Tänzer, Musiker, Bühnenarbeiter … mit Leidenschaft und Herzblut bei der Entstehung grandioser Inszenierungen an einer der weltweit prestigeträchtigsten Stätte der Lyrik.

Über den Gastredner: Dr. Alexander Meier-Dörzenbach

Unser Gastredner hat nach seiner Juniorprofessur für Amerikanistik an der Hamburger Universität und nach Lehraufträgen an mehreren Kunst- und Musikhochschulen als Chefdramaturg am Aalto-Theater Essen gearbeitet. Er kooperiert seit über 15 Jahren fest mit dem Regisseur Stefan Herheim für Inszenierungen an deutschen und internationalen Opernhäusern (u. a. Bayreuther und Salzburger Festspiele, London, Amsterdam, Oslo, Berlin, Glyndebourne, Kopenhagen, Hamburg, Paris) und öfters mit der Regisseurin Karoline Gruber (u. a. Leipzig, Düsseldorf, Wien) und ist nun als Dramaturg und Kulturlehrender freischaffend tätig.

Zum Ort: Warburg-Haus

Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg in der Heilwigstraße 116 (2 Minuten entfernt von der U-Bahn Kellinghusenstr.) wurde 1925-1926 errichtet. Der 13-jährige Aby Warburg überließ seinem ein Jahr jüngeren Bruder Max die künftige Leitung der familieneigenen Bank für die Zusage, Aby sämtliche gewünschte Buchankäufe zu finanzieren. Daraus entstand eine öffentliche Institution mit 60.000 Büchern. Angesichts der Bedrohung durch den Nationalsozialismus emigrierte die jüdische Institution 1933 nach London.

Hinter der an die großen öffentlichen Bauten Schumachers erinnernden Backsteinfassade bildet der imposante ellipsoide, in den Garten reichenden Lese- und Vortragssaal das Zentrum des Baus. Warburg bezeichnete ihn als "Arena der Wissenschaften". Da sich nur ein kleiner Teil der Bibliothek im Lesesaal aufstellen ließ, sorgte modernste Technik dafür, dass die Bücher aus dem Magazintrakt über eine Nische in den Lesesaal gelangten, ohne die Bibliotheksbesucher bei ihrer geistigen Arbeit zu stören. Auch bei Vorträgen kam modernstes Gerät zum Einsatz, Bildprojektion hat also Tradition im Warburg-Haus.

Seine Forschungen trieben Warburg weit über die Kunstgeschichte hinaus. Von den Malern der italienischen Frührenaissance reichte sein Forschungsgebiet zu den indianischen Ritualen in Nordamerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts, vom magischen Kult bis zur modernen Technik. Warburg arbeitete über Disziplinen hinweg und ordnete seine Bibliothek so, dass die Anordnung der Bücher assoziativ seine besondere Forschungs- und Denkwege nachzeichnete.

Über dem Eingang zur Kulturwissenschaftlichen Bibliothek ist in griechischen Lettern das Wort "Mnemosyne" eingemeißelt. Mnemosyne, die Göttin der Erinnerung und Mutter der neun Musen, markiert auch Aby Warburgs Zugang zur Kunstgeschichte. Sein Lebenswerk war dem Versuch gewidmet, den Einfluss der Antike auf die Neuzeit – bis hin zur Gegenwart – als Effekt kultureller Erinnerungsprozesse zu beschreiben. Bilder, so die Idee, werden nicht nur bewusst weitergegeben und angeeignet, sondern können auch unterschwellig wirken, um irgendwann als aktuelle Bilder wieder an die Oberfläche der Wahrnehmung zu geraten.

Wann?25. und 26. Februar 2019, jeweils 20.00 Uhr (Einlass ab 19.00 Uhr)
Wo?Warburg-Haus
Eintritt:12,- Euro
Reservierungen:per E-Mail an reservierungen@flexiblesflimmern.de  

Ortsinformationen

Warburg-Haus
Heilwigstr. 116
20249 Hamburg
Telefon: 0 40/4 28 38 61 48

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