Hamburger wollen vermehrt zu Bio- und Regional-Lebensmitteln greifen

Rund ums Essen & Trinken

Regionale-Lebensmittel, hamburg-magazin.de

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Lebensmittelskandale, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Bio aber auch Plattformen wie Facebook und Instagram haben das Kauf- und Essverhalten der Hamburger verändert – und werden es weiter ändern. Das geht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Studie des Hausgeräteherstellers ritterwerk unter 1.000 Deutschen hervor, von denen je 100 in München, Hamburg und Berlin befragt wurden. Zwar geben Hamburger im deutschlandweiten Vergleich mehr für Lebensmittel aus, sind aber insgesamt dennoch eher sparsam. Nur 8,2 Prozent der Hansestadt-Haushalte investieren mehr als 600,- Euro pro Monat in die Kost. Zudem kaufen Hamburger Essen und Trinken im Jahr 2018 laut Erhebung mehrheitlich im Supermarkt.

Die Studie zeigt aber auch: 62 Prozent der Hamburger würden ihre Kaufgewohnheiten ändern und auf Wochen- oder Bio-Märkten beziehungsweise dem Feinkostladen einkaufen, wenn Geld keine Rolle spielen würde. "Das Verbraucherverhalten beim Einkauf und Konsum von Lebensmitteln ist mit Blick auf Moral, Gesundheit, Geschmack und Vertrauen oftmals widersprüchlich. Viele Menschen wissen, was sie wollen – verhalten sich aber dennoch anders", sagt Michael Schüller, Geschäftsführer des Hausgeräteherstellers ritterwerk aus Gröbenzell zur Vorstellung der Studie.

Im Durchschnitt gibt der Großteil der Deutschen monatlich zwischen 200,- und 400,- Euro für Lebensmittel aus (46 Prozent). Nur 26 Prozent geben mehr aus. In Hamburg sind es hingegen 43 Prozent, die monatlich zwischen 200,- und 400,- Euro ausgeben und 17 Prozent, die mehr als 400,- Euro monatlich für Nahrung zur Verfügung stellen. Dabei achten deutschlandweit 76 Prozent beim Lebensmittelkauf häufig auf den Preis, in Hamburg sind es 77 Prozent. Aber: 62 Prozent der Hamburger würden laut Studie wertiger in Bezug auf Bio, Craft Food und regionalem Essen einkaufen, wenn Geld keine Rolle spielte. Zudem sind 25 Prozent bereit, bis zu 10 Prozent mehr zu zahlen, wenn das Essen Bio ist – 27 Prozent, wenn es aus der Region kommt und 27 Prozent, wenn es handwerklich hergestellt ist. Der Alltag sieht aktuell jedoch anders aus. Wie anderswo in Deutschland spielt das Geld bei der Kaufentscheidung auch in Hamburg eine wichtige Rolle.

Über 70 Prozent der Hamburger erwerben Nahrungsmittel am häufigsten im Supermarkt (73 Prozent). Danach folgt der Einkauf im Discounter (57 Prozent). Der reine Bio-Supermarkt (Fachmarkt) wird derzeit nur von 11 Prozent der Hamburger angesteuert, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. "Ein genauer Blick darauf zeigt wiederum, dass der Bio-Boom längst ein Massenphänomen ist. Bio und Discounter schließen sich schon lange nicht mehr aus, da Discounter im Kampf um Klientel und Marktanteile längst nachgezogen und ihr Sortiment auf Bio angepasst haben", erklärt Schüller. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass der Wochenmarkt oder der Kauf beim Bauern nicht automatisch teurer sein muss, weil dieser direkt beim Erzeuger stattfindet.

Der Online-Handel für Lebensmittel, dem Experten für 2027 einen Anteil von 10 bis 20 Prozent aller Lebensmitteleinkäufe prognostizieren, spielt deutschlandweit derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Gerade einmal 2,5 Prozent entfallen deutschlandweit laut der ritterwerk-Erhebung aktuell aufs Online Food Shopping. Die Regionalauswertung zeigt hier jedoch deutliche Unterschiede: In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München gibt es mit rund 4,5 Prozent doppelt so viele Online Food Shopper wie im restlichen Deutschland.

Unabhängig vom Vertriebskanal spielen für die Konsumenten Herkunft, Qualität und Zubereitung eine immer wichtigere Rolle. 67 Prozent der Hamburger möchten künftig noch mehr Bio kaufen. 83 Prozent wollen in Zukunft sogar öfter zu regionalen Produkten greifen. Auch Gin und Bier aus Eigenproduktion und das Sauerteigbrot aus der Bäckerei, die heute immer öfter Manufaktur heißt, sind 2019 im Kommen. Laut Studie wollen rund 63 Prozent der Hamburger noch mehr Craft Food konsumieren. "Wir beobachten eine zunehmende Nachfrage nach Produkten wie unseren Allesschneidern.

Es entwickelt sich ein neues Qualitätsbewusstsein. Wer eine Biosalami von der Landmetzgerei kauft und sich bewusst für handwerklich hergestellte Backwaren oder Käse entscheidet, will diese Produkte selbst weiterverarbeiten und nicht vorkonfektioniert und geschnitten aus der Plastikverpackung holen. Man geht sparsamer und sorgsamer um, wenn man den Hersteller kennt und einen Bezug zum Lebensmittel hat", sagt Schüller mit Blick auf Kundenbefragungen.

Das bestätigen die Zahlen der Studie. Fast jeder Vierte Hamburger kauft zwar die Ware am Stück, um Geld zu sparen (39 Prozent), 44 Prozent möchten jedoch Verpackungsmaterial vermeiden und so die Umwelt schonen. Ein Drittel der Hamburger erklärt, dass Lebensmittel am Stück länger frisch und haltbar bleiben (36 Prozent). Die Frage, "Was esse ich?" ist nicht zuletzt dank der Selbstinszenierung in den sozialen Medien auch zur Frage geworden: "Wer bin ich?". Zwar sagen 88 Prozent aller Deutschen von sich, dass sie alles essen. Der Anteil bekennender Vegetarier beträgt laut ritterwerk jedoch mittlerweile 5 Prozent. Veganer machen in Deutschland inzwischen 1 Prozent aus. In Hamburg gibt es 3 Prozent Vegetarier und 2 Prozent Veganer.

Im Auftrag von ritterwerk wurde Geschmacksache 2019 – Die Studie zu Craft Food, Bio- und regionalem Essen sowie Kaufverhalten in Deutschland von dem Panelanbieter respondi durchgeführt. Dabei wurden in einem bevölkerungsrepräsentativ quotierten Panel insgesamt 1.044 Konsumenten befragt, wobei die drei Städte München, Hamburg und Berlin mit je mehr als 100 Befragten regionale Schwerpunkte gebildet haben.

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