300 Jahre Mellingburger Schleuse

Rund um die Stadt

Mellingburger Schleuse, © Anneli Dierks Baseler Hof

Mellingburger Schleuse, © Anneli Dierks Baseler Hof

Die Bezeichnung "Mellingburg" geht tatsächlich auf eine Burganlage zurück. Diese befindet sich nur gut 200 Meter von dem historischen Gasthof Mellingburger Schleuse in westlicher Richtung, direkt am Alsterwanderweg. Allerdings steht das Gelände selbst unter Naturschutz und darf nicht betreten werden. Die ehemalige Mellingburg liegt damit auf einer Halbinsel in einer Alsterschleife. Die Burg aus Stein allerdings sucht man vergeblich.

Wie die meisten Burgen im Norden bestand auch diese aus Erdwällen und Hügeln, von denen auch nur noch wenige Reste erhalten sind. Von der ursprünglichen Bebauung, vielleicht ein hölzerner Turm, ist nichts mehr vorhanden. Ältere Beschreibungen wollten eine Hauptburg mit Vorburganlage erkannt haben, die immerhin eine Innenfläche von 27 ha umschloss. Das sind 270.000 m², für damalige Zeiten vielleicht sogar im Wortsinn eine ganze Menge Holz.

Der Hauptwall soll einmal drei Meter hoch gewesen sein. Im Inneren sind sächsische und slawische Scherben des 8. und 9. Jahrhunderts aufgelesen worden. Schriftliche Quellen gibt es zu dieser Burg allerdings nicht. Die Burg gehört sicherlich mit zu einer Reihe von Befestigungsanlagen, die das Mittel- und Westholsteinische Gebiet der Sachsen gegen Angriffe der östlich siedelnden Slawen schützen sollte. Vermutlich handelt es sich um eine sogenannte Fliehburg, in welche die Menschen, die hier siedelten, bei Gefahr flüchten konnten.

Und wo bitte ist die Schleuse? Mit den modernen Anlagen in der Hamburger City (an der kleinen Alster) oder im Hamburger Hafen (etwa der Tiefsackschleuse) hat die Konstruktion an der Mellingburger Schleuse wenig gemein. Um zu verstehen, wie ein Schleusenvorgang beim Bau der Schleuse, also im Jahr 1528/29 ablief, muss man sich die Geschichte Hamburgs ein bisschen genauer ansehen.

Im Mittelalter, also in der Zeit von 500 bis 1500 AD, war die Alster für die Gründung Hamburgs, die Besiedlung und den Aufbau der Stadt von elementarer Bedeutung. Der Fluss lieferte das Trinkwasser und die Wasserkraft für die Mühlen, die zur Herstellung von Brot und Bier für die Bevölkerung betrieben wurden. Das Gebiet der Oberalster war reich an Wald (insbesondere Eichen), Torf und Findlingen. Alles Materialien, die in Hamburg für den Haus- und Schiffbau sowie als Brennmaterial benötigt wurden.

In Ermangelung ausgebauter Landstraßen wurden die Eichenstämme über Jahrhunderte auf der Alster flussabwärts in Richtung Hamburg geflößt. Zur Sicherung der Rechte und Nutzung der Alster erwarb die Stadt Hamburg von den Holsteinergrafschaften Anfang des 14. Jahrhunderts Gebietsanteile der Alster, die den gesamten Alsterlauf auf Holsteiner Gebiet umfassten. Der Hamburger Rat besaß auch die Polizeigewalt auf dem Fluss und den Wegen entlang der Alster.

Mit dem Beitritt Hamburgs in den Städtebund der Hanse im 14. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Umschlagplatz zwischen Nord- und Ostsee und erreichte einen bislang nicht gekannten Wohlstand. Zwischen Hamburg und Lübeck fand ein intensiver Warenverkehr auf dem Lande statt.

