Kolonial belastete Straßennamen in Hamburg werden umbenannt

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ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 14.05.2019)

Ein Bündnis von OvaHerero- und Nama-Verbänden aus den USA und Namibia, von Selbstorganisationen Schwarzer Menschen in Deutschland sowie von zivilgesellschaftlichen Initiativen begrüßen die geplante Umbenennung der beiden Straßennamen Woermannsweg und Woermannstieg in Hamburg-Ohlsdorf. Die Umbenennung hatte der Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel Mitte April – einstimmig – entschieden. Das Bündnis hatte in einem Schreiben die Umbenennung gefordert.

Dr. Kavemuii Murangi, OvaHerero, Mbanderu and Nama Genocides Institute, Inc. (ONGI), USA: "Die Anhänger einer vermeintlichen weißen Überlegenheit haben Namibia zerstört und den Menschen unermessliches Leid gebracht. Mit der Umbenennung dieser Straßen wird ein wichtiges Zeichen in Würdigung der Opfer der kolonialen Gewalt gesetzt. Wir hoffen, den Opfern endlich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen."

Millicent Adjei, Vorsitzende des Vereins Arca – Afrikanisches Bildungszentrum und Mitglied im Arbeitskreis Hamburg Postkolonial: "In Hamburg kämpfen wir schon lange für die Umbenennung von Straßennamen, die koloniale Mörder ehren. Wir freuen uns über diesen überfälligen Beschluss." Sie hoffe nun auf eine zügige Umsetzung der ersten Umbenennung kolonialer Straßennamen in Hamburg, so Adjei. Wichtig sei es, einen Perspektivwechsel zu erreichen. Das Bündnis fordert, die Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen, die im antikolonialen Kampf in der damaligen Kolonie "Deutsch-Südwestafrika" (heute: Namibia) gegen die koloniale Eroberung kämpften.

Adolph Woermann war Kolonialhandelsherr, Reeder und Plantagenbesitzer in Westafrika und ein Kolonialkriegsverbrecher. In "Deutsch-Südwestafrika" profitierte er vielfach vom Völkermord an den Nama und OvaHerero. Er errichtete eigene Konzentrationslager für die aus der Wüste zurückkehrenden Besiegten, und von dort ließ er Kinder, Frauen und Männer zur Zwangsarbeit deportieren. Für die Transporte der kolonialen "Schutztruppe" und ihrer Kriegsausrüstung ab Hafen Hamburg hielt er eine quasi Monopolstellung, und so war er in der Lage, von der deutschen Reichsregierung überhöhte Frachtkosten zu verlangen.

  • Nama Genocide Technical Committee, Namibia
  • Association of the Ovaherero Genocide in the United States of America (AOG), USA
  • OvaHerero, Mbanderu and Nama Genocides Institute ONGI, USA
  • Bündnis Völkermord verjährt nicht! / No Amnesty on Genocide!
  • Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e. V. ISD-Bund
  • Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD-Hamburg
  • Arca – Afrikanisches Bildungszentrum e. V.
  • Quo Vadis, Hamburg?
  • Arbeitskreis Hamburg Postkolonial
  • Willi-Bredel-Gesellschaft-Geschichtswerkstatt e. V.

Quelle: afrika-hamburg.de

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