Deutschland kauft weiterhin Soja und Holz, das mit Abholzungen verbunden ist

Daten & Fakten

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 16.07.2019)

Aus einem veröffentlichten Datenbericht geht hervor, dass trotz aller gemachten Fortschritte die europäische Lebensmittelindustrie durch den Einkauf nicht nachhaltig produzierter tropischer Rohstoffe weiterhin die Abholzung des Regenwaldes vorantreibt.

In Deutschland wurden 2017 nur 45 % der Sojaimporte und 32,5 % des importierten Tropenholzes aus nachhaltigem Anbau eingekauft.

Positiv zu vermerken ist, dass Deutschland beim Palmöl einen Anteil von 85 % aus zertifiziert nachhaltigem Anbau erreichte.

Dies geht hervor aus einem neuen Bericht der niederländischen Organisation für nachhaltigen Handel IDH ("The Sustainable Trade Initiative"), mit dem Titel The data speaks: The urgent need to transform no-deforestation, sustainable agriculture and development pledges into impact (Die Zahlen sprechen für sich: Über die dringende Notwendigkeit, die Zusagen für eine entwaldungsfreie, nachhaltige Landwirtschaft und Entwicklung in die Tat umzusetzen).

Der Bericht enthält eine Bestandsaufnahme der alarmierend geringen Importe in die EU von nachhaltig, verantwortungsvoll und entwaldungsfrei angebautem Soja, Palmöl und Tropenholz sowie der weltweiten Kakaoimporte aus nachhaltiger Landwirtschaft.
 
In allen untersuchten Ländern kamen nur 22 % der Sojaimporte und 28,5 % aller Tropenhölzer für die europäische Lebensmittelindustrie aus nachhaltiger oder verantwortungsvoller Landwirtschaft.
 
Palmöl erreicht mit 74 % aus zertifiziert nachhaltigem Anbau etwas bessere Zahlen, machte aber in den letzten Jahren im Durchschnitt wenig Fortschritte.
 
Dabei besteht zwischen Nordwesteuropa und Südeuropa ein deutliches Gefälle. Die Niederlande beispielsweise bezogen 83 % des Sojas für den Eigenbedarf aus verantwortungsvoller Landwirtschaft.
 
Im Gegensatz dazu gab es in Italien, Portugal und Spanien praktisch keine Nachfrage nach verantwortungsvoll angebautem Soja, obwohl 2017 30 % aller europäischen Sojaimporte in diese Länder gingen.
 
Beim Kakao, der hauptsächlich nach Europa exportiert wird, waren weltweit nur 30 % zertifiziert.
 
Daraus wird deutlich, dass trotz aller Zusagen von Unternehmen und Regierungen in Europa, um bis 2020 eine entwaldungsfreie Lieferkette tropischer Rohstoffe zu erreichen, die meisten dieser Rohstoffe immer noch nicht aus verantwortungsvoller Landwirtschaft stammen.
 
Daan Wensing, Leiter des Landschaftsprogramms bei IDH, sagte: "Die derzeitige Entwicklung reicht offensichtlich nicht aus. Europa ist enorm im Rückstand, wenn es darum geht, seine Zusagen zu entwaldungsfreien und verantwortungsvollen Lieferketten umzusetzen. Wir brauchen dringend Maßnahmen von Industrieunternehmen und Regierungen, um gemeinsam gegen die Entwaldung aufzutreten und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung und Lebensgrundlagen in den Erzeugerländern zu sichern."

Letzten Monat haben Untersuchungen der Global Forest Watch (GFW)[1] ergeben, dass 2018, 3,6 Mio. Hektar tropischer primärer Regenwald gerodet wurde – eine Fläche so groß wie Belgien. Bis zu 80 % dieses Waldverlustes wird durch die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe verursacht. Gleichzeitig steigt die Nachfrage der Verbraucher nach entwaldungsfreien Lieferketten, wobei eine überwältigende Mehrheit der Europäer neue Gesetze wünscht, die sicherstellen, dass die von ihnen gekauften Produkte nicht zur Zerstörung des tropischen Regenwaldes beitragen.[2]

IDH, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in den Niederlanden, beteiligte sich an der Unterstützung von Unternehmen, Produzenten, Regierungen und der Zivilgesellschaft zur Entwicklung von Ideen zum Schutz des Regenwaldes, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die lokale Bevölkerung weiterhin von ihrem Land leben kann.

Der Bericht schließt mit dem Vorschlag von 9 Leitaktionen, um sicherzustellen, dass es in diesem Bereich zu echten Veränderungen kommt.

In den Anbauländern gehören dazu die Vergabe von Subventionen zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft und die Umsetzung von Gesetzen zur Bekämpfung der illegalen Abholzung. In Ländern der EU bedeutet dies die Unterstützung dieser Bemühungen durch eine Änderung der Beschaffungspraktiken, damit eine entwaldungsfreie Lieferkette zur Norm werden kann.

[1] www.wri.org/blog/2019/04/world-lost-belgium-sized-area-primary-rainforests-last-year
[2] www.fern.org/news-resources/press-release-87-per-cent-of-europeans-support-new-laws-to-combat-global-deforestation-new-poll-shows-1963/

Quelle: IDH Trade

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