Ein warmes Bett und mehr – Versorgung für obdachlose Menschen

Jährlich beginnt am 1. November das Winternotprogramm, mit dem die Stadt Hamburg einen Schlafplatz für die Nacht, Versorgung sowie umfassende soziale Beratung anbietet, um Menschen in Notlagen zu helfen. Um sichere Bedingungen während der Corona-Pandemie zu bieten, wird das Programm in diesem Jahr deutlich ausgeweitet: Mit einem zusätzlichen Standort werden weitere Schlafplätze angeboten, sodass insgesamt bis zu 1.020 Betten zusätzlich zu den ganzjährigen Hilfen für obdachlose Menschen bereitstehen. Außerdem wird eine zusätzliche Tagesaufenthaltsstätte mit rund 200 Plätzen eingerichtet.

Fördern und wohnen, © Martin Lukas Kim
Fördern und wohnen, © Martin Lukas Kim

Das Winternotprogramm (WNP) umfasst im anstehenden Winter alle Angebote, die auch in den Vorjahren zur Verfügung standen. An den Übernachtungsstandorten in der Friesenstraße und der Kollaustraße stehen 400 bzw. 250 Plätze und zusätzlich eine Reserve von insgesamt 100 Plätzen zur Verfügung. Die Standorte verfügen jeweils über abgetrennte Bereiche für Frauen. 

Darüber hinaus werden auch in diesem Jahr rund 120 städtisch finanzierte Übernachtungsplätze dezentral bei Kirchengemeinden und Hochschulen angeboten, z. B. in Containern. Die jetzigen Bewohner können für das WNP dort verbleiben. Die noch offenen bzw. durch Fluktuation freiwerdenden Plätze werden gezielt vergeben an Personen mit besonderen Betreuungsbedarfen, die von Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe benannt und von diesen auch vor Ort mit betreut werden.

Das WNP ist weiterhin ein ergänzendes Angebot zu den übrigen Notübernachtungen: Die ganzjährig zur Verfügung stehende Übernachtungsstätte Pik As verfügt über 330 Plätze. Hinzu kommt eine spezielle Notübernachtungsstätte für Frauen in der Horner Landstraße 85 mit 50 Plätzen. Daneben besteht ein breites Hilfesystem aus staatlichen, staatlich finanzierten und zusätzlichen freien Hilfs- und Beratungsangeboten. Die aktuelle, umfassende Zusammenstellung ist unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit abrufbar.

Winternotprogramm unter Corona-Bedingungen: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie erfordern auch hinsichtlich der Hilfen für obdachlose Menschen besondere Vorkehrungen. Hierfür verfügt die Betreiberin, fördern und wohnen AöR, über umfassende Hygienekonzepte. Tagsüber werden die Übernachtungsstandorte gründlich gelüftet und gereinigt. Alle Standorte bieten die Voraussetzungen für eine lockere Belegung, um angemessene Abstände zu ermöglichen. Nutzer, die üblicherweise als Gemeinschaft übernachten, dürfen dennoch auch im Winternotprogramm gemeinsam ohne Abstände untergebracht werden.

Durch regelmäßige Präsenzen von medizinisch geschultem Fachpersonal können nötige Hilfebedarfe erkannt und eingeleitet werden. Verdachtsfälle auf eine Corona-Infektion werden bis zur Abklärung des Verdachts unverzüglich vor Ort isoliert untergebracht, und gegebenenfalls in separate Quarantäne-Standorte verlegt, in denen bestätigte Infektionsfälle für die Dauer der Erkrankung verbleiben. So soll vermieden werden, dass etwaige Infektionen sich ausbreiten.

Ausgeweitetes Angebot: Um eine lockere Belegung zu ermöglichen und zugleich erweiterten Nutzergruppen angemessene Kapazitäten zu bieten, ist ein zusätzlicher Übernachtungsstandort mit weiteren hinzukommenden Betten in Planung. Dieser soll nach Abschluss der Vorbereitungen voraussichtlich im Laufe des Novembers in Betrieb genommen werden. Die zusätzlichen Kapazitäten stehen dann zu einem Zeitpunkt zur Verfügung, zu dem erfahrungsgemäß mehr Nutzer das WNP aufsuchen.

