Hamburger Wohnprojekte für Obdachlose

Leben & Arbeiten

Hamburger Wohnprojekte für Obdachlose, Foto: © Günter Kupich, Hamburg

© Günter Kupich, Hamburg

Laut Straßenmagazin Hinz&Kunzt sind Hamburgs Obdachlosenunterkünfte sehr überlastet. Wohnungslose haben nur noch dann den Anspruch auf ein Bett, wenn sie als besonderer Härtefall eingestuft werden. Dazu zählen Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die bereits lange auf eine Unterkunft warten oder Familie haben. Seit April 2014 schlafen rund 700 Obdachlose wieder auf der Straße.¹ Doch in Hamburg sind sie nicht auf sich allein gestellt. Neben Unternehmen wie "fördern & wohnen", die Wohnungslose unterstützen, können Obdachlose in diversen Wohnprojekten zurück in einen geregelten Alltag finden.

Obdachlose, die unter sozialen Problemen leiden und auf Hilfe angewiesen sind, haben in Hamburg die Möglichkeit, in Wohnprojekten unterzukommen. Dort werden sie für einen befristeten Zeitraum von Sozialarbeitern bei der Wohnungssuche unterstützt. Mit dem Projekt "Neue Wohnung" gründete die gemeinnützige Wohnungshilfe Ambulante Hilfe Hamburg e. V. bereits 1984 eine Beratungsstelle für Obdachlose. Drei Jahre später entstanden daraus die ersten Wohnungsprojekte.

Mittlerweile existieren drei Projekte für 61 Obdachlose: die Containerplätze Altona, Barmbek und Wartenau. In die Wohnprojekte ziehen vor allem Menschen ein, die lange auf der Straße leben. Dort können sie die Chance nutzen, sich körperlich und psychisch zu regenerieren. Dem Wohnprojekt Altona-Nord gehören 18 Container an, die ganzjährlich bewohnt werden. Darüber hinaus stehen den Bewohnern separate Duschen, Toiletten, Küchen, Büros und Werkstätten zur Verfügung. In weiteren 18 Container-Wohnungen in Barmbek haben Obdachlose sogar die Möglichkeit sich einzurichten.

Neben den Containerwohnungen gibt es außerdem ein Wohnprojekt in Hohenfelde. Der gut sanierte Altbau besteht aus 19 Appartements, die jeweils für ein halbes Jahr gemietet werden können. Anfänglich vom Stadtmagazin Hinz&Kunzt unterstützt, wird das Projekt heute allein von "Neue Wohnung" getragen. Ein besonderer Komfort: die Appartements sind mit einem Badezimmer, inklusive Dusche und teilweise einer kleinen Küche ausgestattet. Außerdem können die Bewohner einen Aufenthaltsraum, ein Büro sowie die Gemeinschaftsküche nutzen. Die Mietkosten der Übergangswohnungen sind den Umständen entsprechend niedrig angesetzt.

Ein weiteres Hamburger Wohnprojekt nennt sich "Münze" und hat sich auf psychisch kranke Menschen spezialisiert. Nach dem Motto "Erst mal ein Dach über dem Kopf", haben Obdachlose hier die Möglichkeit, in einem Appartement unbefristet zu wohnen. Die Einzelappartements liegen im Stadtteil Hammerbrook und sind mit eigenem Bad und einer Gemeinschaftsküche ausgestattet.

Weitaus spezialisierter ist das Wohnprojekt "Trotzdem": Obdachlose Haftentlassene können dort übergangsweise leben und durch sozialpädagogische Unterstützung in ein geregeltes Leben zurückzukehren. Neben individuellen Beratungsgesprächen stehen ihnen die Fachkräfte ebenfalls bei Anträgen und Behördengängen zur Verfügung. In 30 teilmöblierten Einzelzimmern, verteilt auf 15 Wohnungen, können Küche und Bad gemeinschaftlich genutzt werden. Die Wohnungen sind auf ein Jahr befristet.

1 Vgl. Hinz&Kunzt Pressemeldung: Ende des Winternotprogramms für Obdachlose. Öffentliche Unterbringung kollabiert (April 2014)

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