1448 entschieden sich die Hamburger deshalb eine schiffbare Verbindung zwischen Hamburg und Lübeck zu schaffen, und zwar mit dem Alster-Beste-Kanal. Die Flüsse Beste und Trave waren bereits schiffbar. Ein acht Kilometer langer Graben, der Alster Kanal, musste hierfür ausgehoben werden, um die Alster mit der Norderbeste zu verbinden. In der Alster wurden neun Schleusen (zum Ausgleich des Gefälles von 17 m), im Alster Canal vier Schleusen (Gefälle von 8 m) und in der Beste acht Schleusen (Gefälle von 15 m) gebaut. Die Strecke Hamburg – Lübeck war 91 Kilometer lang. Allerdings ging den Bauherren bald das Geld aus, so dass die Arbeiten im Jahr1452 zum erliegen kamen.

Nachdem sich Hamburg, Lübeck und der König Friedrich von Dänemark darauf geeinigt hatten, den Bau gemeinsam zu finanzieren, wurde der Bau 1526 wieder aufgenommen

Zwischen 1527 und 1529 wurden diverse Schleusen neu erbaut, unter anderem auch die Mellingburger Schleuse. Der Bedarf an Baumaterial, insbesondere für den Schleusenbau war gewaltig und erforderte über 2000 Baumstämme. In dieser Zeit wurden auch die Treidelwege entlang der Alster und mehrere Brücken über die Alster gebaut. Das gesamte Alstertal glich in dieser Zeit einer gewaltigen Baustelle, auf der mehrere Tausend Menschen arbeiteten.

Mit der Fertigstellung der Schleusen war der Wasserweg mit genügend Tiefgang entlang der Alster für die Lastkähne geschaffen. Ein Schleusenwärterhaus wird bereits um 1529 in Mellingburg genannt. Die Hoheit über die Alster hatte seit dem 14. Jahrhundert Hamburg, und damit auch die Aufsicht über die Schleusen und Schleusenmeister. Wenn das Wasser einen günstigen Stand hatte, dauerte die Bergfahrt, also von Hamburg Richtung Norden, eine Woche. Bei schlechtem Wasserstand bis zu vier Wochen. Das war ein sehr mühsames Geschäft: Am vorderen Abschluss des Schiffsrumpfes, dem so genannten Vorsteven, wurde ein kleiner Mast eingesetzt. An dem Mast wurde eine Leine befestigt. Das Schiff wurde dann zunächst von vier Männern mit Stangen nach Eppendorf geschoben, von wo es mit einer Leine und von drei bis vier Frauen, zum Treidelberg bei Poppenbüttel gezogen wurde. Ein Teil dieser Treidelstrecke heißt noch heute "Leinpfad", die Hofstelle auf dem hohen Alsterufer entwickelte sich zum Gut "Treudelberg".

Heute werden die Gebäude und Felder des Hofes als Hotel und Golfplätze genutzt. Zum Treideln gingen die Frauen auf dem Uferweg, dem Treidelweg entlang, und zogen das Schiff hinter sich her. Waren die Schiffe beladen, wurden sie mit Pferden getreidelt. Mit zwei bis drei Tagen ging die Talfahrt erheblich schneller. Da die Alster nicht tief war, musste das Wasser mit Schleusen aufgestaut werden. Dies war Sache des Schleusenmeisters. Das Schiff fuhr in die Schleuse hinein, die darauf geschlossen wurde. Das Wasser staute sich auf, bis der Schleusenmeister es als hoch genug ansah. Darauf wurde die Schleuse geöffnet und das Schiff trieb auf der Flutwelle talwärts, bis zur nächsten Schleuse. Dort wurde dann wieder gewartet, bis das Wasser hoch genug stand um weiter zu fahren. Es kam auch vor das ein Schiff auf Grund lief. Dann bekam der Schleusenmeister Bescheid das Wasser nochmal aufzustauen um eine neue Welle hinterherzuschicken.

Von 1550 bis 1650 erlebte Hamburg einen starken Bevölkerungszuwachs von 20.000 auf 60.000 Einwohner, der einen entsprechenden Bedarf an Baumaterialien nach sich zog und sich auch auf einen erhöhten Lasttransport auf der Alster auswirkte. Zwischen 1603 und 1610 durchfuhren z. B. die Fuhlsbütteler Schleuse im Jahresdurchschnitt über 500 Schiffe, 1636 waren es fast 700 Schiffe. Erst im 19. Jahrhundert ging die Bedeutung der Alsterschifffahrt deutlich zurück. Heute dienen die zehn Schleusen der Alster der Regulierung der Wasserstände entlang des Flussverlaufes .