In den Räumlichkeiten der "Markthalle", Klosterwall 11, wird zudem im Laufe des Novembers eine zentral gelegene, zusätzliche Tagesaufenthaltsstätte (TAS) mit rund 200 Plätzen in Betrieb genommen werden. Eine Verstärkung des Angebots erfolgt auch, indem die schon bestehende TAS in der Hinrichsenstraße ihre Öffnungszeiten ausweiten wird. Beide Standorte werden dann von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr verfügbar sein und warme Mittagsmahlzeiten bieten.

Um die Versorgung mit einer abendlichen Mahlzeit an den Übernachtungsstandorten zu sichern, wird in Ausweitung des bisherigen ehrenamtlichen und spendenbasierten Angebots eine Mahlzeit durch ein städtisch finanziertes Catering bereitgestellt.

Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard: "Das umfassende Winternotprogramm wird auch in den kommenden Monaten für alle Menschen zur Verfügung stehen, die in Hamburg ohne Obdach sind und keine Möglichkeiten haben, sich selbst zu helfen. Damit wir während der Corona-Pandemie ausreichend Platz bieten können, richten wir einen zusätzlichen Standort ein. Auch für die Versorgung tagsüber legen wir nach – zentral in der Stadt wird in der derzeit für große Konzerte nicht genutzten Markthalle ein Ort zum Aufenthalt zur Verfügung stehen. Ein Kultur-Ort, der in dieser schwierigen Zeit für ein soziales Angebot genutzt werden kann: Das ist eine richtig gute Sache!"

Das Winternotprogramm ist niedrigschwellig. Die Nutzung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Um es in Anspruch zu nehmen, müssen sich Hilfesuchende nur zu einem der Standorte begeben. Im vergangenen Winter gab es jederzeit eine freie Übernachtungsmöglichkeit, sodass niemand aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden musste. Durch ein System zur Vergabe der Betten können Übernachtende jeden Abend zu demselben, von ihnen genutzten Schlafplatz zurückkehren. Damit die Sicherheitsbedürfnisse der Nutzer erfüllt sind, dürfen in den Übernachtungsräumlichkeiten keine Alkoholika oder Suchtmittel konsumiert werden, stehen abschließbare Schränke zur Verfügung und ist dauerhaft ein Wachdienst präsent.

Es handelt sich bei dem Winternotprogramm um ein staatliches Angebot zur Gefahrenabwehr bei kalten Tagen mit frostigen Nächten. Es richtet sich ausschließlich an obdachlose Menschen in Hamburg, die eine Übernachtung suchen und über keine sonstigen Möglichkeiten zur Selbsthilfe verfügen. Hamburg bietet damit mehr als einen reinen Erfrierungsschutz. Insgesamt gibt die Stadt für diese Hilfen während des WNP 2020/21 voraussichtlich rund 10 Millionen Euro aus.

Das Winternotprogramm besteht aus zwei Komponenten: Mit den Notübernachtungsstandorten, die bereits ab 17.00 Uhr öffnen und bis 9.30 Uhr am Morgen zur Verfügung stehen, werden eine abendliche Mahlzeit, ein warmes Bett sowie Beratung und Betreuung geboten. Mit den Tagesaufenthaltsstätten (9.30 bis 16.30 Uhr) ist komplementär auch die restliche Zeit des Tages abgedeckt. Zwischen dem Innenstadtbereich und den anderen Übernachtungsstandorten wird ein Busshuttle angeboten (Abfahrt um 18.00 Uhr vom Standort Friesenstraße).

Trotz der besonderen Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie wird weiter Beratung und Hilfe zur Überwindung der prekären Lebenslage angeboten. Durch Sozialberatung, teilweise auch in unmittelbarer Kooperation vor Ort mit Jobcenter, mit Beratungsstellen für Obdachlose sowie mit Einrichtungen der Drogen- und Suchtberatung werden auch im kommenden Winter Menschen Unterstützung bei der Realisierung von Leistungansprüchen, bei der Suche nach einer Unterbringung bzw. eigenem Wohnraum, bei der Perspektivklärung sowie bei der Überwindung besonderer persönlicher Schwierigkeiten erhalten.

Quelle: Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration

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