Gängeviertel: ein Freiraum für alle

Sehenswertes

Gängeviertel: ein Freiraum für alle, © Franziska Holz

© Franziska Holz, www.franziskaholz.de

Fachwerkhäuser, schmale Straßen, verwinkelte oder labyrinthartige Hinterhöfe, Torwege und natürlich zahlreiche Gänge – das war das historische Gängeviertel. Das Areal erstreckte sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts vom Hamburger Hafen über die Neustadt bis in die Innenstadt und war Heimat tausender Arbeiterfamilien. Aufgrund katastrophaler hygienischer Zustände begann die Stadt Hamburg allmählich mit dem Abriss. Was noch übrigblieb ging im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurde mit dem Bau des Unilever-Hochhauses beseitigt. Die wenigen Überreste lagen viele Jahre brach – entlang des Bäckerbreitergangs und zwischen Caffamacherreihe, Valentinskamp und Speckstraße.

Während das Gängeviertel nach und nach seinem endgültigen Verfall entgegenblickte, wuchsen direkt nebenan Büro- und Wohntürme. Im Höchstgebotsverfahren wurden die Häuser verkauft, und 2008 bekam ein holländischer Investor von der Stadt den Kaufzuschlag für das Gängeviertel. Allen Mietern wurde gekündigt. Laut offizieller Planung sollten im Sommer 2009 geschätzte 80 % der historischen Substanz verschwinden. Doch es kam anders.

Rund 200 künstlerisch, sozial und politisch Aktive setzten sich am 22. August 2009 dafür ein, das historische Gängeviertel vor Verfall und Abriss zu bewahren. Mitte Dezember 2009 kaufte die Stadt daraufhin das Gängeviertel von dem Investor zurück. Der Weg war wieder frei für Leben, Arbeiten, Wohnen, aber auch für Kunst, Kultur und Soziales mitten in Hamburg.

Seither haben bereits zehntausende Gäste aus aller Welt im Gängeviertel Ausstellungen, Konzerte, Partys und Lesungen besucht oder über die Stadtentwicklung diskutiert.

Anfang September 2011 hat die Senatskommission für Stadtentwicklung und Wohnungsbau das Gängeviertel als Sanierungs- und Stadtumbaugebiet festgelegt. Damit kann die Sanierung auf der Grundlage des gemeinsam mit dem Verein Gängeviertel e. V. erarbeiteten Integrierten Entwicklungskonzepts beginnen.

Das Integrierte Entwicklungskonzept sieht den Erhalt der historischen Bausubstanz vor und will das Gebiet zu einem lebendigen innerstädtischen Quartier mit günstigen Mieten und Schwerpunkt auf preiswerten Nutzungen im künstlerischen Bereich entwickeln. Langfristige soziokulturelle Nutzungen, preiswerte Wohnungen und Wohnateliers sowie preiswerte Gewerberäume sollen geschaffen werden.

Die Maßnahmen werden gefördert aus dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung. Die Investitionskosten, die in einem Zeitraum von ca. 8 Jahren entstehen, werden auf 20 Mio. Euro geschätzt.

(Foto: www.franziskaholz.de)

Ortsinformationen

Gängeviertel
Valentinskamp 39
20355 Hamburg
Telefon: 01 57/89 11 91 42

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nicht Behindertengerecht

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