Wellness bei Krebs – Genießen mit Vorsicht

Fitness, Wellness & Beauty

ARCHIV-Inhalt (veröffentlicht: 28.01.2019)

Es regnet und schneit und der Wind bläst eiskalt. Vor allem in der dunklen Jahreszeit haben Wellness-Oasen mit Angeboten aller Art Hochkonjunktur. Ob Rotlicht, Fangopackung, Thermalbad oder eine Massage mit ätherischen Ölen – der Körper fühlt sich danach entspannt und wohlig warm. Auch viele Krebspatienten wünschen sich diese Behaglichkeit, sind aber häufig unsicher, ob dies in ihrer Situation ratsam ist. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums erläutert das Für und Wider.

Keine wissenschaftlichen Belege für Tumoraktivierung

Grund für die Bedenken vieler Krebspatienten ist die diffuse Befürchtung, durch Wärme jeglicher Art könnte die Tumorerkrankung erneut ausbrechen oder sich beschleunigen. Eine weitere These: Tumorzellen könnten sich durch Massieren, Drücken oder Kneten im Körper verbreiten. "Für beides gibt es derzeit keine belastbaren Beweise. Wir empfehlen aber grundsätzlich im Vorfeld das Gespräch mit dem behandelnden Arzt", so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum. Seit über 30 Jahren beantworten Ärzte kostenlos alle Fragen zum Thema Krebs telefonisch täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter 08 00/4 20 30 40 oder per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Problem Kreislauf

Ein heißes Bad, der Saunagang oder eine Massage – all das kann die Durchblutung verändern und so den Stoffwechsel beeinflussen. In Anbetracht der besonderen Situation von Krebspatienten ist es daher ratsam, vorsichtig zu sein. Denn während und oft auch noch nach einer belastenden Behandlung kann der Kreislauf geschwächt sein. Zu viel Wärme verkraftet der Körper dann eventuell nicht. Das gilt übrigens auch schon für die Wärmflasche und das heiße Bad zu Hause.

Das ist zu bedenken

  • Viele Krebstherapien machen die Haut zeitweilig empfindlicher. Zu langes Baden in warmem Wasser kann sie aufweichen. Inwiefern Mineralsalze, ätherische Öle, Moorschlamm und andere Packungen oder Peelings und Massagen verwendet werden können, sollten die behandelnden Ärzte entscheiden.
  • Vor allem nach Operationen sollten Belastungen der Haut vor Abschluss der Wundheilung in der betroffenen Region vermieden werden. Auch während der Strahlentherapie ist Vorsicht geboten.
  • Mechanische Manipulationen und Massagen an einem vermuteten oder bereits diagnostizierten Tumor sollten besser unterbleiben.
  • Wurden Lymphknoten entfernt oder bestrahlt, oder verlegt ein Tumor die Lymphbahnen, steigern Wärme oder unsachgemäße Manipulation das Risiko für ein Lymphödem.
  • Bei der Anwendung ätherischer Öle ist die Allergiegefahr zu berücksichtigen. Zu hoch konzentriert können sie die Haut oder die Atemwege reizen.
  • Schwimmbäder und Wellness-Einrichtungen werden von vielen Menschen frequentiert, so dass die Keimbelastung entsprechend hoch ist. Die körpereigenen Abwehrkräfte können therapiebedingt beeinträchtigt und damit überfordert sein.

Individuelle Entscheidung

Was der eine gut verträgt, kann negative Folgen für einen anderen haben: Die eine Brustkrebspatientin kann problemlos in die Sauna, bei der anderen entwickelt sich ein Lymphödem im Arm. Hat der eine Patient trotz Strahlen- oder Chemotherapie keine Probleme mit der Haut, zeigt der andere nach einer Fangopackung starke Hautreaktionen. Therapiefolgen, die eigentlich schon ausgeheilt sind, können erneut auftauchen. Daher gilt: Bei der Entscheidung für oder gegen Wärmeanwendungen jeglicher Art, Massagen und der Wellness zu Hause ist die individuelle Situation des Patienten ausschlaggebend. Ansprechpartner für eine Einschätzung ist der behandelnde Arzt.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum Krebsinformationsdienst KID.

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