Der unterwanderte Realismus in den Skulpturen des Lois Anvidalfarei

Ausstellungen & Museen

Caro, Lois Anvidalfarei, 2016, © Watzek Photografie

Caro, Lois Anvidalfarei, 2016, © Watzek Photografie

Lois Anvidalfarei gilt vielen als einer der bedeutendsten figurativen Bildhauer der Gegenwart in Mitteleuropa. Nun kommen seine Skulpturen in der Einzelausstellung "Dieser Körper, der nicht aufhört" erstmals nach Hamburg. ZOTT Artspace und Barlach Halle K präsentieren vom 23. Juni bis 7. Juli 2018 die großen Werke der vergangenen Jahre, deren unterschwellige Abstraktion immer bestimmender wird.

Auf den ersten Blick scheint es, als wären die jüngsten Arbeiten des großen, figurativen Bildhauers Lois Anvidalfarei noch näher an der Natur als seine früheren Werke – doch für ihn selbst sind sie "seine abstraktesten". Wenn der 1962 in Südtirol geborene Künstler über sein Verhältnis zu Realismus und Abstraktion spricht, wird schnell klar, dass er beides braucht, um seinen Fragen auf den Grund zu gehen. Es sind Fragen, die er nicht konkret benennen kann, die sich aber konsequent um sein zentrales Thema drehen: den Körper.

Um den menschlichen Leib, der alles, was uns bewegt und formt an die Oberfläche bringt. "Ich möchte zum Beispiel verstehen, wie ein Ohr aus dem Kopf kommt", erklärt der Südtiroler eindringlich, wenn er über die Skulptur "Großer weiblicher Kopf" spricht, eine 300 kg schwere Bronze, die er 2016/17 geschaffen hat und in der Ausstellung "Dieser Körper, der nicht aufhört" ausgestellt wird. Anvidalfarei setzt nach: "Wie kommt diese Muschel aus dem Ei?" Natürlich fragt der Künstler damit nicht nach anatomischen Gesetzmäßigkeiten, die er in seinen Skulpturen durchaus überwindet. Er fragt nach Zusammenhängen zwischen Fleisch und Funktion, Zwang und Freiheit, Erleben und Sein.

Elf überlebensgroße Bronzen und acht Zeichnungen werden vom 23. Juni bis 7. Juli in der Barlach Halle K in Hamburg ausgestellt. Die Körper von Lois Anvidalfarei sind gewaltig, massiv, bis zu einem Zentner schwer – und doch strahlen sie eine Verletzlichkeit aus. Es mag an der feinen Komposition liegen, die der Künstler streng plant. Die einzelnen Körperteile seiner Werke sind realistisch mit Hilfe eines Modells entworfen. Sie wirken wie die Grundelemente eines geplanten Bausystems. Doch in ihrer Zusammensetzung weicht Anvidalfarei von der Wirklichkeit ab. Er verschiebt dabei Dimensionen oder verdreht Winkel – immer genau so weit, dass die Grenze der Verzerrung nicht überschritten wird, der Körper aber eine ungeheure Präsenz und Dramatik erfährt. "Man denkt vielleicht, so lege ich mich auch mal hin", erklärt der Künstler: "Aber das geht nicht."

Über Lois Anvidalfarei

Der Südtiroler Bildhauer und Zeichner Lois Anvidalfarei (*1962) ist besessen von der Form und Sprache des Körpers. Seine entscheidende Prägung erhielt der im Grödnertal geborene Künstler während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in Wien durch Joannis Avramidis, dessen abstrakte Figuren ihren Ursprung im menschlichen Körper fanden. Anvidalfarei arbeitet auf einem Hof in seiner Heimat, den er selbst bewirtschaftet. In der klaren Bergluft und der unendlichen Weite der Landschaft fühlt er, wie sich das menschliche Sein mit der Präsenz der Natur und des Himmels misst. Pulsierend und lebendig scheinen sich die Körper Anvidalfareis ihre eigene Dimension im Raum erkämpft zu haben: machtvoll, intensiv, einnehmend.

Wann?23. Juni bis 7. Juli 2018
Wo?Barlach Halle K

Ortsinformationen

Barlach Halle K
Klosterwall 13
20095 Hamburg
Telefon: 040-468 632 0

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