Mobilität im Alter – Wenn Oma nicht mehr im Hühnerstall Motorrad fährt

Senioren

Fahrrad Rikscha, © Hartwig-Hesse-Stfitung

Fahrrad Rikscha, © Hartwig-Hesse-Stfitung

Schwindende Mobilität im Alter ist ein emotionales Thema und wird für ältere Menschen oft zur Realität. Mobilität bedeutet heutzutage nicht nur die Möglichkeit sich bewegen zu können, auch soziale Integration und psychische Mehrwerte spielen eine Rolle. Die Hamburger Hartwig-Hesse-Stiftung weiß: Neue wie auch alt bekannte Mobilitätskonzepte lassen Selbstbewusstsein und Lebenslust steigen, Freiheit und Selbstständigkeit zurückkehren.

Insgesamt 92% der Deutschen sehen das Auto als schwer verzichtbar in ihrem Alltag an. Das fand eine von acatech in Auftrag gegebene Studie im Mai 2019 heraus. Gerade die Generation der Babyboomer, die es gewohnt ist sich individuell, meistens mit dem eigenen Auto, fortzubewegen, tut sich schwer, wenn dies durch altersbedingte Einschränkungen nicht mehr möglich ist. Viele sehen dadurch den sozialen Anschluss schwinden. Dabei gibt es heute einige Wege, um Flexibilität und Mobilität zu erhalten und dadurch Einsamkeit zu vermeiden:

Pedelec – für die Sportlichen

Für Senioren, die sich noch fit genug fühlen Rad zu fahren, aber aus eigener Kraft nicht mehr Kilometer um Kilometer zurücklegen können, bieten sich Pedelecs an. Diese Fahrräder mit Elektromotor unterstützen den Fahrer beim Treten, sodass die Anstrengung verringert wird. Das Pedelec, im Volksmund auch E-Bike, hilft dabei im idealen Pulsbereich zu fahren, was besonders für das Herz-Kreislaufsystem enorm förderlich ist.

Fahrrad-Rikscha – Der Trend geht weiter

"Mit dem Einsatz einer Fahrrad-Rikscha bekommen Seniorinnen und Senioren in unseren Einrichtungen die Möglichkeit, sich bequem zu Wochenmärkten und Sehenswürdigkeiten kutschieren zu lassen oder einfach eine Fahrt durchs Grüne zu genießen. Damit können wir als Institution für Wohnen im Alter unseren Bewohnern, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ein großes Stück Lebensqualität erhalten", erklärt Maik Greb, Geschäftsführer der gemeinnützigen Hartwig-Hesse-Stiftung in Hamburg. Nach dem Vorreiter Dänemark, wo diese Idee bereits seit 2012 national großen Anklang gefunden hat, erkennen nun auch immer mehr der deutschen Einrichtungen für Altenpflege, unter anderem auch in Berlin und Essen, die positive Wirkung.

Unterstützung im ÖPNV – ganz entspannt ankommen

Damit auch ältere Menschen ermutigt werden Bus und Bahn zu fahren, gibt es die Möglichkeit, sich im öffentlichen Nahverkehr von Lotsen begleiten zu lassen. Diese holen die älteren Herrschaften ab und begleiten diese dann so lange, bis sie es zu ihrem Ziel oder auch wieder nach Hause geschafft haben. Zusätzlich bieten viele Verkehrsverbünde, unter anderem der HVV in Hamburg oder die BVG in Berlin, Mobilitätsberatungen und –schulungen an. Diese sind zumeist kostenlos und bereiten SeniorInnen auf eine selbstständige Nutzung des ÖPNV vor.

Car-Sharing – wenn man sich doch nicht ganz vom Auto trennen will

Wenn Senioren trotz fortgeschrittenem Alter nicht auf ein Auto verzichten wollen, besteht die, mittlerweile vor allem in Großstädten etablierte, Möglichkeit Car-Sharing zu nutzen – ein eigenes Auto wird somit obsolet. Man kann sich zum Bespiel bei einem professionellen Car-Sharing-Anbieter wie Car2Go anmelden, um jederzeit und (fast) überall ein Auto zu mieten, das dann nach Kilometern oder Minuten bezahlt wird. Bis zum Alter von 89 Jahren darf man hier Mitglied werden. Eine andere Möglichkeit ist, sich über ein entsprechendes Portal wie zum Beispiel tamyca oder Drivy bei Privatleuten ein Auto zu leihen. Generell sollten potentielle Silver Rider bei der Nutzung von Car-Sharing folgendes beachten: Voraussetzung ist, neben einem gültigen Führerschein, ein Internetzugang und teilweise sogar die Benutzung eines Smartphones. Außerdem sollte immer der Autotyp des gemieteten Wagens beachtet werden, denn nicht alle Car-Sharing-Anbieter besitzen barrierefreie und übersichtlich zu bedienende Autos. Hier sollte der Nutzer also auf jeden Fall zweimal hinschauen, bevor er ein Auto mietet.

Elektromobil – der Motorradersatz

Wem das Autofahren dann doch zu schnell ist, der hat die Möglichkeit sich ein Elektromobil anzuschaffen. Die mehrrädrigen Fahrzeuge sind für ältere Menschen geeignet, die zwar noch nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind, jedoch längere Strecken nur noch schwer zu Fuß zurücklegen können. Der entweder drei- oder vierrädrige Wagen verfügt über einen Lenker und ist durch den Batteriebetrieb umweltschonend. Das Elektromobil kann mit einer Maximalgeschwindigkeit von 6 oder 15 km/h bestellt werden. Zusätzlich ist es auch möglich, einen Zweisitzer zu erwerben, damit man auch mal eine Spritztour mit dem Partner oder Freunden unternehmen kann.

"Dass Menschen im Alter vielfach mit Mobilitätseinschränkungen zu kämpfen haben, liegt leider in der Natur der Dinge. Langsam zieht aber endlich eine Vielfalt von unterschiedlichen, unterstützenden Mobilitätskonzepten nach", so Maik Greb, der sich über die Entwicklung freut. "Wir dürfen nicht aus den Augen lassen, dass auch ältere Menschen trotz eingeschränkter Mobilität noch gerne Ausflüge unternehmen und diese auch benötigen, um einen wachen Geist zu behalten. ‚Mittendrin statt nur dabei‘ sollte die Devise sein."

Quelle: ZIEGFELD ENTERPRISE GmbH

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