Verbreitung des Eichenprozessions-spinners in Hamburg

Rund um die Stadt

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 19.07.2019)

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer graubrauner Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von lediglich 25 bis 30 Millimeter, aber wo er – erkennbar an den netzartig umwebten Bäumen – auftaucht, sorgt er auch für Unsicherheit, da er insbesondere wegen seiner mikroskopisch kleinen Brennhaare gefürchtet wird. Zusammen mit den Bezirken hat die Umweltbehörde jetzt einen Stand zusammengetragen, wo und wie viele Bäume in Hamburg von dem Falter befallen sind.

Wenige hundert Bäume befallen – keine Zunahme zu erkennen

Bisher wurden rund 460 befallene Bäume auf öffentlichen Grünanlagen und Straßen gemeldet. Die Bekämpfungsmaßnahmen (Absaugung) sind fast abgeschlossen und werden voraussichtlich diese Woche ganz beendet sein. Nach Einschätzung der Umweltbehörde ist der Befall in Hamburg als gering zu betrachten. Der nur kleinst-regional und nirgends flächendeckend auftretende Befall entspricht weitgehend den Vorkommen in den vergangenen Jahren.

Befallsorte:
Boberger Dünen, Alster, Ortsteil Bergedorf, Öjendorfer Park, Friedhof Ohlsdorf und Öjendorf. Vom Hauptfriedhof Altona wurden 100 befallene Bäume gemeldet, im Stadtpark 118 Bäume.

Weitere Funde an öffentlichen Flächen und Straßen:
Mitte: Rund 100 befallene Bäume in Billstedt und Wilhelmsburg
Altona: Grünanlagen Elbkamp, August-Kirch Str. und Vorhornweg, 12 Bäume
Eimsbüttel: 6 befallene Bäume, alle im Bereich Kennedybrücke/Alstervorland
HH-Nord: umliegende Straßen zum Stadtpark, insgesamt 16 Bäume
Wandsbek: rund um den Bramfelder See, insgesamt 20 Bäume, Kleingärten und Straßenbäume am Deelwischredder und Kleingartenverein am Steinbeker Weg (Barsbüttel), insgesamt 26 Bäume
Bergedorf: Schwerpunkt südöstliche Vier- und Marschlande, Eichbaumsee, Boberg / B5, insgesamt 162 Bäume
Harburg: aus Harburg wurden bislang zwei Bäume gemeldet (Grünanlage Am Burgberg und auf dem Kinderspielplatz Achterkamp).

Verhalten nach unbeabsichtigtem Kontakt

Schnellstmöglich nach Hause gehen, die Kleidung ablegen und den gesamten Körper abduschen, um alle Brennhaare zu entfernen. Bei Kontakt mit den Augen: gut mit sauberem Wasser ausspülen. Die komplette Kleidung bei 60 Grad waschen. Bei ausgeprägten Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der Kontakt mit weiteren Gegenständen sollte gemieden werden. Es besteht die Gefahr, Brennhaare zu verschleppen. Die Fahrt nach Hause sollte nicht mit dem ÖPNV stattfinden.

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Wenn ein Nest oder Raupen des Eichenprozessionsspinners entdeckt werden, ist das zuständige Bezirksamt zu informieren. Telefon: 040/42828-0 oder -115. Das Pflanzenschutzamt berät am Montag von 12.30 bis 15.30 und Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr unter der Rufnummer 040/428415220.

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und seiner Nester muss von Fachleuten mit Vollschutzanzug und Atemschutz erfolgen. Der Grundeigentümer hat für die Beseitigung auf eigene Kosten eine Fachfirma zu beauftragen. Im Wald müssen nur bei stärkerem Befall zwingend Bekämpfungsmaßnahmen erfolgen.

Gesundheitliche Gefährdung

Bei dem Eichenprozessionsspinner handelt es sich nicht nur um einen Baumschädling, auch für den Menschen kann sein Auftreten eine gesundheitliche Gefährdung darstellen.

Problematisch sind die kurzen Brennhärchen der Raupen (ca. 600.000/Raupe), die ab dem dritten Raupenstadium gebildet werden. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das zu starken Reizungen der Haut und in den Atemwegen führen sowie auch allergieähnliche Reaktionen auslösen kann. Hinzu kommt die mechanische Reizung in der Oberhaut sowie den Schleimhäuten beim Eindringen der mit Widerhaken besetzten Härchen.

Symptome können sein: Juckreiz, Hautentzündungen und Nesselsucht sowie Reizungen der Augen und der oberen Atemwege, die sich in asthmaähnlichen Beschwerden und Atemnot äußern können. Auch Allgemeinsymptome wie Schwindelgefühl, Fieber oder Schockreaktionen sind möglich.

Typisch für den stattgefundenen Kontakt ist der über viele Tage anhaltende Juckreiz mit kleinen roten Schwellungen oder Quaddeln, der vor allem an unbedeckten Stellen des Körpers wie Gesicht, Hals und Arme auftreten kann. Die Beschwerden können zwischen zwei Tage und zwei Wochen lang anhalten.

Gefährdungszeitraum

In der Fraßzeit der Raupen (Mai bis Juli) ist das Kontaktrisiko am Größten. Die giftigen Haare der Raupen können leicht abbrechen und durch die Luft über 100 Meter weit getragen werden. Das Gift in den Brennhaaren ist über mehrere Jahre wirksam. Auch die Gespinstnester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhüllen erhalten bleiben und stellen ebenso lange eine Gefahrenquelle für den Menschen dar.

Zum Eichenprozessionsspinner: Das Weibchen legt ca. 1 Millimeter große weiße Eier im Herbst an den oberen Teilen dünner Äste von Eichenbäumen ab. Noch im Herbst entwickelt sich die Jungraupe, die im Ei überwintert. Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen, die sich bis zu ihrer Verpuppung im Juni/Juli fünf bis sechs Mal häuten. Der fertige Falter schlüpft im Juli/August.

Die Raupen bilden Nester an geschützten Stellen des Baumes, die ihnen über Tage als Schutz dienen. In der Nacht verlassen sie ihre Nester zur Nahrungsaufnahme, sie ernähren sich ausschließlich von den austreibenden Knospen der Eichen. Wirtspflanzen sind vor allem die Stiel-, Traubeneiche und die Amerikanische Roteiche.

Ihren Namen trägt die Falterart aufgrund der Eigenart, sich zur abendlichen Nahrungssuche hinter- oder nebeneinander zu bewegen wie in einer Prozession. In Hamburg ist der Falter bzw. seine Gespinste erstmals 2011 entdeckt worden.

Quelle: Pressestelle der Behörde für Umwelt und Energie

Foto: © Rosel Eckstein / www.pixelio.de

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