Das Museum MARKK verabschiedet sich von Grabwächterfiguren an Korea

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ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 27.02.2019)

Das Museum am Rothenbaum (MARKK) verabschiedet sich am Dienstag, 19. März 2019, von zwei Grabwächterfiguren, die an die Republik Korea restituiert werden. Die Figuren befinden sich seit 1987 in der Sammlung des Museums und werden in den Bestand des National Folk Museum of Korea übergehen. Noch bis Sonntag, 17. März 2019, sind die Figuren in der Ausstellung "Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung" zu sehen, in der auch ihr Erwerbskontext thematisiert wird.

Die Figuren stellen Zivilbeamte der Joseon-Dynastie dar. Sie wurden im 16. Jahrhundert aus Stein gefertigt und wachten ursprünglich über die Ruhe des Grabes einer hochgestellten Person. Während der Ausstellungsvorbereitungen für "Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung" brachten die Recherchen der Kuratorin Dr. Susanne Knödel den illegalen Erwerbskontext der Figuren zutage, der daraufhin an die koreanischen Behörden gemeldet wurde. Als Anfang 2018 das offizielle Restitutionsanliegen der OKCHF (Overseas Korean Cultural Heritage Foundation) eintraf, wurde vereinbart, die Werke noch bis zu Ihrer Rückführung in der mit dem National Folk Museum of Korea gemeinsam kuratierten Ausstellung "Uri Korea" mit Erläuterungen ihrer Erwerbsgeschichte auszustellen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: "Der Fall der Grabwächterfiguren aus Korea zeigt, dass viel zu lange die Augen vor den Herkunftsgeschichten von Kunstwerken verschlossen wurden. Die Debatten der letzten Monate und die aktuelle Provenienzforschung haben dabei nochmal für deutlich mehr Sensibilität gesorgt. Ich freue mich, dass das MARKK dabei schon länger eine wichtige Rolle einnimmt. Dank dieser notwendigen Sensibilität konnte das MARKK im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung "Uri Korea" die Provenienz der Ausstellungsgegenstände klären, so dass die Grabwächterfiguren nun an Korea zurückgegeben werden können."

Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin des MARKK: "Dieser Fall führt uns vor Augen, dass die illegale Ausfuhr von historischem Kulturgut lange als Kavaliersdelikt gesehen wurde und ein Unrechtsbewusstsein meist nicht vorhanden war. In diesem Zusammenhang müssen auch die Museen selbstkritisch ihren ehemaligen Umgang damit hinterfragen. Noch im späten 20. Jahrhundert wurden die Quellen und Ausfuhrbedingungen von erworbenen Kunstwerken oft nicht hinterfragt oder überprüft. Inzwischen ist es allgemeiner Standard die Herkunft von Sammlungszugängen zu erkunden und sich nach den UNESCO-Konventionen bezüglich illegal exportierten Kulturguts zu richten. Wir freuen uns, dass wir diesen Fall aufklären konnten und dass Korea die beiden wertvollen Werke zurückerhält. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt, der die langjährige Zusammenarbeit unseres Museums mit den koreanischen Kollegen festigt und fortführt."

Wie genau die beiden Figuren in den Kunsthandel gerieten, ist nicht sicher belegt. Während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Republik Korea in den 70er Jahren wichen jedoch zahlreiche Familiengräber neuen Bauten. Dabei gelangten einige Wächterfiguren in den landesinternen Handel, durften Korea jedoch nicht verlassen. Ein deutscher Käufer erwarb die beiden Figuren 1983 und brachte sie in einem Umzugscontainer versteckt nach Deutschland. 1987 wurden sie vom MARKK angekauft. Welche Informationen zu diesem Zeitpunkt über die Provenienz der Werke vorlagen, lässt sich nicht mehr feststellen.

Die Koreasammlung des Museums besteht aus über 2700 Objekten. Sie wurde seit 2014 im Rahmen des Forschungsprojektes des National Research Institute of Cultural Heritage (NRICH) mithilfe zahlreicher Experten aus verschiedenen koreanischen Museen und Forschungseinrichtungen untersucht. Zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung "Uri Korea" veröffentlichte NRICH einen Katalog, der rund zwei Drittel dieser Sammlung umfasst. Die Untersuchung der übrigen Objekte steht nach Abschluss der laufenden Inventur noch aus.

 Quelle: MARKK

Wann:bis Sonntag, 17. März 2019
Wo?MARKK Museum
Eintritt:8,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro

Ortsinformationen

MARKK – Museum am Rothenbaum
Rothenbaumchaussee 64
20148 Hamburg
Telefon: 040 - 4288790

Öffnungszeiten

Di, Mi, Fr-So 10:00-18:00, Do 10:00-21:00

Barrierefreiheit

teilweise behindertengerecht

Der Besuch mit einem Rollstuhl oder ähnlichen Hilfsmitteln ist in nahezu allen Abteilungen, teilweise mit Einschränkungen, möglich. An den Aufzügen ist das Aufsichtspersonal bei Fragen bzw. der Beförderung behilflich. Zwei Behindertenparkplätze am Haupteingang Rothenbaumchaussee, ein Platz Binderstraße 14 (Seiteneingang des Museums). Rollstuhlfahrer und ihre Begleitung haben freien Eintritt!

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