Elbe-Boulevard – die neue Hochwasserschutzanlage am Baumwall ist eröffnet

Rund um die Stadt

Baumwall fertiggestellt, © Behörde für Umwelt und Energie

Baumwall fertiggestellt, © Behörde für Umwelt und Energie

Die neue Hochwasserschutzanlage am Niederhafen/Baumwall ist offiziell eröffnet, der neue Elbe-Boulevard damit pünktlich zum Hafengeburtstag der Öffentlichkeit übergeben. Umweltsenator Jens Kerstan setzte heute Vormittag zusammen mit dem Geschäftsführer des LSBG, Dr. Stefan Klotz, sowie dem aus London angereisten Leiter des Architekturbüros Zaha Hadid, Patrik Schumacher, feierlich den Schluss-Stein.

Umweltsenator Kerstan: "Ich freue mich, dass mit diesem Bauwerk eine wunderbare Symbiose aus Schutz und Schönheit gelungen ist. Die Promenade mit ihren Treppen ist schon jetzt ein beliebtes Fotomotiv und Treffpunkt für Hamburgerinnen und Hamburger, um Sonnenuntergänge, Schiffe und Hafen zu genießen. Ich halte es für die vielleicht schönste Klimaanpassung der Welt. Der neue Boulevard entlang der Elbe setzt international Maßstäbe."

Im Auftrag der für Hochwasserschutz zuständigen Umweltbehörde erhöhte und erneuerte der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) seit 2011 die Hochwasserschutzanlagen Niederhafen, Binnenhafen und Schaartor.

Dr. Stefan Klotz, Geschäftsführer des LSBG: "Ein 136 Millionen Euro-Projekt, das für den LSBG und alle an dem Projekt Beteiligten herausfordernd war. Die nachbarschaftlichen Randbedingungen sowie die Erfordernis, während der Bauzeit den Hochwasserschutz zu gewährleisten und die vergaberechtliche Vorgabe zum Schutze des Mittelstandes, ein derartiges Bauwerk in Losen auszuschreiben, sind die wichtigsten Gründe für die Dauer der Bauzeit von insgesamt neun Jahren.

Mit der Fertigstellung der neuen Anlagen durch den LSBG wurde der Hochwasserschutz für die Innenstadt zwischen der Schaartorschleuse und dem Hafentor verbessert. Der neue Elbe-Boulevard hat künftig eine Höhe von bis zu 8,90 Meter über Normalhöhennull (üNHN), von ehemals 7,20 üNHN. Auf der erhöhten Hochwasserschutzanlage  entstand außerdem eine neue, breite Hafenpromenade aus schwarzem Basaltstein. Großzügige helle Treppenanlagen zur Land- und Wasserseite sorgen für eine neue Aufenthaltsqualität. Der Höhenunterschied zwischen Promenade und Straße wird durch die Treppen gemildert und der Zugang zum Portugiesenviertel verbessert.

Mit dem Entwurf wurden auch ein neues Restaurant und eine neue Tiefgarage unterhalb der Promenade ermöglicht. Die Tiefgarage wird zum Jahresende 2019 nutzbar sein. Daneben ist es gelungen, städtebaulich ein Bindeglied zwischen Wasser und historischer Speicherstadt zu schaffen. Die Gesamtkosten des insgesamt 1.275 m langen Bauwerks betrugen 136 Millionen Euro.

Hochwasserschutz in Hamburg: Hamburg umgeben 103 Kilometer Hauptdeichlinie. Davon 78 Kilometer Deich und 25 Kilometer Wände. Hinter Sperrwerken und tidefreien Gewässern kommen noch einmal 35 Kilometer hinzu. Das aktuelle Bauprogramm Hochwasserschutz ist mit der Drucksache 20/5561 vom 16.10.2012 auf 20 Jahre angelegt und mit 550 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Nach Abschluss aller Maßnahmen werden 78 Kilometer Deiche und 25 Kilometer Hochwasserschutzwände durch eine durchschnittliche Erhöhung um 80 Zentimeter auch langfristig einen sicheren Schutz vor Sturmfluten bieten. Die Erhöhung von Hochwasserschutzanlagen ist eine generationenübergreifende Daueraufgabe.

Priorität hat die Erhöhung der Deiche in Wilhelmsburg und Veddel. Derzeit wird der Klütjenfelder Hauptdeich in Wilhelmsburg erhöht. Im kommenden Jahr beginnen die Arbeiten am Haulander Hauptdeich.

Baustellen-Zahlen

  • 32.400 Kubikmeter Stahlbeton
  • 3.840 Tonnen Spundwandmaterial
  • 5.437 Betonfertigstufen auf den Treppen
  • 17.700 Quadratmeter Basaltsteine als Pflaster und Fassade
  • 649 Bohrpfähle

Historie des Niederhafens

Vom 17. Jahrhundert bis hinein in das 20 Jahrhundert war der Niederhafen ein bedeutender Handelshafen Hamburgs. Als der Binnenhafen in der Alstermündung den deutlich anwachsenden Überseehandel nicht mehr aufnehmen konnte, wurden stromwärts weitere Liegeplätze eingerichtet. Der Name Niederhafen ergab sich aus der Lage des Hafenteils unterhalt der Schwimmbaumbarriere (Niederbaum) zwischen Baumwall und der Kehrwiederspitze, die der Sicherung der Hafeneinfahrt diente.

Der Ausbau der Festungsanlagen der Stadt im Dreißigjährigen Krieg, die Wallanlagen mit der Bastion "Johannis", an die noch heute der Straßenname Johannisbollwerk erinnert, prägten den Hafenrand. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Liegeplätze mehrfach durch Dalbenreihen erweitert. Die Ladung der großen Schiffe aus Übersee wurde von hier auf kleinere Schuten und Ewer umgeladen. Die bis 1838 bestehende Bastion "Johannis" des Festungsrings wurde für den Bau einer massiven Uferwand abgebrochen.

1873 wurde der Straßenzug Vorsetzen mit einer Uferwand um etwa 16 Meter verbreitert. Bereits 1889 war diese Wand aus Holz so baufällig, dass sie gesperrt und die Nutzung mit Handdrehkränen aufgegeben werden musste.

1893 folgte der Bau einer neuen Kaimauer mit massivem Überbau und Holzpfahlgründung. Die Uferlinie wurde erneut in den Niederhafen vorverlegt, diesmal um 20 Meter. Der Entwicklung des Hafens musste auch eine zwischenzeitlich errichtete englische Kirche in Höhe der ehemaligen Bastion weichen. Kaischuppen für den innerdeutschen Seeverkehr der Hamburg-Rhein-Linie wurden für den Hafenumschlag errichtet, die Kaimauer mit Portalkränen ausgestattet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Kaiumschlag an dieser Stelle eingestellt worden, in den 50er-Jahren wurden alle Schuppen abgebrochen, die Fläche eingeebnet und zum Teil als Parkplatz benutzt.

Nach der Flut von 1962 ist die heutige Hochwasserschutzanlage mit der Promenade entstanden. In den 80er Jahren folgte der Bau der Hafenrandstraße.

Quelle: Behörde für Umwelt und Energie

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