Unfruchtbarkeit: "Das Thema ist leider immer noch tabu – insbesondere unter Männern"

Unfruchtbarkeit: "Das Thema ist leider immer noch tabu – insbesondere unter Männern". Je nach Statistik braucht jedes sechste Paar, das sich Kinder wünscht, hierzulande medizinische Unterstützung.

Sonja Steinert, Pressefoto
Sonja Steinert, Pressefoto

Doch für die meisten ist Unfruchtbarkeit nach wie vor ein Tabuthema – vor allem unter Männern, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage der Kinderwunsch-Plattform Fertilly zeigt, die vom Hamburger Marktforschungsinstitut Appinio durchgeführt wurde.

Ein Interview mit Sonja Steinert, zertifizierte Kinderwunschberaterin und Teamleiterin bei Fertilly.

Wer ist am häufigsten von Unfruchtbarkeit betroffen?

Auch wenn die allgemeine Wahrnehmung zu 75 % das Thema Unfruchtbarkeit den Frauen zuordnet, ist es tatsächlich zwischen den Geschlechtern komplett gleich verteilt.

Der sogenannte "male factor" und der "female factor" liegen bei jeweils etwa 30 %.

In weiteren rund 30 % der Fälle sind beide Geschlechter eingeschränkt in der Fruchtbarkeit und in den verbleibenden 10 % kann keine genaue Ursache ausgemacht werden.

Umfrage Unfruchtbarkeit, © Fertilly
Umfrage Unfruchtbarkeit, © Fertilly

Welche Faktoren können Unfruchtbarkeit begünstigen?

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Faktoren, die Unfruchtbarkeit – bei Männern und Frauen – begünstigen können.

Das sind unter anderem allgemein bekannte Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Drogen, Stress, Schlafmangel, Über- oder Untergewicht bzw. insgesamt eine ungesunde Ernährung.

Hinzu kommen Umwelteinflüsse, die Aufnahme von Mikroplastik (beispielsweise durch Kosmetika, etc.) und auch bestimmte Medikamente, welche aufgrund anderer Grunderkrankungen eingenommen werden.

Als Hauptursache für Unfruchtbarkeit gilt jedoch sowohl für Männer als auch für Frauen das Alter: Bei Frauen sinkt die Fruchtbarkeit bereits ab dem 30. Lebensjahr erheblich, bei Männern etwa 10 Jahre später, ab 40 Jahren.

Der wichtigste Indikator für die eigene Fruchtbarkeit ist übrigens bei Frauen die Messung des AMH-Wertes (Anti-Müller-Hormon), welches Auskunft über die Quantität der Eizellreserve gibt.

Diesen kann man relativ einfach bei dem Arzt bestimmen lassen.

Für Männer ist es sogar noch einfacher, denn mit unserem Spermiogramm-Test für zu Hause können Männer binnen 15 Minuten das Ergebnis bequem auf dem Handy abrufen. Das beschleunigt den gesamten Prozess enorm.

Mit welchen Herausforderungen sind ungewollt Kinderlose oft konfrontiert?

Vor allem erst einmal Orientierungslosigkeit. Das Thema Unfruchtbarkeit ist leider in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema – insbesondere die männliche Unfruchtbarkeit.

Nur wenige Betroffene haben das Glück, bei einem Arzt in Behandlung zu sein, der über fundiertes Wissen in diesem Bereich verfügt. Bei Gynäkologen heißt es noch viel zu oft: "Probieren Sie es erst ein Jahr und dann sehen wir weiter".

Das hat ungünstigerweise zur Folge, dass viele noch mehr Zeit verlieren und Zeit ist hier einer der wichtigsten Faktoren.

Hinzu kommt natürlich die enorme emotionale Belastung, sowohl für einen persönlich als auch in der Beziehung zum Partner.

Nicht selten hören wir, dass die Belastung der Diagnose "unfruchtbar" mit dem Erhalt einer Krebsdiagnose vergleichbar ist – das muss man erst einmal verarbeiten.

Als letzte große Herausforderung müssen wir natürlich auch die finanzielle Belastung hervorheben.

Aktuell sieht das Gesetz der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland vor, dass lediglich verheiratete heterosexuelle Paare (Frau 25 - 40 Jahre / Mann 25 - 50 Jahre) mindestens 50 % der Kosten bezuschusst bekommen.

Je nach Krankenkasse und Behandlungsart unterschieden sich die Leistungen hier teils stark.

Man befindet sich also in einem regelrechten Informationsdschungel und liest teils sogar unterschiedliche Aussagen, sodass eine Beratung definitiv zu empfehlen ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten und -chancen gibt es für Betroffene?

Natürlich ist das von Fall zu Fall unterschiedlich.

Da gibt es zum einen die Befruchtung innerhalb des weiblichen Körpers, ähnlich des natürlichen Weges – die sogenannte Insemination (IUI).

Zum anderen gibt es noch die Möglichkeit, die Befruchtung außerhalb des weiblichen Körpers durchzuführen, mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) bzw. Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI).

Bei letzteren beiden Behandlungen sind sowohl erfahrene Ärzte, Biologen & Embryologen als auch ausgezeichnete Labore zwingende Voraussetzung, um eine erfolgreiche Behandlung gewährleisten zu können.

Bei einer IVF werden in einem Reagenzglas einzelne Eizellen mit aufbereiteten Spermien zusammengebracht, somit findet die Befruchtung selbst im Reagenzglas statt.

Sollte das Spermiogramm starke Einschränkungen zeigen, wählt man eine ICSI Behandlung, hierbei wird ein ausgewähltes einzelnes Spermium unter dem Mikroskop mit einer Mikropipette direkt in die Eizelle injiziert.

Hier findet die Befruchtung demnach "per Hand" statt.

Wie hilft Fertilly konkret Betroffenen und wer wendet sich an sie?

Wir haben es uns bei Fertilly zur Aufgabe gemacht, Patienten Orientierung, Hilfestellung & Wissen zu vermitteln.

Jede Kinderwunschreise ist individuell und unser Ziel ist es, dass alle Patienten ihre Möglichkeiten kennen und ein Gefühl dafür bekommen, was auf sie zukommt.

Selbstverständlich unterstützen wir Patienten auch bei der Suche nach der passenden Klinik für ihre Bedürfnisse.

Wir arbeiten mittlerweile mit 30 Partnerkliniken in ganz Europa zusammen, die auf verschiedene Behandlungen spezialisiert sind.

Diese Kliniken werden von uns fortlaufend und regelmäßig evaluiert.

Unser gesamter Service ist für alle Patienten kostenlos und kann je nach Wunsch eine Erstberatung sein oder aber die Begleitung der gesamten Kinderwunschreise.

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