Das Turbo-Abi G8: Modernisierung in der Bildungslandschaft

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Das Turbo-Abi G8: Modernisierung in der Bildungslandschaft, Foto: © Günter Kupich, Hamburg

© Günter Kupich, Hamburg

Maximale Power – Minimales Leistungspaket, so urteilt rückblickend auf die Bildungsreform G8 eine sehr heterogene Gruppe. Ob Schüler, Eltern, Lehrer und Regierungsverbände, sie alle üben negative Kritik am verkürzten Abitur aus. Neben Ankündigungen, wie ein möglicher Nachteilsausgleich der Schul- und Hochschulabgänger im internationalen Vergleich, bleibt nichts als grauer Dunst, der für anhaltendes Gewirr in unserer bildungspolitischen Landschaft sorgt.

Die vor einem Jahrzehnt angestrebte Bildungsreform, welche die bislang neunjährige Oberstufenzeit (G9) auf eine achtjährige Gymnasialzeit (G8) verkürzt, wird nun auch von Seiten der Bildungsminister der alten Bundesländer zunehmend kritisiert. Bereits 2012 äußerte sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit der Botschaft, dass Schüler der fünften, sechsten und vielleicht auch siebten Klasse in die G9 wechseln können.

Obwohl die Ergebnisse der Evaluation zum G8-Lehrplan derzeit keine Nachteile für Schüler im G8-Reformpaket identifizieren konnten, diskutieren Eltern-, Wirtschafts- und Regierungsverbände noch immer kontrovers über die Problematik der modernisierten Schulpädagogik. Vor allem die viel zu langen Schultage, das schwer zu bewältigende Lernpensum und der immense Leistungsdruck standen ökonomischen Zielsetzungen und Interessen gegenüber.

Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) gab Anfang 2013 bekannt, dass sie aufgrund des Dauerstresses für die Schüler eine Regeloberstufenzeit von neun Jahren ab 2015/2016 anstrebe. Aber auch zahlreiche Gymnasien in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen sowie im ehemaligen G8-Vorreiter-Bundesland Schleswig-Holstein haben eine Kehrtwende eingeschlagen und die neunjährige Oberstufenzeit wieder eingeführt. In Hamburg hingegen wird nach zahlreichen Protestaktionen von Eltern mit der Volksinitiative "G9 Jetzt" gegen die G8-Reform bzw. für eine Wahlfreiheit mit einem Volksentscheid dem Hin und Her ein Ende bereitet. Ähnlich wie bei den Hamburger Forderungen wird auch in Bayern ein Volksentscheid über das Volksbegehren der Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 entscheiden.

Trotz harter Kritik an G8 können die Schulen und Schulabgänger auch ein positives Resümee aus den vergangenen Jahren ziehen. Neben dem Ausbau der Schulmensen und Bibliotheken standen auch die unter G9 standardisierten Lehr- und Bildungspläne auf dem Prüfstand.

Und so gilt auch hier: nach der Reform ist vor der Reform! Das Baden-Württembergische Ministerium für Kultur, Jugend und Sport wird z. B. 2015/2016 eine Bildungsplanreform durchsetzen. Ziel ist die Stärkung der Bildungsgerechtigkeit durch den Abbau von Hürden, das Umsetzen einer höheren Transparenz im Bildungssystem und der Ausbau der Bildungspläne.

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