Die Mellingburger Schleuse ist in der ursprünglichen Holzkonstruktion erhalten geblieben und zählt mit dem heutigen Schleusenmeisterhaus zu den Kulturdenkmälern Hamburgs. Beide Objekte sind in der Denkmalliste eingetragen. Das Schleusenbecken besaß eine Länge von immerhin 77 Metern und eine Breite von 49 Metern. Das ermöglichte eine Abwicklung des Wasserverkehrs im großen Stil: Bis zu 20 Lastkähne konnten gleichzeitig im Schleusenbecken liegen. Allerdings mussten die Schiffer mitunter auch lange Wartezeiten in Kauf nehmen weil der Schleusenmeister für ein oder zwei Schiffe die Schleuse nicht in Betrieb nahm, sondern wartete, bis sich genug Lastkähne eingefunden hatten.

Die Schleusermeister standen im Dienst der Hamburger und waren für die Bedienung und Überwachung der Schleusen zuständig. Das Schleusenmeisterhaus war ihr Amtssitz. Für die ihnen auferlegten Pflichten mussten sie einen Diensteid ablegen. Vom Hamburger Rat erhielten sie Gehälter.

Das Schleusenmeisterhaus selbst wurde von der Stadt Hamburg unterhalten, noch 1642 hat es der städtische Bauhof neu mit Stroh gedeckt. Das lag schlichtweg daran, dass auch das Grundstück selbst ursprünglich Eigentum des Hamburger Staates war. Das Schleusenmeisterhaus, in dem sich die Tenne des Gasthofs Mellingburger Schleuse befindet, trägt über dem Tor einen Querbalken mit der eingeschnitzten Inschrift ANO HTM 1717. Das Haus ist aber deutlich älter. Wie innen zu erkennen, wurde es zweimal verlängert. Wahrscheinlich stammt der älteste Teil noch aus der Bauzeit des Alster-Beste-Trave-Kanals um 1529, als hier das älteste Schleusenwärterhaus in Verbindung mit dem ersten Schankrecht errichtet wurde. Demnach ist der älteste Teil des Hauses fast 500 Jahre alt. Es ist damit eines der ältesten Gebäude auf dem Hamburger Stadtgebiet. Das Kürzel HTM ist vermutlich als Heinrich Timmermann zu deuten.

Schon im 17. Jahrhundert war der Schleusenwärterdienst hier im Besitz der Familie Timmermann. Die Jahreszahl 1717 bezieht sich vermutlich auf den letzten Ausbau des Hauses. Da die Schiffer wie gesagt häufig auch länger auf das Steigen des Wasserspiegels warten mussten, ist das Schleusenwärterhaus schon seit alters her mit einer Schankgerechtigkeit verknüpft. Wenn wir heute also hier essen, können wir uns wie die Schiffer fühlen, die an dieser Stelle einkehrten und mit Speisen und Getränken versorgt wurden.

Von 1964 bis Ende Dezember 2013 wurde die Mellingburger Schleuse als Hotel und Restaurant von Peter Lehfeldt geführt. Im März 2016 erwarb die Familie Kleinhuis den Betrieb aus dem Eigentum von Peter Lehfeldt, im Mai 2016 wurde die Mellingburger Schleuse unter der Leitung von Direktorin Carina Voß-Kleinhuis und Geschäftsführer Niklaus Kaiser von Rosenburg wieder eröffnet.

Ortsinformationen

Mellingburger Schleuse
Mellingburgredder 1
22395 Hamburg
Telefon: 040/ 61 13 91 50

Öffnungszeiten

Mi:
17.00 bis 23.30 Uhr
Do:
17.00 bis 23.30 Uhr
Fr:
17.00 bis 23.30 Uhr
Sa:
17.00 bis 23.30 Uhr

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